Wassermodellflug – schon länger, als viele denken
Nachfolgend wird die Anfangszeit des Wassermodellfluges mit Verbrennungsmotormodellen beschrieben. Anschließend folgt ein Bericht rund um einen Wassermodellflugwettbewerb in Thun. Am Schluss noch eine kurze Beschreibung des RC-Wasserfluges heute.
Um das Jahr 1942 tauchten auf Schweizer Gewässern die ersten Wasserflugmodelle mit Verbrennungsmotoren auf. In den nachfolgenden Jahren wurde der Wasserflug hauptsächlich auf den Tessiner Seen betrieben. Damals waren die meisten Modelle mit dem sogenannten Dreipunkt-Schwimmersystem ausgerüstet. Anstelle des Fahrgestells waren vorne zwei grosse Hauptschwimmer und hinten ein kleiner Stützschwimmer angebracht. Viele Modellflieger versuchten, die Abrisskante bei den Verdrängungsschwimmern zu verbessern. Schwimmer mit einer Stufe für die Gleitphase gab es kaum. Es waren schöne, mit Sperrholz und Kieferleisten gebaute Modelle. Die meisten wurden zu dieser Zeit mit dem Dyno-Modeldieselmotor von 2,5 cm3 Hubraum angetrieben. Es war immer ein Ringen um mehr Motorleistung, um vom Wasser wegzukommen. In den nächsten Jahren kamen dann stärkere Motoren auf den Markt und später die ersten Glühzünder aus Amerika.

Im Jahr 1946 fand auf dem Bielersee der 2. Schweizerische Wettbewerb für Wasser-Flugmodelle statt. Die Handstart-Kategorie wurde vom Thuner Modellflieger Guido Schaefer gewonnen. Ein weiterer Teilnehmer unserer MG, Fritz Gerber, war mit seinem schönen Modell Falke am Start. Es war schon damals mit zwei Hauptschwimmern ausgerüstet und würde bei einem Vergleich mit heutigen Modellen gut dastehen. →

Für die Benützung des Sees «durften» wir der Eisenbahndirektion des Kantons Bern Fr. 16.– bezahlen. Dafür durften wir etwa 10 Modelle starten auf dem See, keine Eintrittsgelder verlangen und keine Uferzonen absperren.
Anfang September war es dann so weit, dass dieser Wettbewerb durchgeführt werden konnte. Ich ging mit meinem Modell Flöge an den Start. Damals war es üblich, dass jedes Modell einen Namen hatte; aber die meisten «höheren» Insektennamen waren schon gesetzt.
Angetrieben wurde das Modell von einem Castor-2,5-cm3-Diesel. Mit diesem Modell erreichte ich drei Wochen später, am Nationalen VM-Wettbewerb in Yverdon, den 2. Rang.
Am Samstag wurden von uns Thunern noch Probeflüge durchgeführt. Mein Modell wurde nach zu langer Motorlaufzeit vom Wind abgetrieben und landete auf einer Pappel beim Restaurant Rössli.
Um den Wettbewerbsablauf vom Sonntag zu beschreiben, hier Ausschnitte aus einem Zeitungsartikel von damals:
Die Kameraden aus Lugano kamen schon am Samstagabend nach Thun und konnten, nach einem gemeinsamen Höck, bei den Modellfliegern aus Thun Unterkunft finden. Am Morgen wehte ein starker Oberluft, der sonst um 9–10 Uhr auf Bise umstellt. Leider nicht an diesem Tag. Schon wurden Vorkehrungen getroffen, um den Start weit in den See hinaus zu verschieben. Da plötzlich, etwa um halb ein Uhr, geschah für uns das Gewünschte und wir konnten beginnen.
Es zeigte sich sehr bald, dass die Kameraden aus Lugano, die mit 5 Modellen da waren, den heiklen Punkt des Abwasserns am besten beherrschten.

Wenn die Modelle ein wenig leichter wären, würden sie bestimmt mehr leisten. Für uns war diese Kategorie von Modellen etwas Neues. Wenn wir bessere Schwimmer bauen, werden weitere Erfolge nicht ausbleiben. Unter der umsichtigen Leitung von Ae.C.S.-Vertreter Carlo Canepa aus Lugano konnten Schwimmerprüfung, Zeitmessen und Auswertung zur Zufriedenheit aller Beteiligten bewältigt werden. Einen besten Dank an alle Bootsbesitzer, die uns immer wieder die Modelle an den Start zurückbrachten, und an die Pontoniere, die uns ein Übersetzboot als Startplatz zur Verfügung stellten. Dank der vielen verkauften Bändeli konnte nachträglich an alle gewerteten Konkurrenten ein Keramikteller abgegeben werden.
Soweit der Zeitungsbericht, der zusammen mit der Rangliste in verschiedenen Zeitungen erschienen war.

Noch viele Jahre wurden auf verschiedenen Schweizer Seen solche nationalen VM-Hydro-Wettbewerbe durchgeführt. Mit der Verbesserung der Fernsteuerungen kamen diese auch immer mehr bei Wasserflugmodellen zum Einsatz. Es war auch wieder die GM Lugano, die ab dem Jahr 1959 internationale Wettbewerbe für radiogesteuerte Wasserflugmodelle durchführte. In den ersten Jahren waren es noch sogenannte Einkanalmodelle, es konnte also nur das Seitenruder gesteuert werden.
Eine grosse Herausforderung war noch viele Jahre das Abwassern. Man glaubte noch lange, dass es nicht zuverlässig möglich sei mit 2 Hauptschwimmern vom Wasser abzuheben. Erst als stärkere Motoren und Mehrkanalsteuerungen verfügbar waren, konnte man sich endgültig von der 3-Schwimmer-Anordnung lösen.
Heute werden auch moderne Motormodelle auf dem Wasser geflogen. Es werden F3A-Modelle mit Schwimmern ausgerüstet und auf dem Wasser gestartet. Für diese F3A-W-Modelle gibt es neben vielen Wettbewerben auch einen eigenen Europa-Cup.
Auch Nachbauten der grossen Vorbilder, sogenannte Scale- oder Sportmodelle, sind immer häufiger anzutreffen. Diese Art von Wasserflugmodellen ist seit dem Aufkommen des Elektroantriebes stark im Zunehmen. Es kann nun vermehrt auch auf Gewässern geflogen werden, wo dies bis anhin mit Verbrennungsmotoren nicht erwünscht war.


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