Der Ferienpass March hebt ab
Sommerzeit ist Ferienpasszeit: 16 Kinder und Jugendliche – darunter drei Mädchen – treffen sich an einem strahlenden Tag in der ersten Ferienwoche auf dem Flugplatz Langholz, um sich bei der Modellfluggruppe Buttikon in die Geheimnisse der Modellfliegerei einweihen zu lassen.
Volle Konzentration – wie weit wird der Flieger wohl segeln?

«Hochziehen, cool» – «Rico, Versuch mal zu landen – oh, Crash...! – Darf ich jetzt?» – Der Flugsimulator ist beliebt bei den Teilnehmern des Ferienpasses March, eines betreuten Ferienprogramms für Kinder von Pro Juventute. Drei Gruppen üben im Wechsel das Fliegen am Laptop, bauen aus Balsaholz ein Segelflugzeug oder kurven – unter Aufsicht – mit einem richtigen Modellflugzeug am Himmel.
Bereits seit mehreren Jahren bietet die 2002 gegründete Modellfluggruppe Buttikon Modellfliegen als Ferienpass-Aktivität an. Harry Müller, Jugendbetreuer im Verein, hat diesen Tag mit grossem Engagement vorbereitet: «Es gefällt mir, dass ich etwas weitergeben und motivierte Jugendliche fördern kann.» Gemeinsam mit dem mehrfachen Schweizer Meister Thomas Wackerlin verrät Müller beim Bauen die Kniffs, damit das Flugzeug später möglichst weit segelt.
Der Flugbetriebsleiter des Vereins, Werni Hotz, und Kassier Dani Baumann fliegen mit den Teilnehmenden an der sogenannten Lehrer/Schüler-Steuerung. Dabei kann der Lehrer die Steuerung des Flugzeugs jederzeit übernehmen und so manchen Absturz verhindern. Auf diese Weise wird der Flug zum Erfolgserlebnis – im Gegensatz zu den Anfängen der Modellfliegerei, als der Spass oft von kurzer Dauer und mit viel Reparaturarbeit verbunden war. Der Simulator mit der echten Fernbedienung erleichtert den Einstieg, betont Werni: «Man merkt gleich, wer schon am Simi geübt hat.» Nur das Adrenalin fehle dabei. Konzentration ist gefragt: Wenn nach

rund zehn Minuten der Akku des Fliegers leer ist, benötigt meist auch der Pilot oder die Pilotin eine Pause.
Dani und seinen Vereinskollegen liegt die Sicherheit am Herzen: «Ein Modellflugzeug ist kein Spielzeug. Jeder Pilot ist verantwortlich, dass es nicht zu Schäden oder sogar zu Unfällen kommt.» Die Jugendlichen nicken und auch den Umgang mit den LiPo-Akkus nehmen sie ernst. Unmittelbar

nach der Landung entfernen sie die Akkus, damit der Propeller nicht unbeabsichtigt dreht und jemanden verletzt. Die Akkus werden in feuersicheren Taschen geladen und transportiert. Da heute die meisten Piloten auf Elektroantrieb setzen, hat der Verein vor rund einem Jahr in einen Stromanschluss und eine Schnellladestation investiert.
Und warum haben die Schüler und Schülerinnen das Modellfliegen gewählt? Die Motivation ist unterschiedlich: Der zehnjährige Nico mag sowieso alles, was sich fernsteuern lässt. Erfahrung hat er jedoch erst mit Autos. Er ist nun gespannt, wie sich das Fliegen anfühlen wird. Sebastian hingegen, dessen Onkel bereits fliegt, will den Modellflugsport unbedingt von Grund auf lernen. Interessieren sich Jugendliche fürs Fliegen, können sie bei der Modellfluggruppe Buttikon fünf Mal schnuppern und mit Harry jeweils am Samstagvormittag üben. Danach entscheiden nicht zuletzt die Eltern, ob sie gewillt sind, künftig die Vereinsmitgliedschaft und das notwendige Material zu finanzieren.

Wer seinen Flieger fertig hat, übt fleissig, denn nach einer Wurst vom Grill steht am Nachmittag der langersehnte Wettbewerb an. Jeder Teilnehmer darf seinen Gleiter zweimal losschicken, der bessere Flug zählt. Der erste Preis sorgt für leuchtende Kinderaugen: ein ferngesteuertes Flugzeug. Nicht wenige Flieger tragen bereits während des Trainings erste Blessuren wie geknickte Flügel oder gebrochene Heckruder davon und benötigen eine Reparatur. Kurz vor dem Wettbewerb muss Harry regelrecht ein Flugverbot aussprechen, damit alle mit einem einsatzfähigen Segelflugzeug antreten können. Entscheidend ist der Anstellwinkel – und etwas Glück beim Wind gehört auch dazu. Schlussendlich ist es Marco Bieri, der mit 33,50 m den Flieger am weitesten fliegen lässt. Wer weiss, vielleicht packt den glücklichen Gewinner oder einige der anderen Jugendlichen künftig das Modellflugfieber?
Rahel Meister

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