Zu Ehren der grossen Segelflugzeugbauer
Eine Holzkonstruktion oder aus CNC-gefräste Rumpfformen – beides sind Kunstwerke. Ohne die grossen Segelflugpioniere wäre vermutlich der Stand des Segelflugzeugbaus, des Segelflugsportes überhaupt, kaum da wo er heute steht. Wenn ausgemachte «Technokraten» nichts von diesen alten Zeiten wissen wollen, kann Neid vermutet werden, Arroganz auch.

Auf einem Hochplateau über unserem Dorf bewunderten wir die Gebrüder Fritz und Willy Fahrni mit ihren wunderschönen Sperrholzvögeln. Nach dem Schnurhochstart schwebten diese Modelle lautlos in der Abendthermik. Überall wo Modellflug stattfand, traf ich die beiden wieder. Während Fritz sich der personentragenden Luftfahrt zuwendete, blieb Willy – auch nach der Brevetierung als Segelflugpilot mit 18 Jahren – dem Modellflug treu. Er hat nicht nur zwei Modellfluggruppen gegründet, zahlreiche Wettbewerbe organisiert, sondern war auch engagiertes Vorstandsmitglied der Region 5 (heute NOS), wo er auch die Gründung der Zeitschrift «Modellflugsport» unterstützt hat. Ich habe durch ihn in der Verbandsarbeit sehr viel gelernt. →

Neben den Flugzeugschreinereiarbeiten gehören die unzähligen Kleinteile aus Holz und Metall zu den wohl aufwendigsten Reparaturarbeiten.

Willy Fahrni in seinem Element.
Modellflieger und «Manntragende» konnten sich gegenseitig beflügeln – eine Situation, die stark an das Baulokal der MG Zürich (vermutlich 1938 bis 1942 erinnert. Die jungen Modellflieger haben bei Willy garantiert einiges über Ordnung, Genauigkeit und Zuverlässigkeit auf den Weg mitbekommen (wäre eine eigene Geschichte wert: Thema «Vorbildpädagogik»). Später zog Willy in eine geräumigere Werkstatt in der Gewerbezone.

Wie überall wird Altes über Jahrzehnte lieblos in eine Ecke geworfen. Vielen Oldtimer-Segelflugzeugen ging’s nicht besser. In Ställen, Scheunen mit undichten Dächern und anderen feuchten Räumlichkeiten sind sie dem Zerfall ausgeliefert. Mäuse und Insekten leisten ihren verheerenden Beitrag. Wenn nicht eine Handvoll Liebhaber den grossen historischen Wert der Flugzeuge erkannt hätten und Restaurierungen vornehmen oder veranlassen konnten, wäre vermutlich kaum noch etwas übrig geblieben. In der Schweiz sollen sich noch rund 100 Holz-Segelflugzeuge befinden. Nachdem der letzte Fachexperte für Holzflugzeuge beim BAZL pensioniert wurde, ist von dort keine Unterstützung zu erwarten. Kurse für die Holz/Stoff-Lizenz wurden bis 2019 in der Schweiz durchgeführt. Willy hatte 2013 die Prüfung für die Flugzeugmechaniker Lizenz bestanden. Heute findet die Aus- und Weiterbildung hauptsächlich in Deutschland statt. Wer die wunderschönen Formen aus Schichtholz bewundert, wird bald draufkommen, dass Willy ein gelernter Modellschreiner (heute Formenbauer EFZ) ist. Seine Meisterwerke sind unter anderem auch Tiefziehformen für Segelflugzeug-Kabinen.
Dazu gehörten unter anderem eine K6E, und die aus England zurück geholte MOSWEY 4a, HB-522. Nach der Totalrevision mit über 4000 Arbeitsstunden – inklusive neu gebautem Anhänger – konnte sich die MOSWEY 20002 wieder in die Luft erheben.
Er habe sich an einem ganz tollen, unterstützenden Umfeld erfreuen dürfen: Eine mechanische Werkstatt, eine Schreinerei sowie immer wieder sehr engagierte, hilfsbereite Kollegen wie z. B. Erwin und Köbi. Ohne sie hätte er diese Projekte kaum geschafft, meinte Willy selbstkritisch. Das Ganze ist für ihn kein Geschäft. Sein Stundenlohn ist so angesetzt, dass er nichts drauflegen muss. Die Motivation für seine grossartige Schaffenskraft ist Begeisterung für Holzflugzeuge und die Leistung unserer Fluggpioniere. Die Aviatik braucht Idealisten wie dich, lieber Willy. Mit grossem Dank.
Fotos: Fahrni und Giezendanner
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