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Eine Erfolgsgeschichte soll weitergehen: Wie Miniature Aircraft USA nach Bayern kam

von Anton Laube
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Die aktuellen Modelle im Produktesortiment.



Im Modellflugsport 3/2023 habe ich den Whiplash Turbine, einen Turbinentrainer aus dem Hause Miniature Aircraft USA, vorgestellt. Nach diesem Bericht kamen zahlreiche Anfragen, wer denn diese Firma Miniature Aircraft USA sei. Aus diesem Anlass möchte ich in einer Art Biografie die Firmengeschichte kurz Revue passieren lassen, aber auch in die Zukunft der Firma schauen. Der Name X-Cell ist für viele Piloten, die das Hobby RC-Modellhubschrauber seit den 1990er-Jahren ausüben, ein bekannter Begriff. Durch die Erfolge von Curtis Youngblood oder Cliff Hiatt wurden die X-Cell-Modelle von Miniature Aircraft auch weltweit bekannt. Spulen wir nun mal zurück zum Anfang der Marke Miniature Aircraft USA.

1984 startete die Entwicklung des ersten eigenen Modellhelikopters unter dem Markennamen X-Cell, der den Grundstein für viele weitere Entwicklungen und Erfolge bildete. Die Entwickler legten von Anfang an grossen Wert auf Bausätze, bei denen nur qualitativ hochwertige Materialien verwendet werden.

Nach mehreren Prototypen gelang der Durchbruch im Jahre 1987 mit der Markteinführung der ersten beiden Modelle X-Cell 50 und X-Cell 60 und rief damit die bis heute in Produktion befindliche und überaus erfolgreiche X-Cell-Serien ins Leben. Bis in die Mitte der 1990er-Jahre waren die Modelle fast ausnahmslos auf dem nordamerikanischen Kontinent vertreten, nur wenige Baukästen fanden den Weg in die Hände europäischer RC-Piloten.

Durch die starke Entwicklung der Akkutechnologie zu Beginn des neuen Jahrtausends ging auch Miniature Aircraft USA den Schritt in Richtung Elektroantrieb und stellte im Jahr 2004 mit dem ION den ersten Elektro-Helikopter in ihrer Firmengeschichte vor.

Mit der Entwicklung der bis heute erfolgreichen Fury-Serie gelang der Sprung über den grossen Teich und viele europäische Händler entdeckten die Marke für sich.

Miniature Aircraft USA entwickelte sich mit den Jahren zu einem der grössten Modellhubschrauberproduzenten in den USA und pflegte ein breitgefächertes Vertriebsnetz in über dreissig Ländern. Allein in den USA wurden in den 90er-Jahren über 2000 Händler beliefert.

Auch in der Schweiz hatte es nach der Jahrtausendwende den einen oder anderen Importeur gegeben, aber leider war die Luft dann auch wieder schnell draussen.


Wie kam die Firma von den USA nach Bayern?

Im Jahre 2009 zog sich die Familie Schoonard aus familiären Gründen aus der Firma zurück und das Unternehmen wurde an die amerikanische Flyco Holding im Bundesstaat Montana verkauft. Dem Markenzeichen «made in USA» bleibt man treu und sämtliche Teile wurden auch in den USA produziert. Das dann im Besitz der Flyco Holding befindliche Unternehmen entwickelte daraufhin auch jene ersten Modelle, welche noch heute einen grossen Teil des Sortiments von Miniature Aircraft USA ausmachen.

Aufgrund des steigenden Wettbewerbsdrucks aus Fernost und fallender Preise im RC-Helikopter-Markt entschied sich Flyco Holding 2015, Miniature Aircraft USA zu verkaufen.

Mit dem deutschen Ehepaar Josef und Judith Schreiner, die den Wert von Miniature Aircraft USA nicht nur zu schätzen wussten, sondern sich auch die Firmenphilosophie als Ziel setzten, waren würdige Käufer gefunden. Firmensitz ist heute im oberbayerischen Gaissach nahe der Stadt Bad Tölz. 2016 wurden die neuen Geschäftsräume mit rund 300 m2 bezogen. Das erste Mal mit den X-Cell-Modellen in Berührung gekommen ist Josef Schreiner 1997 an der damaligen F3C-WM in der Türkei. Als F3C-Pilot lernte er die Qualitäten und die guten Schwebeflugeigenschaften der X-Cell-Mechaniken zu schätzen.

Von Anfang an war auch Inko Thim dabei. Er war schon damals vom breiten Leistungsspektrum der Modelle überzeugt. Thim führte als Generalimporteur die X-Cell-Modellpalette für den europäischen Raum sowie in seinem eigenen Modellbau-Fachgeschäft. Leider ist Thim zwischenzeitlich verstorben und auch sein Modellbaugeschäft aus diesem Grunde geschlossen.



Die Firmenphilosophie treu bleiben

Durch die robusten Mechaniken, die immer zu überzeugen wussten, war dies genau das Richtige für Piloten, um möglichst lange Spass am Modell zu haben. Also einfach «tanken, fliegen, tanken, fliegen». Die Entscheidung zur Übernahme von Miniature Aircraft USA entstand dabei nicht nur aus Liebe zum Hobby und zu der Marke X-Cell und aus technischem Interesse, sondern auch mit dem Ziel, in Zukunft das Hobby zum Beruf zu machen. Entsprechende Kenntnisse brachte Josef Schreiner nicht nur durch seine langjährigen Erfahrungen als aktiver Pilot mit ein, sondern auch aus seinem Studium. Zudem entstanden in frühen Jahren aus Josefs Feder Tuning-Teile für unterschiedliche Mechaniken und Hersteller, welche bis dato bei Inko Thim vertrieben wurden.

Es vergingen Monate, bis der Container mit den Teilen und Baugruppen aus den USA nach Deutschland transportiert war. Damit die Bausätze wettbewerbsfähig angeboten werden können, wurde ein internationales Zulieferernetzwerk aufgebaut. Die Teile für Fury, Whiplash und Co. werden heute in Europa, Asien, Deutschland und den USA gefertigt. Die Qualitätskontrolle und die Vormontage der Baugruppen bzw. auch das Zusammenstellen der Bausätze erfolgen wiederum im deutschen Gaissach. Am Konzept der Firmengründer im Hinblick auf das verarbeitete Material hält man fest: hochwertig und belastbar in allen Situationen!

Aufgrund der hohen Nachfrage sowie auch der persönlichen Leidenschaft für die alten Modelle aus dem Hause Miniature Aircraft USA begann die Familie Schreiner wieder mit der Produktion von bereits ausgelaufenen Ersatzteilen für ältere Modelle aus der Firmenhistorie. Dies führte über die letzten Jahre zu einem regelrechten «Vintage-Hype» in der Szene und veranlasste viele Piloten, ihre alten X-Cell- und Fury-Modelle wieder aus dem Keller zu holen und flugtauglich zu machen.

Durch kontinuierliche Weiterentwicklungen und Verbesserungen wurde Miniature Aircraft USA mit der Markteinführung der «Whiplash Turbine» im Sommer 2020 (vorgestellt in Modellflugsport 3/2023) zu einem der wenigen Hersteller am Markt, welche mit einer Modellfamilie sämtliche Antriebsarten abdecken (Nitro, Benzin, Elektro, Turbine).



Was ist seit 2018 passiert?

Die weltweite Verfügbarkeit der Ersatzteile wurde ausgebaut und optimiert. Das internationale Vertriebsnetz wurde und wird weiter stetig erweitert.

2020 wurde, wie bereits erwähnt, die Whiplash Turbine vorgestellt, der sich schnell zu einem sehr beliebten Turbinentrainer entwickelt hat. Die 700er-Grösse ist optimal, um nach Feierabend noch schnell ein paar Turbinenflüge zu machen, da der Heli startbereit in fast jeden Kofferraum passt. Es handelt sich hierbei nicht um einen Umbausatz, sondern die Helikoptermechanik wurde speziell für den Turbinenantrieb TS 45i von Turbine Solutions entwickelt. Im Sommer 2022 folgte dann eine Version für den Turbinenantrieb X45H von Xicoy.

Anfang des Jahres 2021 wurde die Fury 55 durch die neue Fury 57 ersetzt, die einen neuen Rotorkopf für grössere Anstellwinkel der Rotorblätter bekommen hat. Neben der Reduzierung des Gewichts wurde die Übersetzung für aktuelle Motoren wie O.S. 55 bzw. YS 60 angepasst.

Whiplash 730E und Whiplash Gasser wurden optimiert und für den Benziner werden nun einige Tuning-Teile angeboten, wie z.B. ein neues Kupplungssystem oder diverse Optionen für die heute alltäglichen starken Motoren.



Wie sieht es in der Schweiz aus?

2018 hat den Import swiss-scale-helikopter.ch übernommen. Durch die Reorganisation bei swiss-scale-helikopter.ch ist seit dem 1.11.2023 die Firma Modellflug Kompetenzcenter Schweiz GmbH in Notwil zuständig.


Weltpremiere 2023: «Interceptor»

An der RotorLife im März 2023 wurde der neue Interceptor aus dem Hause Miniature Aircraft USA vorgestellt. Der neue Interceptor ist der erste in Serie produzierte Modellhelikopter, der speziell für den O.S.-GT15HZ-II-Benzinmotor der zweiten Generation entwickelt wurde.


Ausblick 2024

Zurzeit ist man bei der Firma Modellflug Kompetenzcenter Schweiz GmbH dabei, in der Schweiz auch wieder Piloten in diversen Sparten mit den Modellen von Miniature Aircraft USA aus- oder umzurüsten. Ebenfalls werden ab der Saison 2024 die beiden Flugschulen von Flugschule Wicki und swiss-scale-helikopter.ch Modelle der Reihe Whiplash einsetzen, darunter auch einen Turbinentrainer.


*Bericht: Anton Laube*
*Bilder: Michael Peer,*
*Anton Laube*



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