Sport

50 Jahre Fesselflug-Jura-Cup – Das unvergessliche Jubiläum

von Ursi Borer
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Vor 50 Jahren – im September 1973 – wurde der internationale Jura-Cup zum ersten Mal durchgeführt. Es war dies für den Fesselflug in der Schweiz ein historisches Ereignis und der Beginn einer neuen Ära. Erstmals konnte die neu erbaute Fesselfluganlage im Schwalbennest bei Büsserach SO einem internationalen Publikum präsentiert werden. Und der Erfolg war riesig: 80 Konkurrenten aus 12 Nationen kamen angereist und kämpften um die Pokale in den Kategorien Speed, Aerobatics und Team-Racing. Das Schwalbennest war mit einem Schlag das Zentrum der europäischen Fesselflugszene geworden. Voller Euphorie wurde damals vom Organisator – der Modellfluggruppe Breitenbach – beschlossen, den Wettbewerb als World-Cup-Event fortan alle zwei Jahre durchzuführen. Die Euphorie hat bis heute angehalten. Am Wochenende vom 23./24. Juni konnte der Jura-Cup sein 50-Jahre-Jubiläum feiern.

Vieles ist in diesen 50 Jahren geschehen. Die Modelltechnik hat enorme Fortschritte gemacht, neue Flugkategorien wurden entwickelt, und die Regeln für die Durchführung von internationalen Wettbewerben wurden von der Modellflugdachorganisation (Ciam) laufend angepasst. In verschiedenen Ländern sind neue Fesselfluganlagen entstanden, und viele neue internationale Wettbewerbe wurden lanciert. Diese Entwicklungen hatten Auswirkungen auf die Austragung von Fesselflugwettbewerben. So ist es heute nicht mehr möglich, einen internationalen Anlass in verschiedenen Kategorien an einem Wochenende auf nur einer Piste (wie im Schwalbennest) durchzuführen. Denn dafür bräuchte es – unter anderem für offizielle Trainings – mehrere Pisten. Auch der Jura-Cup wurde laufend an die neusten Entwicklungen in der Szene angepasst. So wird er seit 2016 sogar jährlich durchgeführt, aber in wechselnden Kategorien: in einem Jahr in den Rennkategorien



Speed- und Team-Racing, im anderen Jahr in Aerobatics. Zum 50-Jahre-Jubiläum war der Jura-Cup Aerobatics an der Reihe. Und als besonderes Highlight wurde er nicht im Schwalbennest, sondern in Ciriè im italienischen Piemont ausgetragen (Foto 1). Eine Einladung der italienischen Fesselflugfreunde, den Jura-Cup zusammen mit dem ebenfalls traditionellen Franco-Ballesio-Cup zu organisieren, machte dies möglich. Das bedeutete zwei World-Cup-Events an einem Wochenende: Jura-Cup am 23./24. und Franco-Ballesio-Cup am 24./25. Juni 2023. Das Interesse, an diesem Doppelwettbewerb teilzunehmen, war riesig. Um ihn ohne Stress durchführen zu können, musste sogar eine Limite von 25 Teilnehmern vorgegeben werden. In nur einem Tag war diese Anzahl Anmeldungen erreicht (Foto 2).



Aus der Schweiz war eine grosse Delegation angereist (Foto 3), davon waren 6 Piloten am Start (Fotos 4, 5). Lauri Malila erreichte mit dem 5. Platz ein Spitzenresultat (Foto 6). Die anderen Schweizer belegten hintere Ränge – was zum Teil erklärbar war: Denn man benutzte den Doppelwettbewerb in Ciriè auch dafür, verschiedene Modelle und Techniken hinsichtlich der bevorstehenden Europameisterschaft in Polen zu testen. Gewonnen wurde der Wettbewerb von Marco Valliera, Italien, einem der weltbesten Aerobatics-Piloten (Fotos 7, 8). Auf die Plätze 2 und 3 flogen die Chinesen Jun Yang und Bingchu Jiang. Ihre lange Anreise von Peking nach Ciriè hatte sich gelohnt (Foto 9). Die gesamte Rangliste des Jura-



Cups 2023 kann hier eingesehen werden: <https://www.fesselflug.ch/>

Es war ein Anlass wie aus dem Bilderbuch: wunderbares Wetter, beste Organisation, motivierte Piloten, hochprofessionelle Leistungen, was will man mehr!

Die italienischen Freunde vom Club VO.LI Aeromodellistico, Ciriè, setzten alles daran, die beiden Wettbewerbe perfekt zu organisieren und dabei viel Fröhlichkeit und grosse Hilfsbereitschaft zu zeigen. Bemerkenswert war auch die Leistung der fünf Punktrichter, die an diesen drei Tagen je rund 2400 Noten für Flugmanöver



vergeben und dabei die Konzentration nicht verloren haben (Foto 10). Und schliesslich verdienten auch die piemontesische Gastfreundschaft und die leckere Küche ein grosses Kompliment.

Zusammenfassend darf gesagt werden, dass dieser Doppelwettbewerb ein würdiges Jura-Cup-Jubiläum war (Foto 11) – und wohl auch der schönste internationale Fesselflug-Aerobatics-Anlass in diesem Jahr in Europa. Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Durchführung des Jura-Cups Aerobatics in Ciriè in zwei Jahren unbedingt wiederholt werden soll. Kommt

noch dazu, dass es die prächtige Fesselfluganlage in Ciriè erlaubt, mit 21 m Leinenlänge zu fliegen, was dem heutigen internationalen Standard für Aerobatics entspricht. Die Anlage Schwalbennest – als Rennpiste für Speed- und Team-Racing gebaut – ist auf eine kürzere Leinenlänge ausgerichtet, war für ausländische Aerobatics-Piloten ein Handicap bedeutet. Das Schwalbennest kommt aber im kommenden Jahr wieder zum Zug, wenn der Jura-Cup in Speed- und Team-Racing ausgerichtet wird.

Der Jura-Cup hat sich im Verlauf der letzten 50 Jahre ge-

wandelt – doch er hat seinen Stellenwert als einer der wichtigsten und traditionsreichsten Fesselflugwettbewerbe in Europa behalten. Darauf dürfen die

Schweizer Fesselflieger und die MG Breitenbach stolz sein.

Ursi Borer, MG Breitenbach, Juli 2023



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