Editorial

Von der Schwierigkeit, mit Vielfalt umzugehen

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser

Angefangen ab diesem Jahr und fortgesetzt bis in die nächsten zwei Jahre werden wir mindestens ein halbes Dutzend zusätzliche FAI-Weltmeisterschaftsklassen haben. Dazu kommt die Zunahme von doppelt so vielen FAI-Modellflug-Wettbewerbskategorien ohne WM-Status im gleichen Zeitraum. Obwohl darüber noch kaum jemand ernsthaft nachdenkt oder spricht, wird diese Entwicklung unsere Verbände vor ganz massive organisatorische und finanzielle Probleme stellen. Kommt dazu, dass sich die ohnehin kleine Gemeinde der Wettbewerbsflieger zusätzlich pulverisiert. Es wäre allerdings verfehlt, die ganze Entwicklung nur negativ zu beurteilen; denn der Modellflug hat sich durch die Einführung neuer Technologien in den letzten Jahren ganz gewaltig verändert. Würde die FAI die neuen technischen Möglichkeiten nicht aufgreifen und nur das Alte aufrechterhalten, wäre dies verheerend für den Sport. Die klassischen «alten» Modellflugkategorien ihrerseits einfach zu streichen wäre genauso falsch und diskriminierend. Schauen wir genauer bei den Klassikern der FAI-Weltmeisterschaften hin, werden wir entdecken, dass die neuen Technologien – dort wo die Regeln dies zulassen – genauso eingesetzt werden, wie dies bei der jungen Wettbewerbsgeneration der Fall ist. Fazit ist, dass wir mit einer grossen Vielfalt an Wettbewerben und Meisterschaften werden umgehen müssen mit all ihren Vor- und Nachteilen. Lösen wir uns schliesslich vom Wettbewerbsdenken und wenden uns dem Vereinsleben zu, stellen wir fest, dass dort die neue, technisch fast unbeschränkte Vielfalt schon längst Einzug gehalten hat. Alles ist auf unseren Plätzen heute kunterbunt und uneingeschränkt vorhanden. Helikopter, voll mit Elektronik, Jets mit Vektorsteuerung, superleichte Schleudersegler, Grossmodelle mit und ohne Antrieben, mehrmotorige Maschinen usw. Eine wahre Freude sowohl für den fachmännischen Betrachter als auch für Besucher. Allerdings muss ich leider auch gleich Nachteile nennen, die sich ganz besonders auf das Vereinsleben auswirken: Mit der Vielfalt des Modellflugs nimmt die Bildung von Interessengruppen zu. Führt eine Modellfluggruppe ein Event in einer bestimmten Kategorie durch, bleiben die an dieser Sparte uninteressierten Mitglieder dem Anlass fern. Damit stellen sie das Spartendenken über den Vereinszusammenhalt. Dies ist ein grosser Verlust für unsere Gruppen und nicht nur sehr schade, sondern ein Indiz dafür, dass wir mit dem Reichtum des «modernen» Modellflugs doch noch nicht so richtig umzugehen gelernt haben.

Mit freundlichen Grüssen
Emil Ch. Giezendanner


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Die auf dieser Seite durch den Redaktor – sowie andere Autoren dieses Heftes – zum Ausdruck gebrachten Meinungen decken sich nicht zwingend mit der Verbandsmeinung des SMV. Offizielle Verbandsmitteilungen findet der Leser in der Rubrik «SMV».



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