Geschichte

Einmal mehr: Deutschland mit gutem Beispiel voran!

von Emil Ch. Giezendanner
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(Wie man es machen könnte, sehen Sie auf nebenstehender Seite!)


Deutschland ist heute eine führende Nation im Luftsport geworden. Einmalig sind wohl die Leistungen im Segelflug und Segelflugzeugbau. Aber auch in den andern Luftsportsparten darf sich unser Nachbar im Norden sehen lassen. Z. B. im Modellflug: An der F3B-Weltmeisterschaft (RC-Segelflug) in Sacramento USA gewinnt die deutsche Mannschaft die Nationenwertung. An der F3A-WM (RC-Kunstflug) in Acapulco holt sich das deutsche Team den 2. Rang des Nationenklassements.

Dies ist kein Zufall. Solche Leistungen können nur erbracht werden, wenn die Öffentlichkeit, besonders aber die Behörden, zum Flugsport stehen und ihn unterstützen.


Während bei uns das Bundesamt für Zivilluftfahrt unter politischem Druck den Modellflug aus der Luftfahrtgesetzgebung streichen möchte – dazu liegt ein wahnsinnig «tiefsinniges» Gutachten des Justizdepartementes vor –, unternimmt das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig genau das Gegenteil: Zusammen mit den Vertretern des deutschen Modellflugs (Deutscher Aero-Club und Modellfliegerverband) werden Richtlinien erarbeitet, welche den Modellfliegern helfen. Dass solches nicht unbedingt in sturem Amtsdeutsch und in bekannter trockener Aufmachung geschehen muss, zeigt das neueste Bulletin zum Thema «Ferngesteuerte Flugmodelle».


Keine Unterstützung mehr – nur noch eine grosse Zahl an Vorschriften und Verboten!

Es ist nicht etwa so, dass unser Bundesamt für Zivilluftfahrt in Bern über die Definition der Luftfahrt: «Luftfahrt dient dem Transport von Personen» Einsparungen etwa an Personal vornehmen kann. Mit dieser Neudefinition handelt sich das Amt nämlich die Hängegleiter ein, welche erheblich mehr Aufwand erfordern als die bescheidenen Modellflieger.

Zudem bringt man es in Bern auch nicht übers Herz, den Modellflug ganz ziehen zu lassen: Vorschriften, Bestimmungen und Verbote bleiben in grosser Zahl, von denen in den allermeisten Fällen nur das Bundesamt fachlich in der Lage sein wird, eine praxisgerechte Beurteilung vornehmen zu können. Sicherheitsvorschriften im Zusammenhang mit der übrigen Luftfahrt, Grossmodelle, Veranstaltungen, Unfälle, Versicherungsprobleme usw. Das Luftamt behält so oder so ein gewisses Mass an Aufsichtspflicht, muss Gesuche und Eingaben von Modellfliegern, Flugplatz-Kontrollorganen usw. bearbeiten, Entscheidungen fällen und Verfügungen verfassen. Wo sind da die Einsparungen. Bezahlen Modellflieger weniger Steuern als die Fallschirmspringer?


Will man in Bern lediglich das politisch Unbequeme des Modellflugs, nämlich die Immissionsprobleme, loswerden?

Dieser Verdacht liegt nahe. Noch immer gibt es in der Schweiz Politiker, welche den Wert einer Freizeitgestaltung, wie sie bei den Modellfliegern anzutreffen ist, nicht erkennen. Nehmen wir das Beispiel der Oetwiler Behörden im Limmattal. Die Gemeinde war nicht einmal bereit, den Modellflug mit Viertaktmotoren zu akzeptieren. Was deutlich genug beweist, dass es nicht um den Fluglärm ging, sondern ganz einfach um Prinzipien – um die auf Gemeindeebene berüchtigte Herr-im-Haus-Frage. Mit den besten Anwälten und teuren Prozessen jagte man die Modellflieger fort: Die sollen fliegen, wo sie wollen, nur nicht bei uns. – Kenner wissen, dass das Drogenproblem im Limmattal recht gross geworden ist. Da man aber auf diesem Gebiet mit Anwälten und Prozessen nicht den gleichen «Erfolg» erwarten darf, versucht man, die Limmattaler Drogenabhängigen kurzerhand ins Zürcher Oberland umzusiedeln. Statt in Anwälte investierte man in diesem Fall in Liegenschaften, und einmal mehr ist man eine unbequeme Bevölkerungsgruppe im Limmattal los geworden. Ich frage mich, wann die Oetwiler etwas gegen Menschen mit grünen Hüten unternehmen werden, oder alle VW-Fahrer und später die Blondinen «aussiedeln» wollen. Je nach dem, was den Herren Gemeinderäten nicht so recht ins Konzept passen will.


Möchte unser Luftamt in Bern in Zukunft nicht mehr mit solchen Behörden und einzelnen Gemeinden zu tun haben? Zu verstehen wäre dies, wollte man den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Gefährliche Wege für unseren Rechtsstaat: Alles politisch Undankbare und Heikle delegieren, letztlich aber doch die Fäden über Bestimmungen und Verbote in der Hand behalten! Das Luftamt untersteht wie alle Bundesämter der Kontrolle der Parlamente und somit dem Volk. Wir sind alle aufgerufen, mit all unseren Möglichkeiten und Mitteln darauf hinzuwirken, dass unsere Luftfahrtgesetzgebung nicht eine Richtung einschlägt, welche auf der ganzen Welt einmalig dasteht und internationalen Gepflogenheiten sowie naturwissenschaftlichen Erkenntnissen völlig zuwiderläuft.


Das Beispiel des Deutschen Luftfahrt-Bundesamtes zeigt deutlich genug, dass es andere Wege gibt. Oder wissen wir Schweizer in wohlgenährter Selbstgefälligkeit wieder einmal alles besser? In diesem Falle wüsste ich eine wirksame Lösung: Alle der rund 12000 Modellflieger stellen auf Alphornblasen um und blasen und blasen so lange, bis man uns auf den Knien bittet, doch wieder modellfliegen zu wollen.

Emil Ch. Giezendanner




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