Geschichte

Arnold Degen gestorben

von Emil Giezendanner
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Alt-Oberexperte des AeCS für Modellflug, Veteranen-Obmann und Ehrenmitglied der Region 5, ist im Alter von 75 Jahren in Zürich verstorben.


Für unsere Generation ist es schwierig, die Arbeit Arnold Degens vollumfänglich zu würdigen – soweit dies überhaupt möglich ist. Wir wissen, dass er nach dem Krieg mit anderen Kameraden zusammen einer der Hauptinitianten der Modellflugbewegung des Aero-Clubs der Schweiz war. Modellflug war damals nicht eine Konsumhaltung, sondern eher eine Philosophie. Es brauchte einen unbesiegbaren Pioniergeist. Dazu gehörte nicht nur das Fliegerisch-Technische, sondern auch das Gesellschaftliche: Es mussten Gruppen gegründet und ihre Angliederung an unseren Dachverband AeCS organisiert werden. Dies wäre mit unseren heutigen Informationsmitteln sicher nicht mehr so schwierig und aufwendig. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass praktisch nichts vorhanden war. Es fehlte an Fachbüchern und Zeitschriften, Flugplätze mussten per Velo oder Bahn aufgesucht werden. Überall musste Grundlagenarbeit geleistet werden, welche heute sowohl den Fachgremien des AeCS als auch jedem einzelnen Mitglied zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Arnold Degen konstruierte Flugmodelle, stellte Baukasten her, organisierte Bau- und Flugkurse, veranstaltete die ersten Wettbewerbe und Meisterschaften, so u.a. die erste RC-Kunstflug-Weltmeisterschaft (F3A) überhaupt. Daneben schrieb er Fachbücher, verfasste Fachartikel und Bauanleitungen, führte Windkanalversuche durch und moderierte gar einen Modellflug- und Baukurs am Radio.



Dieses enorme Pensum konnte Arnold Degen u. a. auch leisten, weil eine weitsichtige AeCS-Clubleitung die Stelle eines Oberexperten für Modellflug geschaffen hatte, welcher Arnold Degen 35 Jahre treu geblieben ist. Viele Auf- und Abwinde und schwere Turbulenzen muss er da durchgestanden haben, Direktoren (heute Zentralsekretäre) kamen und gingen, von der «Ärgerrevue»-Redaktion schon gar nicht zu reden. Überall verstand er es einzuspringen – sogar den Direktorposten musste er interimweise übernehmen. Seine Vielseitigkeit, Initiative, Vitalität, vor allem aber sein unerschütterlicher Optimismus waren fast grenzenlos. Er fand auch in den scheinbar aussichtslosesten Situationen einen Weg und verstand es immer wieder, andere mitzureissen und zu begeistern. Er tat dies nicht nur mit Worten, denn er hatte dank seiner grossen Handfertigkeit, seinem ausgeprägten Sinn für technische Zusammenhänge und seiner raschen und phantasievollen Kombinationsgabe viel zu bieten. Mit Hingabe und Engagement, mit guten Argumenten, mit Witz und Ironie gelang es ihm immer wieder, wichtige Kreise in Ämtern, Politik und Wirtschaft für die Sache des Modellflugs zu gewinnen.


Er konnte im rechten Moment einen unbittlich bussenzettel-schwingenden Polizisten zum Rückzug seiner Strafe bewegen, und schliesslich sah man beide lachend und diskutierend auf der Stelle Freundschaft schliessen. Viele fast auswegslose Situationen hat er retten können. An Bruno Giezendanners erster F3A-WM auf Korsika vergassen wir in der Hitze des Gefechtes die Startnummer. Brunos Motor lief bereits, und der Start war angekündigt, als die Punktrichter laut zu murren und zu protestieren begannen und nach der Jury rufen wollten. «Wir punkten nicht ohne Startnummer», hiess es lakonisch. Arnold Degen beschwichtigte die Leute aber rasch und versprach jedem eine Ice-Cream, «aber macht jetzt keine Schwierigkeiten!» Dieses Angebot hat offenbar bei der grossen Hitze seine Wirkung nicht verfehlt: Die Punktrichter machten sich jedenfalls eifrig an ihre Arbeit und kurze Zeit später sah man sie genüsslich ihre Glace verzehren ... Dass es für den Modellflieger kein Hindernis gebe, schien für Arnold ein unausgesprochenes Gesetz zu sein. Seine Offenheit, seine gradlinige Art, Probleme anzugehen, Dinge beim Namen zu nennen, hat ihm harte Auseinandersetzungen nicht erspart. Nicht immer hat er sich dann von seiner diplomatischen Seite gezeigt. Gerade im Sport hat er öfters hart durchgegriffen und sich damit auch Feinde verschafft. Aber die grossen sportlichen Erfolge während seiner Amtszeit haben ihm schliesslich recht gegeben, war er doch direkt oder indirekt an den verschiedensten Weltmeistertiteln der Schweizer Modellflieger beteiligt.


Arnold Degen hat nach seinem Rücktritt aus Amt und Würde noch einmal ein Ziel mit grossem Fleiss und Hingabe verfolgt: er hat sich nach der Modellbaukunst dem Modellieren, Mosaiken und Emaillieren zugewandt und dank seiner überdurchschnittlichen handwerklichen Begabung, seiner Phantasie und seinem zähen Durchhaltevermögen hier ein erstaunliches künstlerisches Werk geschaffen, welches auch in Fachkreisen zusehends anerkannt und beachtet worden ist.



Trotzdem hat er den Modellflug nicht ganz aufgegeben: Massgeblich beteiligt an der Modellflugveteranenbewegung, hat er diese zusammen mit Werner Koelliker geleitet. Es war eine Freude, Arnold zuzuhören, wie er in voller geistiger Frische Veteranentagungen schwungvoll und engagiert über die Bühne gebracht hat. Viele unserer Flugpioniere haben da wieder richtig aufgelebt, und die alten Zeiten sind mit Noldis Worten bunt und lebendig auferstanden und haben manch einem geholfen, den grauen Alltag besser zu überstehen. Viele Modellflieger werden ihm das nie vergessen; dazu hoffe ich, dass Arnold Degens Pioniergeist dem Schweizer Modellflug erhalten bleibe, ebenso wie sein Optimismus.

E. Giezendanner



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