Magazin

Graupner reloaded?

7
Graupner reloaded?

Auch Firmen haben ihre Lebensphasen. Graupner, die deutsche Modellbau-Traditionsfirma schlechthin, setzte jahrzehntelang die Massstäbe, durchlebte aber in den letzten Jahren wohl eine der schwierigsten Perioden ihrer nun mehr als 75-jährigen Firmengeschichte.


Schwierige Umstellung

Sattsam bekannter Auslöser war die Umstellung der Fernsteuerungen auf das 2,4-Gigahertz-System im Jahre 2008. Man hatte mit dem in den USA eingekauften, spannungsempfindlichen IFS-System offensichtlich auf das falsche Pferd gesetzt. Piloten verloren ihre Modelle, Graupner seinerseits verlor die «Lufthoheit» über die Internetforen, in denen sich bald Fakten mit Gerüchten mischten. Ende vom Lied war eine erhebliche Verunsicherung seitens der Kunden, die sich gerade ein neues Fernsteuersystem zulegen wollten, mit der Folge erheblicher Umsatzeinbussen. Die Graupner Mitarbeiter mussten sich auf viele Monate Kurzarbeit einstellen.


Krise als Chance

Doch Tradition leben heisst eben auch, Krisen zu bewältigen. Und dies scheint man im schwäbischen Kirchheim unter Teck dann entschlossen angegangen zu haben und wähnt sich zwischenzeitlich wieder auf gutem Wege. Dazu waren allerdings schmerzhafte Schnitte nötig. Der Personalkörper wurde verschlankt. Um das verlorene Terrain auf dem Fernsteuermarkt wieder aufzuholen, setzte man nun auf das Know-how der eigenen Entwicklungsabteilung und entwickelte mit «Hott» buchstäblich fünf vor zwölf ein nun wirklich zukunftsfähiges Fernsteuersystem mit besonderem Augenmerk auf Übertragungssicherheit und zeitgemässer Telemetrieleistung. Man schaffte es damit binnen kurzer Zeit, viel von den «Urvertrauen», das die Kunden der schwäbischen Traditionsfirma entgegengebracht hatten, zurückzuerobern. Jedenfalls zählt «Hott» heute zu den fortschrittlichsten Modell-Fernsteuersystemen mit höchster Zuverlässigkeit.


Nicht nur Chinaprodukte neu verpacken

Und natürlich orientiert sich auch das übrige Modellangebot noch enger an den Wünschen der Kunden. Mit dem Wissen, dass Modellbaukunden bisweilen recht ungeduldig sein können, bemüht man sich bei Graupner, Messeneuheiten ermöglicht auch bald nach Vorstellung ausliefern zu können. Bei der Logistik hilft ein neu installiertes, computergesteuertes Warenwirtschaftssystem, welches dafür sorgt, dass Bestellungen tagesaktuell die Firma in Richtung Händler verlassen.

Erstaunen löste bei einem Firmenrundgang aus, dass entgegen allgemeiner Auffassung Graupner nicht nur Chinaprodukte neu verpackt und etikettiert, stapelt und an die Verbraucher weiterreicht. Vielmehr wird im Hause Graupner nach wie vor entwickelt und auch produziert. Namentlich die vorbereitenden Arbeiten für die grossen Segler, wie etwa das Fräsen der Flächenformen, geschieht auf hauseigenen Maschinen. Auch sind einige der insgesamt 125 Mitarbeiter mit der Vorkonfektionierung der Modelle beschäftigt.

Die Firma Graupner lebt also nicht nur Tradition, sondern scheint auch bestens für die Zukunft gerüstet, eine Zukunft, die hier in Europa und nicht in Südostasien gestaltet wird. Schliesslich möchte man im Jahre 2030 das 100-jährige Firmenjubiläum am Standort Kirchheim/Teck begehen.




Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙