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U-Space und Drohnen

von Urs Holderegger
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Drohnen werden von uns Modellfliegern häufig als Bedrohung unserer Lieblingsbeschäftigung angesehen, wenn unbedarfte Drohnenpiloten für Luftraumverletzungen sorgen und in Wohnquartieren die Anwohner provozieren. Vergessen geht bei dieser Sichtweise der Innovationsschub für die digitale Zukunft der Fliegerei. Dabei spielt der U-Space eine wichtige Rolle.


U-Space – das Wort haben wohl die meisten von uns schon mal gehört. Was aber versteht man darunter? Im U-Space werden diverse digitale und automatisierte Prozesse miteinander verknüpft. U-Space ermöglicht einen sicheren und effizienten Betrieb von zivilen Drohnen, der nicht auf eine bemannte Flugsicherung angewiesen ist und ein sicheres Nebeneinander mit der bemannten Luftfahrt erlaubt. Schauen wir in eine gar nicht mehr so entfernte Zukunft: Ein Anbieter von Drohnen Dienstleistungen erhält den Auftrag für eine Serie von Vermessungsflügen mit einer mittelgrossen Drohne. Auf einer App gibt er seinen Flugplan und die Zeit ein, die er für die Flüge benötigt. Das System zeigt an, ob diese Operation an diesem Ort erlaubt ist. Er sieht auf der App,

ob der benutzte Luftraum dafür zur Verfügung steht oder ob zur gleichen Zeit dort noch andere Flüge stattfinden bzw. der Luftraum sogar gesperrt ist. Auf der gleichen App erhält er auch Zugang zu Meteo-Diensten, die ihm bei der Flugplanung nützlich sein können. Sobald ihm das System grünes Licht gibt, kann er seine Operation starten.


Warnung vor anderen Luftfahrzeugen

Die selbstverständlich registrierte Drohne ist während des ganzen Fluges auf der App für die anderen Nutzer, aber auch für die Flugsicherung sichtbar. Normalerweise finden diese Drohnenoperationen in geringer Flughöhe (unter 120 m über Grund) statt und gefährden den bemannten Betrieb nicht. In unserem Beispiel muss aber ein Rettungshelikopter in den gleichen Luftraum einfliegen. Der Drohnenpilot erhält nun über U-Space eine Warnung, die ihm anzeigt, dass ein bemanntes Luftfahrzeug allenfalls seine Flugroute kreuzen könnte. Dadurch ist er in der Lage, auszuweichen oder den Flug kurzfristig zu unterbrechen.

Was hier sehr einfach tönt, ist in Wirklichkeit ein hochkomplexer Vorgang. Es gibt keinen Fluglotsen, der einen Flug freigibt und vor einer möglichen Kollision warnt. Eine Drohne, die ausserhalb des Sichtkontaktes des Piloten fliegt, kann nicht nach dem «See and avoid»-Prinzip betrieben werden. Dieses wird sonst im unkontrollierten Luftraum, wo wir auch unsere Modelle fliegen, angewendet. Der ganze Prozess basiert auf automatisierten Systemen, die nicht zuletzt die bemannte und die unbemannte Luftfahrt samt Flugsicherung miteinander verknüpfen müssen.

Das hier noch fiktive Beispiel ist schon bald Realität. Bereits im September 2017 wurde in Genf der Swiss U-Space einem grossen internationalen Publikum präsentiert. Sehr beeindruckt zeigten sich die anwesenden Vertreter der EU-Kommission, dass diese Präsentation nicht etwa in einer menschenleeren Gegend, sondern in einer Stadt unmittelbar neben einem interkontinentalen Flughafen stattfand. Die Präsentation, an der Skyguide, das BAZL und eine Reihe privater Firmen beteiligt waren, zeigte eindrücklich die technische Realisierbarkeit von U-Space auf.


Nationaler Alleingang hat wenig Sinn

In der EU wird das U-Space-Projekt seit Ende 2018 von einer Arbeitsgruppe betreut, an der auch die Schweiz aktiv teilnimmt. Für 2023 ist eine gesamteuropäische U-Space-Regulierung vorgesehen, die den regulatorischen Rahmen für den Marktzugang regelt. Ob die Schweiz diese Regulierung, an der sie selbst massgebend beteiligt war, ebenfalls übernehmen kann, ist allerdings noch fraglich. Die EU-Kommission verknüpft U-Space mit der Übernahme der europäischen Drohnenregulierung, die die Schweiz vorläufig noch nicht übernehmen kann. Benoit Curdy, Projektleiter U-Space im BAZL, sagt dazu: «Bis jetzt konnten wir auf verschiedenen Ebenen von der internationalen Zusammenarbeit profitieren, nicht zuletzt dank der momentanen führenden Stellung der Schweiz.» Ein nationaler Alleingang habe wenig Sinn, betont Curdy.

Auf nationaler Ebene hat das BAZL Ende 2018 zusammen mit der Flugsicherung skyguide ein Konzept einer privat-öffentlichen Partnerschaft lanciert, um Technologien und Serviceleistungen zu entwickeln, zu testen und zu implementieren. An der Swiss U-Space Implementation (SUSI) sind neben diversen Schweizer Unternehmen auch internationale Unternehmen wie Airbus, der Drohnenhersteller Matternet oder die Boeing-Tochter Aurora Switzerland mitbeteiligt.


Keine flächendeckende Lösung

In zwei Jahren sollten die ersten U-Space-Lufträume einsatzbereit sein. «Wir planen keine flächendeckende Lösung, sondern setzen U-Space dort ein, wo es von Anwendern gewünscht wird, oder wo die Anwendung Sinn macht», betont Benoit Curdy. Ein erster U-Space-Raum ist in der Region Sion vorgesehen, wo Arbeitsdrohnen für das Besprühen von Weinreben und Helikopter teilweise auf engem Ort zusammen den Luftraum teilen. Eine zweite sinnvolle Anwendung für U-Space ist die Mitbenutzung von kontrollierten Lufträumen, für die es momentan noch Einzelbewilligungen der Flugsicherung skyguide braucht.


Bedrohung für die Modellflieger?

Ist U-Space eine Bedrohung für uns Modellflieger? Nein, sagt der BAZL-Experte ganz klar. Der Modellflug im Rahmen von Vereinen und Verbänden ist in der europäischen U-Space-Regulierung ausgenommen. Zusammen mit dem Modellflugverband arbeitet das BAZL sogar daran, eine für den gesamten Modellflug gültige Lösung sowohl in der



Drohnenregulierung als in der U-Space-Regulierung zu finden.

Wie im vorerwähnten Beispiel Sion dargestellt, wird U-Space dort eingesetzt, wo sowohl für die Flugsicherung als auch für die Anwender ein Nutzen erzielt wird. Aber U-Space könnte bei einer grösseren Ausdehnung dereinst auch uns Modellfliegern dank der einfachen Bedienbarkeit via Handy-App Vorteile bringen. So könnte ich mit wenigen Schritten anzeigen, dass der Luftraum meines Modellflugplatzes in den nächsten drei Stunden durch Modellflugzeuge beansprucht wird. Es braucht keine stationäre Flarm-Anlage mehr, wie sie auf einigen unserer Modellflugplätze verwendet wird.

Der Autor ist ein langjähriger, engagierter Modellflieger und Leiter Kommunikation des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL).



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