Sport

24. Freiflugseminar in Gretzenbach – Rückblick auf eine erfolgreiche Freiflugsaison und Ausblick 2024

von Urs Muntwyler
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Der Präsident der Fachkommission Freiflug, Michael Bleuer (MG Rüttenen), durfte gegen 30 Teilnehmende am traditionellen Freiflugseminar begrüßen. Traditionell werden am Vormittag Tipps und Material unter Piloten ausgetauscht.


Der theoretische Teil begann am Nachmittag, eingeleitet von Fachkommissionspräsident Freiflug, Michael Bleuer. Ein grosses Thema sind gerade für international aktive Modell- und Freiflieger die Bewilligungen und die Auflagen für Modellflugzeuge in der EU. In der Schweiz sind aktuell keine neuen Restriktionen bekannt. Die Wettbewerbe 2024 sind bereits aufgeschaltet und Wettbewerbsflieger können sich auf der Website des Modellflugverbands aktuell informieren und anmelden. Für Interessierte und Anfänger des Freiflugs sind die Daten des Losterfer Wettbewerbs am 16. März 2024 und das Training der Freiflug-Nationalmannschaft in Mühenthurnen empfohlen.


Teamleiter Alfred Andrist

Alfred Andrist orientierte als Teammanager über die erfolgreiche Weltmeisterschaft in Moncontour (F) im August 2023. Insgesamt waren 600 Piloten und Begleiter aus 41 Nationen während einer Woche im Einsatz. Vor der Weltmeisterschaft trainierte das Team mehrmals im Gürbetal. Als Training wurden zwei Weltcups zum Feintuning geflogen. Dabei wurde ein 2. Platz von Michi Bleuer in F1A (Segelflug) und ein 1. Platz von Dominik Andrist in F1B (Gummimotor) erreicht. Mit diesen guten Resultaten ging das Schweizer Team motiviert in den Wettkampf. Die Wettkämpfe begannen um 7 Uhr auf dem Feld. Die drei Piloten Lauri Malila, Christian Andrist und Michael Bleuer starteten in F1A. Die Modelle müssen nach jedem Durchgang wieder zurückgebracht werden. Gestartet wurde an 41 Startstellen gleichzeitig. Damit es keine Schnurkreuzungen im Kreisschlepp gab (der Pilot sucht die Thermik), wurde bei jedem CH-Piloten ein Co-Pilot zur Luftraumüberwachung zugestellt. So konnte sich der Pilot auf den Startvorgang konzentrieren. Nach 7 Wertungsflügen qualifizierten sich 48 Piloten für das erste 6-Minuten-Fly-off. Diese Marke erreichte Lauri Malila und qualifizierte sich für das 2. Fly-off mit 15 Piloten mit 8 Minuten Flugzeit. Dabei erreichte Lauri um 20.30 Uhr am Abend die längste Flugzeit und wurde Weltmeister in F1A. Damit ist seit 1965 zum 2. Mal ein Schweizer Freiflieger Weltmeister in dieser Kategorie.

Nach einem Ruhetag startete die F1B-Kategorie mit den drei Piloten der Familie Andrist. Die beiden Piloten Christian und Dominik Andrist erreichten das Fly-off. Dieses startete um 20.30 Uhr mit einer Flugzeit von 8 Minuten. Dabei erreichte Dominik Andrist mit einer Flugzeit von über 7 Minuten den 3. Platz. In der Kategorie F1C (Segler mit Verbrennungsmotoren) startete Peter Maurer (MV Bern). Er ist der einzige Pilot in dieser Kategorie aus der Schweiz.

Alfred Andrist betonte in seinem Vortrag die gute Teamleistung, die es braucht, um die Spitzenpiloten zum Erfolg zu bringen. Er ging auch auf die technischen Spezifikationen der siegreichen Modelle ein. Bei den Seglern F1A sind in den ersten beiden 4-Minuten-Runden Modelle mit LDA-Profilen im Vorteil. Sie erreichen aufgrund des schlanken Profils Höhen von über 100 m. In den 5 weiteren 3-Minuten-Runden mit Thermik tagsüber sind konventionelle Segelmodelle bevorzugt. Im Fly-off am Abend oder frühen Morgen sind dann Carbon-Flapper-Modelle mit verstellbaren Flügelprofilen gefragt. Sie erreichen bis 120 m beim Start, was maximal lange Flugzeiten ergibt. Durch die immer besseren Flugleistungen der Modelle ergeben sich vermehrt Probleme mit der visuellen Verfolgbarkeit der Modelle. Vermehrt werden vielfarbige LED eingesetzt. GPS-Sensoren zum Auffinden von Freiflug-Wettbewerbsmodellen sind Standard.



Wettbewerbstaktik

Bis zu 50% der Wettbewerber erreichen alle Durchgänge mit maximalen Flugzeiten. Daher kommt der Taktik im Fly-off die zentrale Bedeutung zu. Darüber referierte Wettbewerbspilot Dominik Andrist (3. WM 2023 F1B und CH-Meister in F1A 2023). Im Fly-off rächen sich auch kleine Fehler und ergeben sofort eine schlechtere Rangierung. Ein modernes, gut getrimmtes und durch den Piloten beherrschtes Modell ist für Dominik Andrist Bedingung für ein gutes Resultat. Im Fly-off gelten 7 Minuten als maximales Startintervall. In diesem muss das Modell gestartet werden. Dabei müssen ein Modell und ein Ersatzmodell bereit sein. Vor dem Fly-off empfehlen sich Trimmflüge. Diese nehmen aber dem Piloten Energie, die dann im Stechen vielleicht fehlt. Der F1A-Weltmeister Lauri Malila macht bis zu 10 Trimmflüge vor dem Fly-off. Dies ist individuell und bedingt eine entsprechende physische und mentale Verfassung des Piloten. Sind nur wenige Piloten im Fly-off, so gilt es, diese zu beobachten. Die Piloten, ihre Modelle und ihre Performance muss man kennen und die Taktik anpassen. Findet das Fly-off am frühen Morgen mit laminarer Luft statt, so zählen die maximale Höhe und ein guter Gleitwinkel. Ist das Fly-off am frühen Abend, so kann es noch Thermik haben und ein guter Gleiter kann noch seine Chance haben. Hier sind thermische Sensoren ein wichtiges Hilfsmittel. Sie zeigen durch Temperaturanstieg und Anstieg der Windgeschwindigkeit eine Thermikblase an. Auch in F1B (Gummimotor) stehen nur 7 Minuten für das Aufziehen des Gummis und das Starten des Modells zur Verfügung. Der Pilot muss abwägen, ob er den Gummistrang ans Limit der Belastung bringt und dieser eventuell reisst. Dann muss ein zweiter Strang aufgezo gen werden, die Startzeit wird knapp. Je nach Wetter werden die Einstellungen des Modells mit Erfahrungswerten optimiert. Thermiksensoren gehören hier zur Ausrüstung von Spitzenpiloten.



Saalfug F1D

Christian Gugger referierte über den Saalfug in der Schweiz. Saalfug wurde in den 70er/80er-Jahren in der Schweiz erfolgreich mit Piloten wie Maurice Bodmer, Thomas Urban, Andreas Vogel, Rainer Lotz, René Butty und Dieter Siebenmann geflogen. Was fehlte, waren die Einsteigerklassen. Seit 2019 werden daher Baukurse in den Modellfluggruppen Buchs, Balsthal und Breitenbach organisiert. Christian Gugger stellte die gesamte Palette an Saalfliegern vor, was vom einfachen Einsteigermodell mit 26 cm Spannweite und 1 g Gewicht (Lyllflygarn) bis zum grossen F1D-Wettbewerbsmodell (55 cm Spannweite, 1,4 g mit 0,4 g Gummi) reichte.


F1E-Hangflug

Zum Schluss stellte Christian Andrist eine neue elektronische Steuerung der F1E-Hangflugmodelle des deutschen Hangfliegers Paul Seren vor. Sie ersetzt die traditionelle Magnetsteuerung. Das Herz der Steuerung ist der BNO-055-9-Achsen-Orientierungssensor von Bosch. Die Signale des Sensors werden aufbereitet und ein Servo angesteuert. Damit wird die Windfahne im Kopf des Modells angesteuert. Es ist auch möglich, das Seitensteuer am Ende des Modells anzusteuern. Die neue Steuerung ist bequemer in der Programmierung und leichter. Damit können leichte Modelle, die länger fliegen, einfacher realisiert werden. Ein erster Test Anfang Februar mit einem Handhochstart («Flop» genannt) ergab einen verblüffenden Gleitwinkel. Ob sich das im Wettkampf bewährt, testen die beiden Piloten Alfred und Dominik Andrist an einem Weltcup Mitte Februar im kalifornischen Lost Hills in den USA.




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