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Was ist RC-Kunstflug?

von Emil Giezendanner
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In kaum einer Wettbewerbs-sparte wie im RC Kunstflug besteht eine so grosse Be-griffsverwirrung. Oftmals wird unter der Bezeichnung «F3A» ganz generell RC-Motorkunst-flug verstanden. Dies ent-spricht in keiner Weise der heutigen Realität und wir täten gut daran, unser Ver-ständnis etwas zu modernisie-ren, um die verschiedenen Klassen besser auseinander-zuhalten und einzelne nicht zu diskriminieren.


F3A – RC Aerobatic Aircraft – die Traditionsklasse

Klar, F3A ist die älteste und wohl bekannteste RC-Kunst-flugklasse. Die ersten FAI-Welt-meisterschaften fanden bereits 1960 in Dübendorf statt. Da-mals eine Sensation. Ab 1963 wurde der damals einzige Anlass mit RC-Modellen alle zwei Jahre durchgeführt. Übri-gens, RC1 hat diese Klasse we-der in der Schweiz noch bei der FAI je geheissen. Die 31. F3A-Titelkämpfe werden diesen Sommer in Italien ausgetra-gen. Teilnehmerzahlen um die 100 sind einmal mehr zu erwar-ten (zurzeit 111).


Anforderungen

Die fliegerischen Anforderun-gen sind sehr hoch. Für das re-gelmässige Training müssen geeignete Plätze zur Verfügung stehen. Die Modelle werden meistens fertig oder halbfertig käuflich erworben. Die Installa-tion von Antrieb und Steuerung erfordert viel Erfahrung. Ein-steiger können mit etwas Glück gebrauchte Modelle ergattern.


Modelldaten
  • Maximale Spannweite: 2 m
  • Maximale Rumpflänge: 2 m
  • Maximales Gewicht ohne Treibstoff (Verbrenner): 5 kg1)

Flugprogramme
  • Preliminary Schedule P
  • Final Schedule F (an WM-/EM-Halbfinale und -Finale)
  • 2 verschiedene Unknown Schedules (Finale an WM/EM)
  • Advanced Schedule A (leich-teres Programm für nationale Wettbewerbe)
  • Programme ändern sich alle 2 Jahre
  • Ausführungszeit: 8 Min.
  • Die Programme werden in einem mithilfe von Winkeln definierten «Fenster» abge-wickelt.


F3M – Large Aerobatic Aircraft

Gehört zu den jüngeren RC-Kunstflugklassen. Keinen Cham-pionship-Status ab 2020.


Modelldaten
  • Verkleinertes Modell eines manntragenden Kunstflug-zeuges
  • Minimum Spannweite: 2,1 m
  • Minimum Spannweite Doppeldecker: 1,8 m
  • Maximales Abfluggewicht: 25 kg

Flugprogramme
  • Bekanntes Programm
  • 2 verschiedene unbekannte Programme
  • Ausführungszeit nicht festgelegt, aber die Figurensequenz muss eine Minute nach dem Abheben begonnen werden. Die Landung muss spätestens zwei Minuten nach Ende der Sequenz erfolgen.
  • Freestyle-Programme (4 Min.)
  • Wie bei den bekannten und unbekannten Programmen, Freestyle-Sequenz sollte 4 Minuten dauern.
  • Geflogen wird auf einer X-Achse = Hauptachse (parallel zur Sicherheits- und Punkterichterlinie) und einer Y-Achse (Mittellinie).

Anmerkung: Die amerikanische Grossmodell-Kunstflugszene IMAC hat sich weitgehend unabhängig von der FAI-Klasse F3M entwickelt und sich insbesondere im Flugraum, den 3D-Figuren und -Darstellungen aus der «F3A-Umklammerung» erfolgreich gelöst. Diese neuen Wege wurden nun von der FAI teilweise übernommen. Es darf nicht verschwiegen werden, dass IMAC auch in Europa immer mehr Interesse findet.


Anforderungen

Kunstflug mit Grossmodellen erfordert überdurchschnittliches technisches und fliegerisches Können. Ein Grossteil der Modelle sind aus Gewichtsgründen aus Holz und Folie gefertigt. Wunderschöne im Handel erhältliche Maschinen aus GF/CFK sind meistens etwas schwerer, was mit dem Antrieb kompensiert werden kann. Je nach Modellgrösse – in der Regel 2,5 bis 3 m – muss der Statik und den entstehenden Kräften grösste Beachtung geschenkt werden, da die Belastungen in den Figuren enorm hoch sind. Die meistens Modelle sind mit Verbrennungsmotoren ausgerüstet, deren grosse Leistung sich auch lärmmässig auswirkt und deshalb auch entsprechende Anforderungen an die Trainingsgelände stellt. Allerdings bringen auch hier moderne Motorentechnik, Dämpfer- und Aufhängesysteme erstaunliche Verbesserungen. Entscheidend sind, wie überall, Drehzahl und Propellerdurchmesser, was ebenso für grosse Elektromotoren gilt. Drehzahlen um 5000 U/Min. erweisen sich als ideal. Das Transportproblem muss von Anfang an gelöst werden.


F3P – Indoor Aerobatic Aircraft

Jüngste FAI-Kunstflug-WM-Klasse. Dieses Jahr hat bereits die 4. WM in Heraklion stattgefunden (wir berichteten im MFS 3-19). Die Entwicklung ist in den vergangenen 10 Jahren in Riesenschritten erfolgt. Dies bezieht sich nicht nur auf die Modelle, deren Gewicht sich in dieser Zeit auf etwa einen Drittel und weniger reduziert hat, sondern auch auf das Fliegen selber. Modelle unter 60 Gramm! Viele Wettbewerbspiloten konstruieren ihre Wundervögel selber. Eine überdurchschnittlich grosse handwerkliche Herausforderung.


Modelldaten
  • Maximale Spannweite: 1,5 m
  • Maximale Rumpflänge: 1,5 m
  • Maximales Gewicht inkl. Batterie: 300 g

Flugprogramme
  • Preliminary Schedule F3P-AP
  • Final Schedule F3P-AF
  • Ausführungszeit: 5 Minuten
  • Schedule F3P-AA: leichteres Programm für nationale Wettbewerbe

Anforderungen

Die Präzision der Figuren kann auf dem kleinen Flugraum und den kurzen Distanzen zum Piloten und zum Punkterichter fast zentimetergenau beurteilt werden. Damit sind höchste fliegerische Anforderungen gestellt. Regelmässiges Training in geeigneten Hallen und somit unkomplizierter Zugang zu Hallen sind unumgänglich. Kommt dazu, dass während der Trainingsflüge – dies betrifft alle Kunstflugklassen – kaum weitere Modelle den Flugraum beanspruchen können.


F3P – AFM Freestyle Aerobatics to Music

Diese Klasse wurde bisher an WMs als Ergänzung zum Programm durchgeführt. In diesem Jahr erstmals als Weltmeisterschaft.


Modelldaten
  • Wie F3P

Anforderungen

Wer glaubt, man könne an diesen Wettbewerben herumgucken und ein bisschen Musik abspielen, täuscht sich gewaltig. Gefragt sind neben höchstem fliegerischen Können Sinn für Harmonie und Rhythmus. Die Figuren – nach eigener Fantasie – sind sauber zu fliegen. Dies Musik muss zur Figur passen – weiche Figuren z.B. vertragen kein Bum-Bum! Kurz: Freestyle ist auch Charakter-sache.


F3S – Aerobatic Jet Model Aircraft

Kunstflug mit Jet-Modellen war seit Beginn des Gasturbinenzeitalters ganz besonders spektakulär und für Zuschauer attraktiv. FAI-Weltmeisterschaften finden in dieser Klasse bisher nicht statt. Das haben die Jet-Masters teilweise vorweggenommen. Das provisorische F3S-Reglement ermöglicht jedoch internationale und nationale Meisterschaften. Leider wird davon kaum je Gebrauch gemacht – möglicherweise auch wegen der grossen Flugräume für die Gasturbinenmodelle.


Modelldaten
  • Antrieb: Turbine oder Elektro-impeller
  • Maximale Spannweite: 3500 mm
  • Maximale Länge: 3500 mm
  • Maximales Abfluggewicht: 25 kg
  • Batteriespannung bei Elektroantrieb im ungeladenen Zustand: 72 Volt
  • Flugprogramme:
    • F3S Basic
    • F3S Preliminary
    • F3S Final
    • F3S Freestyle, Kriterien ähnlich F3P AFM


Sportflyers – für Junioren und Einsteiger

Das Niveau der Schweizer F3A-Spitze ist sehr hoch. Drei bis vier Piloten können an Weltmeisterschaften in die Top Ten fliegen. Weitere zehn haben an grossen internationalen Wettbewerben durchaus das Zeug fürs Mittelfeld. Mit anderen Worten, die Spitze ist auch bei uns nicht gerade üppig. Um diese Situation zu verbessern, haben sich die drei erfahrenen Wettbewerbsflieger und WM-Teilnehmer Wolfgang Matt, Emil Giezendanner und Felix Andres zusammengetan und die Sportklasse aufgegleast. Wie bereits erwähnt, die Sportklasse ist nicht F3A, sondern könnte auf das sportliche Ziel F3A-, F3M- oder F3P-Pilot vorbereiten. Das Ganze wurde letztes Jahr gestartet. Die Teilnehmerzahlen bewegen sich zwischen 5 und 10.



Modelldaten
  • Keine Einschränkungen
  • Programme: einfaches Wendefigurenprogramm

Anforderungen

Freude am Kunstflug, was heisst, lernen mit seinem Modell (geometrisch) definierten Figuren möglichst nahe zu kommen. Das braucht Training, Ausdauer und ein bisschen Selbstkritik. Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass nicht allein das fliegerische Coaching ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg ist, sondern die Unterstützung beim Einbauen der Antriebs- und Steuerkomponenten sowie den Flugeinstellungen. Hier sind riesige Defizite festzustellen. Aus diesen Gründen müssen bei künftigen Konzepten zur Juniorenförderung zwingend auch die modelltechnischen Kenntnisse an-gegangen werden. Der Aufwand ist gross und die Arbeit dankbar. Viel Glück!


*Emil Giezendanner*


Post scriptum

Aus Gründen der Vereinfachung habe ich einige Kunstflugklassen nicht erwähnt. Dazu gehört der bei uns beliebte und attraktive Segelkunstflug, aber auch die Scale-Aerobatic-Wettbewerbe des International Miniature Aerobatic Club (IMAC) des amerikanischen Modellflugverbandes oder die F3A-X-Wettbewerbe des DMFV.

Und schliesslich: Am Wochenende vom 6./7. September wird auf dem Flugplatz Pfäffikon um den Coupe des Alpes, 46. Internationales F3A-Freundschaftsfliegen, gekämpft. Termin bitte eintragen.


1) Anfluggewicht inkl. Antriebsakku aber ohne Verbrennertreibstoff.



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