Bescheidenheit war seine Zier ...
Ob der Spruch «Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr ...» nun von Wilhelm Busch stammt oder einfach ein allgemeines Sprichwort ist, spielt keine Rolle. Auf den am 7. Februar 2018 verstorbenen Hanno Pfeiffer trifft dieser Spruch, in leicht abgeänderter Form, auf jeden Fall vollumfänglich zu.
Bereits im Jahre 2000 schrieb Emil Giezendanner eine Laudatio über Hanno im mfs 5/2000 mit dem Titel «Modellflug als lebenslange Passion». Diesem Artikel entnehme ich auch diverse Informationen über Hanno und seine Tätigkeiten sowie das Bild mit seiner gelben Piper.
Aufgewachsen in der Nähe von Boston Massachusetts, begann Hanno früh mit dem Modellfliegen. Mit 20 entschloss er sich, Sänger zu werden, und studierte in Zürich am Konservatorium. Nach Abschluss seiner Studien blieb er in der Schweiz, heiratete und das Ehepaar Pfeiffer bekam seine Tochter Sylvia. Neben seiner Tätigkeit als Musiker baute und entwickelte er Modelle wie zum Beispiel die «Gummi-Lerche», ein Freiflugmodell mit Gummimotor, das bei der Firma Streil, wo er eine Zeit lang arbeitete, sowohl als Plan wie auch als Bausatz verkauft wurde. Hanno gehörte zu den Gründungsmit-

gliedern der Modellfluggruppe Grischhei und war die Liebenswürdigkeit in Person. Nie habe ich von ihm auch nur die kleinsten abschätzige Bemerkung über einen Kollegen gehört. Sein feiner Humor war legendär.
Da ich selber mal rund 10 Jahre als Profimusiker versuchte meine Familie zu ernähren, glaube ich, ein objektives Urteil über Hannos Talente abgeben zu können. Hanno verfügte nicht nur über eine wunderschöne Stimme, er hatte auch das universelle Talent, von der Klassik über den Negro Spiritual bis zum Schlager jede Stilrichtung perfekt zu beherrschen. So trat er als Solist bei lokalen Konzerten auf, machte Radio-Aufnahmen und sang in seinen jungen Jahren nach dem Krieg sogar vor den GIs (US-Soldaten) auf Militärstützpunkten in Deutschland. Doch für den grossen Durchbruch fehlten Hanno die «Ellbogen» und der Ehrgeiz, sich bei den richtigen Stellen einzuschmusen, um Auftritte in ganz grossem, internationalem Rahmen zu ergattern. Diese hätten eigentlich seinem Talent entsprochen. Doch Hanno sah das etwas anders. Hinter vorgehaltener Hand flüsterte mir Hanno mal zu: «Weisst Du, ich habe mir meine musikalische Karriere mit dem Modellfliegen versaut ...» →

Das für mich allerschönste Konzert gab er mir persönlich an einem schönen, warmen Sommerabend auf dem Fluggelände unserer Modellfluggruppe Grischhei. Für irgend-etwas schuldete mir Hanno einen klitzekleinen Gefallen und ich wünschte mir einen Song für mich ganz alleine. So trug er mir das Lied «Swing Low, Sweet Chariot» in einer Art und Weise vor, als stünde er vor einem grossen Publikum in der Carnegie Hall. Für mich war dieser «Auftritt» eines der grössten musikalischen Erlebnisse! Leider viel zu selten kam Hanno zu uns nach Hause. Dann sang Hanno, meine Frau Maja spielte Klavier und ich traktierte den Kontrabass.
Hanno baute und flog mit Vorliebe kleinere Oldtimer-Modelle, natürlich aus Holz. Styropor war ihm ein Gräuel, aber er bewunderte die hervorragenden Flugeigenschaften meiner
Schaumwaffeln und sprach immer wieder davon, sich halt dann doch eventuell mal so ein Schandmodell zuzulegen. Doch dazu kam es nie, denn Hanno hatte halt so seinen Stolz.
Leidenschaftlich frönten Hanno und ich über Jahrzehnte dem Modellfliegen. Der grösste Brocken, den Hanno baute und flog, war der Fleet Trainer (1934) mit einem Saito 120. So flogen wir zu zweit mit unseren Doppeldeckern: Hanno mit dem Fleet Trainer und ich mit der von meinem Sohn ausgeliehenen Tiger Moth mit 30 ccm Laser-Viertakter. Das war dann in der Luft nicht nur herrlich anzusehen, sondern auch hochmusikalisch anzuhören. Bei den Segelflugmodellen überwogen kleinere Antikmodelle. Hanno war ein leidenschaftlicher Fan des Freifluges und der Gummimodelle. Er liebte Antriebe mit Diesel- oder Kohlensäuremotoren. Unsere beste F-Schleppzeit hatten wir jedoch mit meiner Graupner
Jodel Robin mit 2,4 m Spannweite (OS GT55) und Hanno mit einem 4-Meter-Hochleistungssegler. Mit dem Anbruch des Lipo-Brushless-Zeitalters folgten dann mit etwas kleineren Modellen flüsterleise Elektroschlepps erstmals ausserhalb der für den Motorflug erlaubten Flugzeiten.
Auch bezüglich Beurteilung seiner Flugkünste war Hanno sehr bescheiden und bezeichnete sich selber als mittelmässigen Piloten. Doch das stimmte ganz und gar nicht, denn obwohl er kein virtuoser Kunstflugpilot war, beherrschte er seine Modelle und flog sie vorbildgetreu und sehr zuverlässig. In Bruno Ferrari und Dominique Vultier fand er Kameraden, die ihm beim Einfliegen von heiklen, selbst gebauten Modellen halfen.
Legendär waren seine eigens für diese Modelle gebauten Transportkasten. So kommentierte ich sein Erscheinen mit dem grössten Koffer – in der
sein demontierter Fleet Trainer ruhte – stets folgendermassen: «Spielst du heute wieder auf dem Kontrabass?» Nahm er kleinere Modelle in unterschiedlich grossen Kasten mit, waren das dann Geigen, Bratschen oder Celli.
Hanno hatte, wenn er irgend-etwas verloren hatte, stets einen Schutzheiligen zur Seite. Das war der heilige Antonius, der Verlorenes wiederfinden kann. So erzählte er uns, dass er nach dem Anrufen dieses Heiligen und einer versprochenen Spende im Kloster Frauental in der Nähe unseres Fluggeländes so ziemlich alles wiedergefunden hätte. Er erklärte mir genau, wie das zu funktionieren hätte. Doch Antonius erhörte mein Bitten nicht. Ganz anders bei Hanno. Eines schönen Tages, als wieder einmal ein Freiflugmodell sich nach einem ausgedehnten Flug irgendwo im Gelände versteckt hatte, kam der Beweis, dass das bei Hanno stets funktionierte. Mit meinem Sohn Felix suchte ich zuerst mal das ganze in Frage kommende Gelände nach dem Modell ab und nach einer langen, langen Zeit brachen wir die Suche ab. Doch dann kam Hanno, rief seinen Schutzheiligen an, versprach ihm eine angemessene Spende im Kloster und lief schnurstracks zum irgendwo versteckt liegenden Modell! Ich versuchte Hanno auf seinen Erfolg hin klar zu machen, dass er einen sechsten Sinn besitze, der ihn befähige, nach kurzer Meditation solche Dinge zu finden. Doch da war Hanno stur: «Es ist der heilige Antonius, der mir hilft!» Und auf meine Frage, weshalb dieser Heilige nicht auf mein Bitten reagiere, antwortete er klipp und klar: «Weil Du nicht an ihn glaubst!» Und wo Hanno recht hatte...! Eigentlich kann ich da nur Shakespeare zitieren: Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt (Hamlet, 1. Akt, 5. Szene).

Der Wasserflug war für Hanno sehr wichtig. Nicht nu, weil er nahe am Zürichsee wohnte, sondern weil er oft Ferien in einem Blockhaus in Finnland machte und natürlich immer ein oder zwei Wasserflugmodelle mit dabei hatte. Auch liebte er das Wasserfliegen an Schweizer Bergseen wie zum Beispiel dem Klöntalersee.
Am Zürichsee lud mich Hanno einige Male ein, mit seinem schmalen Kajak in den See hinauszurudern und dort unsere Wasserflugmodelle aufsteigen zu lassen. Das war auf dieser wackeligen Plattform sehr aufregend. Kritisch wurde es im-
mer dann, wenn ein Modell hinter dem Rücken zu verschwinden drohte. Nur durch dosiertes Verdrehen der Rücken- und Nackenmuskulatur konnte man es noch im Auge behalten und steuern, ohne aus dem Boot zu kippen. Zu Zeiten des Verbrennermotorfluges spannte Hanno sein Wasserflugmodell jeweils mit einer Schnur vor das Boot und liess sich so in den See hinaus- und wieder zurückziehen!
Anfang Februar 2018 war es so weit: Hanno verliess unsere Welt im Alter von 89 Jahren nach einem Gehirnschlag und
bester Pflege im Spital Horgen. Wenn ich an ihn denke, bin ich nicht nur traurig, denn die Erinnerung an die gemeinsam erlebten Stunden sind so hell und voller Freude, dass sie die Trauer um den Verlust eines meiner besten Freunde überstrahlen.
Obwohl mich der heilige Antonius bisher bezüglich Auffinden meiner verlorenen Ge-
genstände – trotz leckerer Versprechungen von Opfergaben! – bis heute vernachlässigt hat, möchte ich mich bei ihm ganz herzlich bedanken, dass er mich den hochtalentierten, aber immer bescheidenen Hanno finden liess und ich mit ihm eine wunderschöne Zeit verleben durfte...
Hans-Jürg Baum


DIE PC-21-STORY

Neuigkeiten von HEBU

EUROPAMEISTERSCHAFTEN F3A IN ST-MACAIRE, FRANKREICH

WEISCH, WASI MEINE? 125 JAHRE AERO CLUB DER SCHWEIZ

STOLZ UND GUTE IDEEN

CORSAIR F4U – EIN WARBIRD MIT EINPRÄGSAMER OPTIK

HORIZON HOBBY/LEMACO NEWS:MICRO OV-10 BRONCO 645 MM VON E-FLITE

VON DER JUGEND FÜR DIE JUGEND

SCHNUPPERTAG BEIM MFV WETTINGEN

TEAMMANAGER «THIS» BOSSHARD

ATOM, DER NEUE DOPPELDECKER VON CPLR

Neuigkeiten bei Leomotion.com

FREIFLUG IM HOCHSOMMER

34. ALPINES MODELLFLUGLAGER HAHNENMOOS

52. COUPE DES ALPES 2026

WILLKOMMEN, NEUES MITGLIED!

EURO CONTEST GLIDER ACRO TOUR ÖSTERREICH 2026

EINBLICKE IN DIE WASSERFLUGGESCHICHTE

COUPE DES ALPES – BEOBACHTEN UND LERNEN

STADTPARTNERSCHAFT

FERIENPLAUSCH 2026 BEI DER MG USTER

KLEINE VORBILDÄHNLICHE SEGLER

REGION NOS – EIN ZENTRUM DES ELEKTROFLUGS

VON 0 AUF 100

NEUIGKEITEN VON HEBU

ERINNERUNGEN

WEISCH, WAS I MEINE? IM LAND DES LÄCHELNS
