Bericht – Indoor Swiss Open 2007
In den letzten 3 Jahren haben mittlerweile eine ganze Anzahl von gut besuchten Indoor-Meetings in Hochdorf LU stattgefunden. Dabei ging es immer darum, das freie Fliegen in der Halle zu üben und dabei möglichst wenig zusammenzustossen. Mittlerweile hat das Können der Piloten massiv zugenommen, dass alles was vor 3 Jahren spektakulär war, heute schon fast normal ist. Zudem hat sich das Material massiv entwickelt, sodass die Modelle mit einem Gewicht von über 200 g eher eine Seltenheit sind.
Mit dem gestiegenen Können ist auch das Thema «Wettbewerb» zunehmend diskutiert worden. Dies nicht zuletzt, weil unsere deutschen Nachbarn da schon einiges an Vorarbeit geleistet haben und die ganze Entwicklung massgeblich beeinflusst haben. Hugo Peyer und Felix Zünd haben sich darum entschieden, dem Ganzen einen Ruck zu geben, und haben darum die Organisation des ersten offiziellen, vom SMV unterstützten F3P-Wettbewerbs gemäss den internationalen Regeln in Angriff genommen.
Die Idee, eine Schweizer Meisterschaft durchzuführen, musste relativ schnell verworfen werden. Einerseits macht die Fako die Auflage, dass mehrere Wettbewerbe einer Klasse durchgeführt werden müssen, bis eine erste offizielle SM durchgeführt werden kann. Andererseits hat die effektive Organisation gezeigt, dass wirklich Aufbauarbeit geleistet werden muss. Nicht zuletzt weil noch keine gültigen CH-Versionen der F3P-Reglemente vorliegen und auch die Klasse für die F3A-Punktrichter Neuland ist.
Zentral bei der ganzen Organisation ist die Verfügbarkeit einer geeigneten Halle. Hier hat die Gemeinde Hochdorf optimale Vorarbeit geleistet. Die Sporthalle in Baldegg darf schlicht als optimal (hoch, lang, wenig Hindernisse) für den Wettbewerb bezeichnet werden. Zudem zeigt sich die Gemeinde sehr kooperativ dem lokalen Verein (MV Hofdere-Indoor und MV Emmen-Seetal) gegenüber, sodass dieses Problem relativ rasch erledigt war.
Nachdem die personelle Organisation definiert war und die Vorarbeiten für die Infrastruktur und Ausschreibung erledigt waren, mussten nur noch die Anmeldungen der Piloten für die ausgeschriebenen Programme F3P-A (Experten), F3P-C (Einsteiger) und F3P-AeroMusical (Kür mit Musik) entgegengenommen werden. Als Reglement wurden die offiziellen Versionen des Deutschen Aero Clubs verwendet. Erfreulicherweise meldeten sich 17 Piloten im A-Programm, 6 im C-Programm und 8 im AeroMusical an. Damit war zugleich auch die Grenze des Machbaren erreicht, wie es sich später herausstellen sollte.
Der Wettbewerb startete mit minimaler Verzögerung, da die Punktrichter mit der Jury zuerst noch die Schulbank drücken mussten. Später lief der Wettbewerb sehr flüssig ab. Es zeigte sich recht bald, dass auf einem hohen Leistungsstand geflogen wurde. Das zeigt auch die überraschend hohe Anzahl der A-Piloten. Letztendlich haben sich im A-Programm wie auch im AeroMusical bekannte Spitzenpiloten fliegerisch durchgesetzt. Neben der Beherrschung der Modelle in jeder Lage hat auch die Routine, unter der Belastung des Wettbewerbs saubere Flüge zeigen zu können, den Ausschlag gegeben.
Es zeigt sich, dass neben den arrivierten Piloten auch weitere, z. T. junge Piloten nachdrängen und gedenken, in Zukunft bei den vorderen Plätzen mitzumischen. So zum Beispiel der 10-jährige und jüngste Teilnehmer Nico Strebel von der MG Pfäffikon, der in seinem ersten Wettbewerb sein Vater bereits hinter sich gelassen hat. Die beiden Youngster Stefan Kaiser und Christoph Hardegger von der MFG Lichtenstein platzierten sich in der Expert-Klasse im Mittelfeld. Beide setzten eine interessante Eigenkonstruktion, namens «Syriana», ein. Auch der 18 Jahre alte Reto Schuhmacher aus dem Wallis, bereits ein bekannter Name in der F3A-Szene, hat mit seiner in CNC gefertigten Konstruktion «Torevo» beeindruckende Flüge gezeigt. Im hart umkämpften A-Programm konnten sich auch die Spitzenpiloten keine Flops leisten. So musste Reto eine Kollision mit anschliessender «Ablandung», verursacht durch die Werbe-Beach-Flag von einem der Sponsoren, über sich ergehen lassen. Ebenso buchte Noldi Peyer vom MSV Reusstal im ersten Durchgang bei der Landung einen Nuller. Seine frei erfundene Start- und Landeprozedur wurde von den Punktrichtern nicht goutiert und führte zu den gefürchteten Nullen.
Beim Aero-Musical dominierte im ersten Durchgang Jean-Claude Spillman von der MG Reichenburg, der jedoch vom immer lockerer fliegenden Fricktaler Andi Haller eingeholt wurde. Pirmin Jund, zu diesem Zeitpunkt im WK, konnte nur wenige Flüge in der Halle trainieren. Sein harmonisch und im Takt geflogenes Programm beeindruckte sehr. Dass er den Sieg im A-Programm nach Hause flog, überraschte auch ihn.
Die Flüge im C-Programm zeigten, dass auch verhältnismässig einfache Figuren sauber geflogen werden müssen. Vielleicht ist es sogar noch schwieriger, weil sie einfach sind, werden hohe Massstäbe angelegt. Bekanntlich ist dies unter Wettbewerbsbedingungen mit zittrigen Händen keine leichte Aufgabe. Hier setzte sich letztendlich Raphael Tinguely vor Adi Bruni knapp durch. Raphael hat mit grosser Konstanz sehr saubere Flüge gezeigt, sodass die Entscheidung schliesslich zu seinen Gunsten ausfiel.
Die schnellablaufende Sequenz der Figuren verlangt eine hohe Beherrschung des Modells. Dies gilt aber nicht nur für die Piloten. Auch die Punktrichter mussten voll da sein, um alle Figuren mitzubekommen. Ein Erholen war da nur zwischen den Flügen und in den Pausen möglich. Letztendlich zeigte es sich, dass nicht nur die Favoriten das Programm jedoch im Griff hatten, wenn auch das eine oder andere kleine Missgeschick zu ersten Zäsuren führte.
Mit etwas Verspätung konnte die Rangverkündigung durchgeführt werden. Der Veranstalter hob hervor, dass es auch bei diesem Wettbewerb nur Sieger gibt, das sie die Herausforderung angenommen haben. Die Verlierer waren (noch) nicht anwesend. Jeder Teilnehmer konnte eine Urkunde entgegennehmen. Die Erstrangierten wurden mit einem kleinen Pokal ausgezeichnet.
Eine Frage bleibt noch offen. Was für Material wurde geflogen? Die Entscheidung, ob nun der Eindecker oder der Doppeldecker das bessere F3P-Modell ist, die ist immer noch offen. Bei den Doppeldeckern fiel das erwähnte Modell von Reto und die sehr sauber und leicht gebauten Doppeldecker namens «Saturn» von Noldi Peyer auf. Sein Modell klebt förmlich in der Luft und entspricht dem heutigen Stand von einem F3P-Modell. Doppeldecker generell scheinen einen leichten Vorteil aufzuweisen. Diese Modelle geraten kaum ins Schaukeln, auch bei extrem langsamer Fluggeschwindigkeit.
Bei den Eindeckern ist auch der von Pirmin Jund eingesetzte Manta ein geeignetes Bausatz-Modell, vertrieben durch die Firma Mamo-Models. Mit einem Gewicht von 125 g ist das Flugverhalten nahe an den Eigenschaften von einem Doppeldecker. Alle Ruderanlenkungen sind bei diesem Modell mit leichten Kunststofffäden versehen. Ein unglaubliches Gefummel zu montieren, aber stets möglich nachzuspannen, mit Kleinstklemmteilen integriert in den raffiniert gestalteten Scharnier-Ruderhörnern.
Die meisten Modelle wurden mit 2S 300 mAh Lipos geflogen, um das Gewicht möglichst niedrig zu halten. Bei den Motoren waren alle Fabrikate anzutreffen. Im Wesentlichen kann man sagen, dass zum Beispiel die etwas teureren, dafür aber gut entwickelten Strecker-Motoren einen etwas besseren Wirkungsgrad aufweisen als gängige Billigprodukte.
Bei den Reglern wurden häufig der Phönix von Castle oder die kleinen YGE-Regler eingesetzt. Mit den entsprechenden Tools lassen sich beim Phönix alle Parameter einstellen. Einige Teilnehmer hatten so die Motorbremse aktiviert, um in den Abwärtspassagen die Modelle zu verlangsamen.
Auch bei den Servos könnte man einen eigenen Bericht verfassen. U.a. scheint für diese Sparte das Robbe-Servo FS 31 Pico geeignet zu sein. Dieses Produkt ist wirklich präzise und mit gerade mal 4,7 g sehr leicht. Die Qualität der erhältlichen Empfänger, so zum Beispiel die Produkte der Firma Berg, ist ausgezeichnet. Die Trennschärfe und Störungsunempfindlichkeit der Winzlinge, die kaum noch 4 g wiegen, ist erstaunlich.

F3P-A (17 Klassierungen):
1. Pirmin Jund
2. Jean-Claude Spillmann
3. Alois Schürmann
F3P-AM: 1. Andi Haller
2. Jean-Claude Spillmann
3. Pirmin Jund
F3P-C: 1. Raphael Tinguely
2. Adrian Bruni
3. Felix Zünd
Baukastenmodelle oder Eigenkonstruktionen hielten sich in etwa die Wage. Jedenfalls lohnt es sich, die zum Teil raffinierten Detaillösungen an den Modellen zu bestaunen. Wir möchten alle, die sich für diese tolle Sparte interessieren, auch motivieren, in den kommenden Jahren an diesen Wettbewerben mitzumachen. Es geht auch nicht zuletzt darum, Boden gutzumachen gegenüber den umliegenden Nachbarländern, die bereits einige nationale Meisterschaften durchgeführt haben.
Dass dieser Wettbewerb ein voller Erfolg war, ist den Teilnehmern und den vielen Helfern zuzuschreiben, die alle ihren Beitrag fürs Gelingen geleistet haben. Aber auch der Gemeinde Hochdorf, den Vereinen Emmen-Seetal und Hofdere-Indoor und den Sponsoren gebührt ein herzliches Dankeschön für ihre Unterstützung.
Wenn alles klappt und die «Hallengötter» uns wohl gestimmt sind, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr die Wiederholung stattfinden. Es wäre aber auch schön, wenn in anderen Hallen ähnliche Events durchgeführt würden. Eines ist aber schon jetzt klar, das Niveau wird bis zur nächsten Hallensaison nicht sinken. Ganz im Gegenteil, und das ist gut so!
Felix Zünd, Hugo Peyer

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