Geschichte

Rückblick auf die F3B-Weltmeisterschaft

von Rolf Girsberger
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Die 7. Weltmeisterschaft für ferngesteuerte Segelmodelle der Kategorie F3B fand vom 11. bis 20. Oktober auf dem Flugplatz Melun-Villaroche ca. 30 km südöstlich von Paris statt. Weltmeister wurde mit deutlichem Vorsprung der Engländer Nic Wright vor dem Österreicher Peter Hoffmann und dem Holländer Joris ten Holt. Die Mannschaftswertung gewann Österreich vor Holland und der Bundesrepublik Deutschland. Die Schweizer erreichten folgende Ergebnisse: Roland Müller 9. Rang, Kurt Steiner 15. Rang und Rainer Ammann 28. Rang von 56 Konkurrenten. In der Mannschaftswertung belegte die Schweiz den 6. Rang.


Das weite, völlig ebene Fluggelände war mit allem Nötigen ausgestattet, nur hatten die Organisatoren es offenbar verpasst, sich rechtzeitig mit dem Bauern verbindlich abzusprechen. So bewegten wir uns denn während einer Woche auf einem knochendürren Stoppelfeld, das zudem von tiefen Traktorspuren durchfurcht war. Für die Helfer bedeutete das eine zusätzliche Mühe beim Auf- und Abbauen der Winden, aber zum Glück blieb das Wetter hochsommerlich warm und trocken mit Ausnahme eines einzigen gewitterigen Tages.

Natürlich war jedermann gespannt darauf, wie sich die neue Windenregelung bewähren würde. Der Organisator hatte sich gut vorbereitet, und kompetente Helfer führten die Windenkontrolle speditiv durch. Wer bei der ersten Messung den geforderten Wert des Innenwiderstands nicht erreichte, konnte nochmals antreten. Alle kritischen Stellen der Verkabelung an der Winde wurden nach bestandener Prüfung mit Lack versiegelt. Während des ganzen Wettbewerbs gaben die neuen Windenbestimmungen keinerlei Anlass zu Reklamationen oder gar Protesten!

Bereits vor der WM hatte sich herausgestellt, dass mit den bisherigen Modellen, sofern sie nicht allzu schwer sind, die besten Flugleistungen zu erzielen sind. Von mehreren Spitzenpiloten, darunter Liese, Schlott, Hoffmann und Wasner, hörte man denn auch, dass sie ihre etwas kleineren Neukonstruktionen wieder zur Seite gelegt hatten und mit den bewährten Modellen antraten. Die Frage der günstigsten Modelldimensionen ist noch völlig offen und hängt möglicherweise noch etwas von der weiteren Entwicklung bei den Batterieregeln ab. Als ausserordentlich spannend erwies sich der Streckenflug. Die bei meist kräftigem Wind stark wechselnde Thermik führte auf dem grossen Gelände immer wieder zu überraschenden Ergebnissen und langen Gesichtern. Dass in dieser Disziplin nicht alles berechenbar ist und das fliegerische Gefühl eine wichtige Rolle spielt, kann für die weitere Entwicklung dieser Modellflugkategorie nur ein Gewinn sein.

Über den Speedflug und den Dauerflug ist wenig Neues zu berichten. Wegen des meist kräftigen Windes wurden gute Ausgangshöhen erreicht, wenn auch zeitweise starker Seitenwind den Hochstart erschwerte. Obwohl einige Mannschaften den Handhochstart mit Umlenkrollen trainiert hatte, wurde er im Wettbewerb nie praktiziert. Mit den heutigen Modellen treten auch beim Handhochstart grosse Kräfte auf, die nur schwer zu beherrschen sind. Überhaupt wäre es ein Fehler, die Modelle wegen der neuen Winden schwächer zu bauen. Bei kräftigem Wind treten weiterhin sehr grosse Kräfte auf, was auch bei der Wahl der Hochstartleine zu beachten ist.



Der Wettbewerbsleiter, der die ganze Meisterschaft sehr straff führte – nach Meinung einiger Teilnehmer sogar etwas diktatorisch –, hatte auch von Anfang an sehr klare Vorstellungen über Sicherheitsbestimmungen entwickelt. Verstösse gegen die Sicherheit, wie Tiefflug über Winden und Visiereinrichtungen, Landung in der Nähe der Winden und dergleichen wurden mit einem Abzug von 100 Punkten bestraft. Nach anfänglichen Unsicherheiten haben sich diese Massnahmen sehr bewährt und werden voraussichtlich ins Reglement übernommen.

Nun noch einige Bemerkungen zu den Flugleistungen. Die beste Speedzeit wurde mit 17,5 sec von Reinhard Liese bereits im ersten Durchgang erfliegen. Besonders erfreulich aus Schweizer Sicht war, dass Kurt Steiner mit 19,3 sec im dritten Durchgang einen Tausender erzielen konnte. Die beste Speedzeit der Schweizer erzielte Rainer Ammann mit 19,8 sec. Würde man einen Speed-Cup mit dem Durchschnitt aus den 6 Durchgängen werten, so läge Reinhard Liese mit 19,18 sec ganz knapp vor Nic Wrigth mit 19,38 sec. Die Ergebnisse der Schweizer sind nach dieser Rechnung: Steiner 20,56 sec, Müller 20,87 sec und Ammann 22,02 sec. Wäre im Streckenflug die Gesamtzahl der geflogenen Längen massgebend, so würde in diesem Distanz-Cup der Amerikaner Dawson mit 119 Längen an der Spitze liegen. Das ist ein Schnitt von beinahe 20 Längen pro Flug! Die nächsten Plätze würden von Jeroen Smits und Fritz Haupt mit je 112 Längen eingenommen. Die Schweizer haben nach dieser Rechnung 96 Längen (Steiner), 91 Längen (Müller) und 85 Längen (Ammann) erfliegen. Zum Abschluss einige Bemerkungen zur Schweizer Mannschaft unter der Leitung von Hans Stocker. Sie machte insgesamt einen guten Eindruck, wenn auch einige hochgespannte Erwartungen im Vorfeld der WM nicht ganz in Erfüllung gingen. Die beiden «WM-Neulinge» konnten sich auf Anhieb sehr gut klassieren, während Rainer Ammann nicht ganz den rechten Tritt fand. Wegen der grossen Leistungsdichte findet man sich auch bei insgesamt beachtlichen Ergebnissen rasch ins Mittelfeld zurückgestuft. Die Mannschaftsleistung ist mit dem 6. Rang wiederum erfreulich. Dabei machte der Einsatz der Helfer auch dieses Jahr einen ausgezeichneten Eindruck.

Nach den eher zwiespältigen Eindrücken der WM 87 war diese WM ein grosser Erfolg, was neben Wetterglück auch auf den grossen Einsatz der Organisatoren zurückzuführen ist.



Rolf Girsberger


Rangliste
1. Wright NicGB14742,12
2. Hoffmann PeterA14405,71
3. Ten Holt JorisHOL14377,44
4. Wasner JuniorA14348,67
5. Liese ReinhardD14333,93
6. Smits JeroenHOL14166,82
7. Dawson SethUSA14146,65
8. Vauth WernerD14145,47
9. Müller RolandCH14132,84
10. Jolly LarryUSA14075,84
15. Steiner KurtCH13822,68
28. Ammann RainerCH13362,48

Rangliste Mannschaften
1. Österreich42768,26
2. Holland42487,57
3. Deutschland42445,71
4. Grossbritannien42184,83
5. USA41534,52
6. Schweiz41318,00


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