Editorial

Digitalisierung und Bürokratie – die unheiligen Zwillinge

von Emil Ch. Giezendanner und Markus Nussbaumer
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Liebe Leserin, lieber Leser

Im Jahresbericht eines kleineren Medienunternehmens war beschrieben, wie der Journalismus mit massiven Veränderungen konfrontiert werden soll. Dass dabei Begriffe wie «technische Innovation», «neue Methoden der Datenanalyse», «crossmediale Kommunikation» nicht fehlen durften, versteht sich von selber. Auch nicht ganz neu ist die «algorithmusgestützte Inhaltsproduktion». Nun, ich habe das betroffene Medium immer wieder genauer durchgesehen und beim besten Willen keine Innovationen oder andere Fortschritte entdecken können. Dass schnoddrig abgefasste Agenturmeldungen durchaus mithilfe künstlicher Intelligenz zustande gekommen sind, möchte ich nicht bezweifeln. Kurzum, für den Leser kann ich keinerlei Mehrwert finden – höchstens für das Business...

Mit der viel gerühmten Digitalisierung lässt sich fast alles machen. Manchmal habe ich den Verdacht, dass wir, je weniger wir davon verstehen, desto eher IT-Projekte ahnungslos durchwinken. Als über die ersten EU-Drohnengesetze informiert wurde, meinte ein Referent, dass die Registrierung der Modellflugpiloten das kleinere Übel wäre... Nur wenige hatten damals klar widersprochen und damit Bürokratie und Zentralismus über die freie Freizeitgestaltung des Menschen gestellt. Wer nicht kämpft, hat schon verloren! Und wir werden weiterhin sehr genau hinschauen müssen; denn Zentralismus ist oftmals in neuen Anwendungen und Installationen versteckt. Wer nicht mitmacht, gilt als hoffnungslos veraltet. Oder es wird eine Psychotherapie empfohlen. Weder die Wirtschaft noch die öffentliche Verwaltung sind vor digitalen Leerläufen verschont – ähnliche Erscheinungen finden wir auch bei Verbänden. Ein Projekt jagt das andere. Fehlinvestitionen in Millionenhöhe – siehe Bundesverwaltung, wo trotz – oder wegen – der Digitalisierung jedes Jahr mehrere Hundert neue Angestellte dazukommen. Digitalisierung kann uns Menschen vieles erleichtern und abnehmen. Ein sorgfältiges Abwägen ist für mich in jedem Fall einer generellen Verteufelung vorzuziehen. Oftmals werden mit komplexen Programmen einfache Aufgaben gelöst – mit Kanonen auf Spatzen geschossen; als ob wir den Lebkuchen mit der Kettensäge teilen wollten – womit wir schon wieder bei Weihnachten angefangen sind.

Im Namen der Redaktion wünschen wir Euch erholsame Weihnachten und alles Gute zum neuen Jahr.

Emil Ch. Giezendanner und Markus Nussbaumer


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Die auf dieser Seite durch den Redaktor – sowie andere Autoren dieses Heftes – zum Ausdruck gebrachten Meinungen decken sich nicht zwingend mit der Verbandsmeinung des SMV. Offizielle Verbandsmitteilungen findet der Leser in der Rubrik «SMV».



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