Förderer des Modellflugs
Am 17. Dezember 2009 verstarb unser Willi Streil, Ehrenmitglied der MG Zürich, im Alter von 86 Jahren an den Folgen eines schweren Sturzes. Mit dem Hinschied von Willi Streil verliert die Modellfluggruppe Zürich einen hervorragenden Menschen.
Wer kannte Willis Modellbaugeschäfte, die Firma C. Streil & Co. an der Rötelstrasse 24 in Zürich, nicht? Sein Wirken ging jedoch weit über das

eines erfolgreichen Modellbauartikelhändlers hinaus, hat er doch den Modellflugsport viele Jahre massgebend beeinflusst.
Willi Streil gründete mit 25 Jahren, zusammen mit seinem Freund Theo, am 6. Juli 1948 die Firma Streil & Furler. Sie verkauften verschiedene Produkte wie Gasgrills, Pinselsortimente etc. und sie dachten in ihrem jugendlichen Alter, Bäume in den Himmel wachsen zu sehen. Sein damaliger Geschäftspartner, der eine Zeit lang in England weilte, fand heraus, dass mit dem Verkauf von Modellbauartikeln etwas zu machen wäre.
Sie kauften in England die ersten Bausätze aus Balsaholz, «Mills»-Dieselmotoren und einige Balsabrettchen und gingen damit ins Baulokal der Modellfluggruppe Zürich, wo noch ausschliesslich mit Sperrholz und Kiefernleisten gearbeitet wurde. Sie wurden ausgelacht. «Wo denkt ihr hin», war die Antwort, «wir bauen mit Sperrholz und Kiefernleisten.» Obwohl die Mehrheit der Zürcher Modellbauer die Idee mit dem neuen und unbekannten Material absurd fand, gab es einige,
die neugierig wurden, und sie wollten das Balsaholzlager auf dem Balkon von Willi Streil an der Bachmattstrasse 52 sehen. Sie kauften und verarbeiteten das unbekannte Material, welches zwar sehr leicht, aber brüchig war. Dafür mussten neue Arbeits- und Konstruktionsmethoden entwickelt werden. Willi Streil, selbst Modellbauer, wurde Mitglied der Modellfluggruppe Zürich und baute englische Baukastenflugmodelle aus Balsaholz. Bald trat er den Beweis an, dass sich Balsa für den Flugmodellbau bestens eignet. Auf dem «Langen Zingen» flog und demonstrierte er seine leichten Modelle, wo er auch Christl kennenlernte, die er am 3. Juni 1950 heiratete.
Aber leider wollte das Geschäft nicht so recht laufen. Willi trennte sich vom Geschäftspartner und nahm eine Stelle bei der Stadtverwaltung an. Fortan betrieb er den Modellbauhandel vorwiegend als Versandgeschäft, zusammen mit Christl jeweils am Abend, über Mittag und an Wochenenden weiter. Immer mehr Mitglieder

der MG Zürich unterstützten ihn und schätzten seine beratende Tätigkeit. Durch seine hervorragenden Fachkenntnisse, seine Beziehungen und Beherrschung verschiedener Sprachen wurde der Kunden- und Freundeskreis immer grösser. Er führte Modellbauprodukte ein, die für die Schweiz völlig neu waren. Dank seiner Kontakte mit der Zürcher Lehrerschaft wurden auf seine Initiative Modellbaukurse durchgeführt. Willi Streil fabrizierte dann, zusammen mit einigen Freunden, Flugmodelle wie Ce-
si, Piccolo, Bye-Bye etc., von denen im Laufe der Jahre rund 150 000 Bausätze an Schulen in der ganzen Schweiz verkauft wurden. Dazu importierte er aus England das SOLARBO-Balsaholz gleich wagonweise, was bald einmal grössere Räumlichkeiten notwendig machte. Er fand diese zuerst an der Nord- und später an der Rötelstrasse. Immer mehr Modellbauartikel aus England, den USA und Deutschland waren in seinem neuen Laden zu bewundern. Es kam vor, dass die Kundschaft manchmal in Etap-

pen einkaufen musste, weil zu viele Modellbauinteressenten auf einmal im Laden standen. Man musste dann draussen vor dem Laden auf «Einlass» warten.
1957 kam der erste «CES-Kurier» als Mitteilungsblatt heraus, welcher vier bis sechs Mal im Jahr erschien. Vorgestellt wurden darin die aktuellsten Modellbauneuheiten und Werkzeuge, dazu kamen Anleitungen und Tipps, Kurzberichte und Hinweise zu Modellflugwettbewerben des AeCS, Resultate, Gruppenmitteilungen etc. Im «CES-Kurier» Nr. 2 vom März 1958 bot Willi bereits ein
und er nahm rege an der Modellflugbewegung teil. Als Vorstandsmitglied der Modellfluggruppe Zürich lagen ihm die Gruppenaktivitäten bezüglich Wettbewerbsfliegerei stark am Herzen, und er erreichte damit einen ungeahnten Aufschwung der MG Zürich, welche an vielen Wettbewerben Spitzenresultate erreichte und dadurch die ganze Modellflugbewegung beeinflusste. Willi spendete für nationale Wettbewerbe des AeCS auch den Streil-Wanderpreis für mehrfach gesteuerte Radio-Motormodelle (RCMM – heute F3A). Er war Initiator und Sponsor der Hartbelagspiste für den Gruppenmodellflugplatz «Chilmis» der MG Zürich und MG Bülach in Oberhasli (ZÜ-BÜ) und später des Modellflugplatzes in Eglisau. Ein grosses Highlight für Willi war sein CES-Jubiläumsfliegen (20 Jahre Streil-Modellbau) auf dem ZÜ-BÜ-Modellflugplatz in Oberhasli 1968. Dazu hatte Willi alle seine Lieferanten eingeladen, deren Werkpiloten ihre neusten Flugmodelle, Motoren und Fernsteuerungen demonstrierten. Natürlich durften bei diesem Anlass ein CES-Wettbewerb mit RC-Motormodellen und ein Kinderballonwettfliegen nicht fehlen. Willi pflegte auch regen Kontakt zu anderen Modellfluggruppen.
Nach 40-jähriger erfolgreicher Tätigkeit kam der Zeitpunkt, wo sich Willi um den Ruhestand Gedanken machte. Im Frühjahr 1989 verkaufte er dann sein Fachgeschäft für Flug- und Schiffsmodellbauartikel an Markus Wieser, heute an der Wieslergasse 10 in Zürich Höngg.
Willi Streil wird uns, d.h. der MG Zürich, immer in Erinnerung bleiben und wir danken ihm für die gemeinsame Zeit, die er uns geschenkt hat und die wir mit ihm verbringen durften.
Text: René A. Schnorf
Bilder: Oskar Ledergerber,
Werner Koelliker
Werner Koelliker über Willi Streil
Am 30. Dezember nahmen Verwandte und Freunde in der Kirche Steinmaur Abschied von Willibald Streil. Abschied von einem Mann, der jahrzentelang in der schweizerischen Modellbau-Geschichte einen festen Platz eingenommen hat. Er gründete das erste Fachgeschäft für Modellbau in unserem Lande das diesen Namen verdiente.
Willi und Christl waren sehr fleissige Leute und pflegten nebenbei die Idee «Handel mit Modellbau», die sie weiter zu verwirklichen suchten – und es gelang! 1955 kündigte Willi seine Stelle und widmete sich voll dem neu an der Nordstrasse in Zürich eröffneten Verkaufsladen. Das Geschäft boomte und bald zügelten sie Laden und Wohnung an die Rötelstrasse 24. Eine Adresse, die unzählige Modellbauer heute noch kennen. Der Geschäftszweig «Modellbau» wurde streng fachmännisch kontinuierlich ausgebaut. Mitarbeiter konnten angestellt werden. Zu den Schiffs- und Flugmodellen kamen Auto- und andere Modelle, Verbrennungsmotoren, Treibstoffe, Sperr- und Balsaholz, Kiefernleisten, Spannlack, Bastlerwerkzeug, Zeitschriften, Fachbücher, Zubehör aller Art und später dann die sehnlichst erwünschten Fernsteuerungen. Die Streils entwickelten ein Warensortiment mit Tausenden Artikeln, das selbst im Ausland grösste Beachtung fand. Grosse Verdienste erwarb sich die Firma als Sponsor von Wanderpokalen und Sachpreisen zur Unterstützung von Modellflugwettbewerben. Aber auch die Herstellung eigener Flugmodell-Bausätze für den Handarbeitsunterricht an Schulen wurde ein wichtiger Erfolg. Die Herausgabe des eigenen Mitteilungsblattes «CES-Kurier», in dem von den Aktivitäten der Modellflieger des Aero-Clubs der Schweiz berichtet und die Neuheiten im Modellbau bekanntgemacht wurden, freute sich grosser Beliebtheit. Neben Willis kaufmännischen Fähigkeiten – er war eigentlich ein «Lateiner» – war da auch die grosse Sprachgewandtheit: Er sprach englisch, französisch und italienisch. Damit konnte er sich mit der Kundschaft, den Lieferanten aus aller Welt und unzähligen Freunden problemlos unterhalten und war deshalb auch immer am Ball.
Auch die Rentnerzeit der fast 60 Jahre dauernden Ehe war total ausgefüllt. Beide hatten ihr eigenes Programm. Sie strickte für den Bazar des Frauenvereins und pflegte den Riesengarten am Steinmaur-Hang beim Schützenhaus. Er hielt sein schönes Haus in Ordnung, ging gerne im nahen Wald spazieren und hatte auch ein Flair für die Musik, besonders die klangvollen Opern Richard Wagners liebte er. Die vielen Freundschaften wurden gemeinsam weiter betreut und überdauerten viele Jahre. Ihr Heim war für alle ein offenes Haus. Was die Streils geschaffen haben, darauf können sie stolz und die alten Modellflieger, die diese grandiose Entwicklung miterleben durften, dankbar sein. Die Streils waren eine Institution und eine blühende Quelle für die Zukunft des Modellbaues.


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