Titelstory

«Aiguillon» N-20.10: Schweizer Kampfjet

von Markus Nussbaumer
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Schweizer Luftfahrtgeschichte in Form eines einzigartigen Modellflugzeugs, konstruiert und erbaut von Peter Meier


Markus Nussbaumer



Vom Elektroingenieur zum Flugzeugkonstrukteur

Peter ist mittlerweile weit über 80 Jahre alt. Als Elektroingenieur eignete er sich ein enormes Fachwissen an, welches ihn in seinem Leben weit gebracht hat. Dass er sich an ein solches Projekt «Aiguillon N-20» gewagt hat, zeugt von seinem ausserordentlichen Durchhaltewillen und der Anerkennung an den Pioniergeist der Ingenieure aus der damaligen Zeit.



Bau der Aiguillon «Stachel»: «über 2000 Arbeitsstunden!»


Zum Voraus ein Modell vom Modell

Vorbildlich ist Peters fotografische Dokumentation des ganzen Baus. Vor dem Bau der grossen Aiguillon baut Peter Meier einen Versuchsträger im Massstab 1:15. Die Erfahrungen dieses Modells lässt Peter dann in den Bau der N-20 im Massstab 1:7,5 einfliessen. Alles mit der Zielsetzung, dass das fertige Modell später noch ins Auto passt. Dazu klügelt Peter an einem System, dass er das Modell in «handliche» Stücke zerlegen kann, was den Transport auf den Flugplatz massiv erleichtern soll. Aber jetzt einmal der Reihe nach.

Dank guter Beziehungen zum Fliegermuseum in Dübendorf hat Peter Zugang zum Original, wo er unzählige Details erforschen kann, indem er unzählige Fotos knipst.

Eine Dreiseitenansicht im Massstab von 1:300 dient als Ausgangslage zu diesem Projekt. Diese Planskizzen werden vergrössert mit Hilfe eines Fotokopierers. Danach zeichnet Peter den gesamten Plan auf dem Reissbrett. Schon jetzt zeichnen sich einige Knacknüsse ab, welche zu knacken sein werden. Da keine Angaben zu irgendeinem Schwerpunkt vorhanden sind, wird das zu einem Hauptproblem das nach einer Lösung schreit. Dann müssen die Triebwerke, wie beim Original, in die Tragfläche integriert werden, das ergibt dann die typischen vier Wülste in den Tragflächen des Jets.

Besonders erwähnenswert ist das Fahrwerk, welches dem Original so gut wie möglich nachempfunden ist. Die Hauptfahrwerke sind mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet, wohlverstanden alles Marke «Eigenbau».


Erbauer findet Pilot, den späteren Eigentümer

Nello Nero, der Initiant vom Meeting «Jets over Dübendorf» hat im Jahr 2005 einen nachhaltigen Kontakt mit Peter Meier, welcher auch Mitglied in der IG E-Jets ist. So ergibt es sich, dass Nello von Peter angefragt wird, ob er es sich vorstellen könnte, den Jungfernflug mit der Aiguillon N-20 zu machen. Für Nello war das eine grosse Ehre, aber auch eine riesige Verantwortung.



Der Erstflug auf dem Militärflugplatz Dübendorf

Während die Original Aiguillon N-20 leider nie geflogen ist, sie machte während Rollversuchen nur einige zufällige «Hüpfer», soll das Modell von Peter am 6. Oktober 2007 erstmals abheben.

Wenn man sich vorstellt, dass der Erbauer über 2000 Stunden und viel Herzblut in dieses Projekt investiert hat, kann man sich kaum vorstellen, wie es der «Testpilot» Nello Nero geschafft hat, die Nerven zu behalten, während ihm das Herz bis zum Hals geklopft haben muss. Nach einigen Rollversuchen erfolgt ein bilderbuchmässiger Start, das Modell braucht etwas Zeit, bis es abhebt, dann zeigt sich die Aiguillon von der zickigen Seite. Kaum ist das Fahrwerk eingefahren, verändert sich der Schwerpunkt! Da das Fahrwerk nach hinten eingezogen wird, wurde das Modell unweigerlich schwanzlastig. Je nach Gasstellung beginnt das Flugzeug zu unter- oder überschneiden, zudem reagiert es sehr träge auf die Querruder. Auch das Ausfahren des Fahrwerks brachte keine wirkliche Entspannung der brenzlichen Situation. Das alles mit den über 2000 Baustunden im Nacken bewegt Nello dazu, die Landevolle einzuleiten. Die Landung darf als geglückt bezeichnet werden. Jedenfalls waren alle Anwesenden froh, dass die Aiguillon den Jungfernflug heil überstanden hatte. Die Auswertung des Erstfluges ergab, dass der Schwerpunkt bedeutend nach vorne verschoben werden muss.

Was das Original vor ca. 55 Jahren nicht geschafft hat, hat das Modell 2007 bewiesen, die Aiguillon N-20 fliegt!

Zukunft des Modells: Nello Nero ist mittlerweile stolzer Besitzer der Aiguillon, Peter Meier hat ihm die Aiguillon «anvertraut». Nello ist in der Modellflugszene als fleissiger Sammler besonderer Modellflugzeuge bekannt, so besitzt er zahlreiche Modelle, vorwiegend Nachbauten aus der Schweizer Luftwaffe. Es erstaunt also keineswegs, dass Peter gerade ihm seine Aiguillon angeboten hat, zudem ist «Nelly» auch der Einzige, welcher das Modell je geflogen ist. Nello wird in naher Zukunft das Modell mit der neusten Technik nachrüsten, so soll unter anderem ein Kreiselsystem im Modell verbaut werden, damit das Flugverhalten berechenbarer wird. Zudem wird auch die Fernsteuerungsanlage erneuert, war damals noch ein Graupner MX22 Sender mit 40 MHz im Einsatz, soll bald auf eine 2,4 GHz Anlage «aufgerüstet» werden. Der «Stachel» ist bei Nello in besten Händen und die Chancen stehen sehr gut, dass das Modell in absehbarer Zeit wieder in die Luft steigen wird.



F+W N-20.10 Aiguillon

Zur Entwicklungsgeschichte des legendären Schweizer Kampfflugzeuges

An der Sitzung der zuständigen Kommission fiel am 29. Juni 1948 der Entscheid zwischen der zweimotorigen Dornier P-25.20 und der N-20 zugunsten der Konstruktion der Eidgenössischen Flugzeugwerke. Gleichzeitig wurde ein Prototyp samt den zugehörigen Swiss-Mamba-Zweistromtriebwerken in Auftrag gegeben. Der Prototyp war ein einsitziger Mitteldecker in Ganzmetallbauweise, Tragwerk mit pfeilförmigem Grundriss mit Höhenquerruder kombiniert.

Anmerkung Redaktion: Der Prototyp wurde 1952 fertiggestellt und im Januar 1953 mit Rollversuchen und Starthüpfen begonnen. Da das eidgenössische Parlament im März 52 die Entwicklung der Strahltriebwerke strich, wurde das Projekt gestoppt. Wie es aussieht, war die Flugzeugbeschaffung für unsere Luftwaffe schon damals ziemlich kompliziert ...

GZ



Technik Modell Aiguillon N-20
Massstab:Scale 1:7,5
Spannweite:1680 mm
Länge:1680 mm
Höhe:500 mm
Gewicht:7850 g
Bauart:alles aus Holz/Balsa/Sperrholz (alles Handarbeit, ohne CNC-Maschinen!)
Finish:Folie Oracover, aus Gewichtsgründen
Flügelprofil:E 186-10%
Fluggeschwindigkeit:174 km/h 90%
Strahlgeschwindigkeit:194 km/h
Schub:3640 g durch die 4 Impeller
Schub-Gewicht-Verhältnis:0,48:1
Einziehfahrwerk:Elektrisch Eigenbau/Bremsen Eigenbau
Impeller:4 × Schubeler DS-30 DIA 3-ph
Motoren:4 × Lehner 1530-12
Regler:4 Schulze future 18,61K
Akku:2 × 5S1P/3800 mAh HDHE



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