Herausforderung F-35 B Lightning II im Massstab 1:5
Arnold (Noldi) Meier baute das eindrückliche Modell über immerhin sieben Jahre. Dann steht es in voller Grösse und mit schönster Bemalung auf der Piste des Flugplatzes Dübendorf. Da die beste Schwerpunktlage noch nicht einwandfrei festgelegt wurde, vollzog Pilot und Freund Julius Jezerniczky vorsichtigerweise einmal einen kurzen Hüpfer. Natürlich sind wir alle gespannt auf den Erstflug.
«Der Hersteller ist die berühmte amerikanische Firma Lockheed Martin und stellt drei verschiedene Typen F-35 her. Dieser Jet begeisterte mich so, dass ich als erfahrener Modellbauer beschloss, in Anbetracht der Komplexität und Attraktivität den Typ B, d.h. den Senkrechtstarter, zu bauen. Da der Senkrechtstarter für die anspruchsvollen Flugbewegungen der vertikalen Start- und Landebewegungen einer besonderen und komplexen Steuerungstechnik bedarf, entschied ich, das Modell baumässig wohl für die Version B zu bauen, jedoch für die ersten Flugversuche und Erfahrungen den Antrieb für die Version A, also mit einer festen Turbine zu versehen.»

Noldi hat mich während der ganzen Bauzeit mit Bildern und kurzen Kommentaren immer wieder auf dem Laufenden gehalten. Nichts mit Geheimniskrämerei oder anderen Verdunkelungsversuchen. Er ist halt ein Profi, hat schon mit vielen wunderschönen Grossmodellen von sich reden gemacht. Sein Jumbo oder die PC 24 gehörten schon fast zum Standard verschiedenster Flugmeetings. Seit einigen Jahren wird er von Julius Jezerniczky unterstützt. Ohne den im Umgang mit Gasturbinen erfahrenen Jetpiloten wäre das nahezu einzigartige Grossprojekt kaum zu einem guten (vorläufigen) Ende gebracht worden. Die ganze Farbgebung und das Design gehörten zu den aufwendigsten Arbeiten. Neben der fachlichen Beratung und Unterstützung sind Transport und Lagerung kaum wegzudenken. Ein weiterer, für den Bau von Grossmodellen kompetenter Helfer war Tom Escher. Die Verwendung von Wabenmaterial als Stützstoff im Vakuumverfahren soll im Wesentlichen auf ihn zurückzuführen sein. Ganz generell möchte ich hier wieder darauf hinweisen, dass solche Grossprojekte am besten in kleineren Teams zu bewältigen sind. Allerdings setzt solches Vorgehen einiges an Gruppenverständnis voraus. Einzelkämpfer verzichten besser darauf.
Noldi schreibt dazu: «Als ich 2017 mit der Planung begann, waren sehr wenige Unterlagen wie Zeichnungen erhältlich, wodurch ich mich zur vollen Eigenkonstruktion am Reissbrett entschied. Zwei zu dieser Zeit erhältliche Kunststoffmodelle sowie eine A4-Zeichnung mit eingetragenen Massen über Länge, Spannweite und Höhe waren meine einzigen Infoquellen, aus diesen errechnete ich dann den Massstab 1:5. Der Rumpf besteht aus zwei Längshälften 3-mm-Wabenplatten, die vom Urmodell aus Styropor abgeformt wurden. Zusätzlich kamen Kohlefaserverstärkungen dazu. Die Flügel, Höhen- und Seitenleitwerke fertigte ich nach meiner bewährten Baumethode aus mit Glasgewebe beschichtetem Styropor mit verstärkten Steckrohren.»

| Massstab: | 1:5 |
| Spannweite: | 229 cm |
| Länge: | 312 cm |
| Höhe: | 95 cm |
| Gewicht: | 37,5 kg |
| Antrieb: | Turbine Dossenbach Projoy (25 kg) |
| Für die VTOL-Realisierung werden zusätzlich 5 Impeller benötigt. | |
| Tank: | 4900 ml, 100 ml Hooper |
| Baumaterial: | Styro verglast, Kohlelegerpüst, CFK-Wabenplatten |
| Bausatz: | Bauzeit: 6 Jahre, 1500 Baustunden |
| Erbauer/Konstrukteur: | Arnold «Noldi» Meier |
| Lackierung, Antrieb: | Julius Jezerniczky |
- Tailerons, Seitenruder, Landeklappen
- 8 Antriebsklappen, Schwenkdüse mit Hublifter, 21 Servos und 2 Linearmotoren
- 26 Kanäle, Core-Powerbox Systems Royal

Die Einladung hat mich etwas überrascht, aber auch riesig gefreut. Das Ganze wurde vom NOS-Vorstandsmitglied Nello Nero organisiert. Die Spannung war verständlicherweise gross, als Julius die Seitenwand seines stattlichen Anhängers öffnete und die F-35 in ihrer ganzen beeindruckenden Grösse zum Vorschein kam. Noldi hat sich in seinem Stuhl still auf das Geschehen konzentriert. Dann stand das Modell auf dem Boden bzw. auf zwei Unterlagen, bevor das Fahrwerk ausgefahren wurde. Mit gekonnten Handgriffen montierte Julius das Modell zusammen. Ab dann ging's streng Punkt für Punkt nach Checklisten. Funktionskontrollen – eine Powerbox Royal SRS versorgt die RC-Anlage mit 7,4 V – das Fahrwerk wird separat versorgt. Das Triebwerk lief problemlos an. Rollversuche folgten. Pilot Julius wollte mit mehreren beschleunigten Versuchen das Abhebeverhalten testen. Als Zuschauer kann ich mir bald einmal vorstellen, dass das Modell rotiert, was dann einmal wirklich geschah. Das Flugzeug hob tatsächlich ab und lag für kurze Zeit nicht sehr stabil in der Luft, bevor es wieder auf der Piste aufsetzte. Für den Piloten war die Sache klar. Der Schwerpunkt muss – was kein Konstrukteur liebt – mittels Gewicht nach vorne verschoben werden.

Nach dem kurzen Startversuch habe ich meine Sprache wiedergefunden. Vermutlich habe ich das Atmen vergessen. Wie geht es weiter? War meine Frage an den Erbauer/Konstrukteur Noldi Meier. Das Modell wird bestimmt prima fliegen. Was passiert mit dem Senkrechtstarten- und landen (VTOL)? Das wird noch einigen Aufwand mit sich bringen, meint Noldi. Er werde dies mit fünf elektrischen Impellern bewerkstelligen. Allerdings fügt er selbstkritisch hinzu, das Modell wird noch schwerer werden – und denken wir an die Batterien! Sein Sohn werde als Informatiker die Programme dazu schreiben. Das Ganze sei ein typisches Drohnenproblem. Mir geht das Projekt «Trikooper» als Maturaarbeit zweier Schüler durch den Kopf. Eine nicht ganz triviale Lösung.

Zurzeit, während ich diese Zeilen schreibe, warten Noldi und seine Helfer auf den Erstflug. Erstflüge von Eigenkonstruktionen sind immer ganz besondere Herausforderungen. Das geht auch erfahrenen Machern nicht anders. Ein wunderschönes Geschenk und eine grosse Genugtuung für den Erbauer wäre natürlich, wenn Noldi eine tolle Vorführung seiner F-35 in Hausen erleben dürfte. Pilot Julius Jezerniczky meint dazu, dass er eine grössere Zahl an Flügen absolvieren müsse, bis er genügend Sicherheit gewährleisten könne. Sicherheit steht für ihn vor Attraktion und Selbstdarstellung. Reife Einstellung eines Profis. Die Redaktion wünscht viel Glück und dankt für die Unterstützung.

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