Magazin

Modellflugmuseum: Kooperation zwischen Sachkenntnis und Durchhaltewillen

von Urs Leodolter
26

Was macht unser Hobby aus? Sind es die schönen Erinnerungen, die Erfolge, die unzähligen Stunden in der Werkstatt, das Verbringen von Zeit mit guten Freunden, oder wo liegt wirklich der grosse Reiz? Wahrscheinlich sind es alle Gründe, die uns einfallen, warum wir gerne unsere Freizeit mit Modellflug verbringen, und das ist es, was unser Hobby ausmacht.


Schatz an Erinnerungen

Aber sind es nicht auch die Erinnerungen an das erste Modell, den ersten Absturz, die erste Fernsteuerung, ein Erlebnis aus der Kindheit, das eng mit dem Modellfliegen verknüpft ist? Ich erlebe es immer wieder, wenn Modellbauer bei mir durch die Sammlung gehen und mir von ihren Erlebnissen über ein bestimmtes Teil der Sammlung erzählen. Die Frage kommt häufig: «Hast du das Teil auch in der Sammlung?» «Ja klar, da hinten!» Und schon wird wieder eine kleine Anekdote erzählt. Es sind die Geschichten, die unser Hobby ausmachen.

Ich habe viele Modelle, Fernsteuerungen und Zubehör, die eng mit einer Person oder einer bestimmten Geschichte verknüpft sind. Zum Beispiel: «Soll ä mal cho!», an diese versteckte Kameraepisode können sich bestimmt viele erinnern. Das Modell hängt bei mir im Museum an der Decke. Hampi Senn hat das Graupner Maxmodell hinter einem Busch versteckt geflogen und Kurt Felix hat einen Fernsehklassiker geschaffen, der auch 50 Jahre später noch aktueller denn je ist.


Eine Variprop zum Anfang

Anfang der Nullerjahre habe ich angefangen zu sammeln. Zuerst nur meine erste Fernsteuerung; eine gelbe Vario-prop von Graupner. Ich habe schnell gemerkt, dass man mit etwas Durchhaltewillen fast alles noch finden kann. Und da gab es ja neben der günstigen 6S auch noch eine 8-, 12- und eine 12-Kanal in 35 MHz. So fing es an. Ich wollte mehr, alle Graupner Anlagen, von der ersten Standardanlage zu den letzten Varioprops Ende der 70er-Jahre. Dann kamen Bausätze dazu, Motoren, Zubehör und – eben Modelle mit Geschichte. Heute, bald 25 Jahre später, habe ich in meinem neuen Haus einen Raum mit 150 m2 als Museum eingerichtet. Viele bereits ältere Modellbauer haben mir ihre alten Modelle, Fernsteuerungen und Magazine übergeben, daher wächst die Sammlung schnell. Leider wird es im Museum bereits wieder eng, aber immerhin wird einiges der Nachwelt erhalten bleiben.


Wie weiter?

Zwei Freunde sind nun auf mich zugekommen und haben gefragt: «Was passiert denn mit der Sammlung, wenn du nicht mehr bist?» Dieses Thema hatte ich bislang verdrängt. Ich bin ja noch «jung» und habe viel Zeit, das zu organisieren. Aber auch ich werde älter und ich fand die Idee mit einer Stiftung sehr spannend. Wir sind nun am Brainstorming, wie sich eine Stiftung Modellflugmuseum gründen lässt, um die Sammlung unserer Geschichte auch den zukünftigen Modellpiloten zu erhalten. Museen oder Sammlungen zum Thema Modellflug sind weltweit wenige vorhanden. In Deutschland gibt es im Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe eine kleine Ausstellung. Dann fällt mir nur noch das AMA-Museum in den USA in Muncie ein. Der ganze Rest dürfte privat organisiert sein. ■

Urs Leodolter,
[www.leodolter.ch](http://www.leodolter.ch)

Nicht vergessen:
Retroday 13. Juli 2024



Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙