Geschichte

Schweizer Meisterschaften RC-Segelflug-Hochstart (F3B) in Thun

von R. Schaub
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Vorzügliche Organisation – vorteilhaftes Gelände


Text: R. Schaub Bilder: P. Küng



Wie schon letztes Jahr führte die Modellfluggruppe Thun auf der Thuner Allmend die Schweizer Meisterschaften durch. Veranstalter und Gelände stellen eine äusserst glückliche Kombination dar. Die Organisation klappte derart vorzüglich, dass sie kaum mehr übertroffen werden kann. Das Fluggelände mit dem eindrucksvollen Alpenpanorama erlaubt Hochstarts in drei Himmelsrichtungen. Dies sollte sich als vorteilhaft erweisen, kamen doch die schwachen thermischen Winde an dem wunderbaren wolkenlosen Tag aus verschiedenen Richtungen. Ja, es scheint, als hätten die Thuner das Wetterglück für sich gepachtet.


Moderne Messvorrichtung

Die von der MG Interlaken gemietete Messvorrichtung vermag auch höchsten Ansprüchen gerecht zu werden und hatte einen massgeblichen Anteil am ruhigen Verlauf des Wettbewerbes. Da die für Distanz- und Geschwindigkeitsflüge verwendete Spiegelvisiereinrichtung in der Schweiz einmalig ist, dürfte eine etwas genauere Beschreibung sicher auf Interesse stossen. Anstelle der sonst üblichen Visierstangen mit gespannten Schnüren werden vier auf Betonsockeln fest verschraubte Spiegel verwendet, die ein Rechteck von 20×50 m bilden, was ein gleichzeitiges Fliegen von


Rangliste
1. Sieber Bruno, Mörsburg19211877200015867384
2. Gerber Peter, Thun16691960161918497097
3. Schenk Fredi, Wettingen19431882168214696976
4. Läderach Gerhard, Thun19481687122418296688
5. Stoll Hans, Bülach19471643156814796637
6. Binkert Ruedi, Wehntal17261000166619166308
7. Baumgartner Ruedi, Wettingen15981294129419776163
8. Haigis Ernst, St. Gallen15781373128517165952
9. Käufeler Peter, Wettingen8741908105916245465
10. Bertschi Heinrich, Frauenfeld187513109849675136
11. Hochuli Peter, Schöftland1288144979615135046
12. Scheidegger Fritz, Olten8281155143914374859
13. Lüscher Werner, Strengelbach1485786103415514856
14. Fornera Silvano, Molinazzo1088140616204394553
15. Hunziker René, Lutry1103146912286284428
16. Vogel Peter, Basel846900146311564365
17. Dellenbach Paul, Nidwalden147892811946174217
18. Kuster Heinz, Oberbaselbiet577100099014043971
19. Frühwirth Wolfgang, Oberbaselbiet7865866719372980

zwei Modellen erlaubt. Mit einstellbaren, absolut spielfreien Spitzenlagern sind die Spiegel rechtwinklig zur Flugachse schwenkbar, wodurch das Modell auch verfolgt werden kann, wenn es sich weiter weg vom Parcours befindet. Wie auf den Bildern 2 und 3 ersichtlich, projiziert ein halbkreisförmig gebogener Draht eine Linie auf den Spiegel. Der Bedienungsman muss so auf den Spiegel schauen, dass der Draht und



sein Spiegelbild deckungsgleich sind, und sobald das Modell diese Linie überfliegt, einen elektrischen Drücker betätigen, der ein akustisches Signal auslöst. Da für ein Spiegelpaar z.B. eine Hupe und für das andere eine Glocke verwendet wird, muss sich der Pilot nur auf sein Signal konzentrieren, um sofort wenden zu können. Damit werden die Missverständnisse und Kommunikationsverzögerungen vermieden.

den, wie sie beim üblichen Flaggenwart-Ruf-System bekannt sind. Der oben beschriebene Draht erlaubt übrigens ein derart genaues Ausrichten der Spiegel aufeinander, dass die Abweichung vom rechten Winkel in einer Höhe von 150 Metern nur wenige Zentimeter beträgt. Damit die Modelle auf den Spiegeln auch bei Regen gut sichtbar sind, werden diese mit tropfenbildenden Mitteln behandelt.

Beim Speedflug wird mit den Drückern automatisch eine elektronische Uhr in Bewegung gesetzt, wodurch die Zeiten auf eine Hundertstelssekunde genau gemessen werden können. Dass dabei die Reaktionszeit ein Vielfaches davon beträgt und bei der Beurteilung der Zeiten mitberücksichtigt werden muss, versteht sich.

Für die Längenmessung der Hochstartschnur wurde die nun von der AeCS-Fachkommission vorgeschriebene Vorrichtung verwendet, welche über jeden Zweifel erhabene Messungen erlaubt. Während jeder Disziplin wurde ein Konkurrent zur Kontrolle der Schnurlänge ausgelost, die direkt nach dem Hochstart erfolgte. Bis auf einen Fall mussten keine Disqualifikationen wegen zu langer Hochstartschnur ausgesprochen werden; die Lehren aus den letztjährigen Vorkommnissen wurden also gezogen. Nun aber zum Verlauf des Wettbewerbes selbst.


Verlauf der Meisterschaft

Es wurden vier Durchgänge in der Reihenfolge B+A / A+C / A+B und A+C ohne Streichresultat geflogen. Von den 20 startberechtigten Piloten (trotz Kontrolle durch die Regionalobmänner wurden 22 gemeldet) waren 19 beim Briefing anwesend.

Der Distanzflug wurde bekanntlich seit diesem Jahr auf maximal 12 Längen reduziert. Im ersten Durchgang schafften diese Strecke G. Läderach (MG Thun), R. Baumgartner (MG Wettingen) und E. Haigis (MG St. Gallen). Im Dauerflug bei noch schwacher Thermik konnte H. Bertschi (MG Frauenfeld) mit 356s und 90 Landepunkten den Tausender für sich buchen. Nach diesem

Durchgang führte G. Läderach mit einem Punkt vor H. Stoll (MG Bülach), dicht gefolgt von F. Schenk (MG Wettingen).

Im Dauerflug des zweiten Durchganges schwang H. Kuster (MG Oberbaselbiet) mit 360s und 90 Landepunkten obenauf. Aber auch die bisher vorne platzierten Konkurrenten verloren nur wenige Punkte auf ihn. Einzig der überlegene Sieger der Region 5 im Jahr 1978, R. Binkert (MG Wehntal), hatte Pech. Beim Hochstart riss der Silch und bei der Wiederholung brach das Modell aus und wurde dabei leicht beschädigt, so dass ein weiterer Start in der restlichen Zeit nicht mehr möglich war. Mit diesem Nuller konnte R. Binkert nicht mehr in die Entscheidung um den Meistertitel eingreifen, obwohl er im folgenden Geschwindigkeitsflug mit 13,2s 1000 Punkte seinem Konto gutschreiben konnte. In diesem Durchgang verlor aber auch der letztjährige Sieger, P. Gerber (MG Thun), mit seinem Drehflügelmodell nur 37 Punkte (13,7s) auf das Maximum. Er flog die Wende nicht wie die meisten Piloten im Messerflug, sondern mit halber Rolle und halbem Looping aus dem Rückenflug. Die Wettinger Teilnehmer P. Käufeler und F. Schenk flogen die nächstbesten Zeiten mit 14,0s und 14,2s. Nach Halbzeit führte somit F. Schenk vor B. Sieber (MG Mörsburg), G. Läderach und P. Gerber.

Der Dauerflug des dritten Durchganges ging mit 352s und 95 Landepunkten an B. Sieber. Dabei konnte er seinen aussergewöhnlichen Spürsinn für Thermik unter Beweis stellen, erreichten doch seine Kollegen in der gleichen Gruppe, die wie er in der Spitzengruppe rangierten, nur um 3 Minuten. Da er dann im Distanzflug auch unter den vier Piloten war, die 12 Längen flogen, brachte ihm dieser Durchgang das Maximum von 2000 Punkten ein. Damit



setzte er sich mit einem Vorsprung von beinahe 300 Punkten, den er bis am Schluss nicht mehr abgab, an die Spitze vor F. Schenk, P. Gerber und H. Stoll.

Im Dauerflug des letzten Durchganges hatte die dritte Startgruppe ungünstige Verhältnisse. Beeindruckend war der davon betroffene R. Binkert, wie er mit seinem schweren Modell mit einer Resthöhe von ca. 40 Metern fast 3 Minuten länger flog als seine Mitkonkurrenten der gleichen Gruppe. Dafür hatten es die Piloten der Startgruppen 4 und 5 um so leichter in der aufkommenden breitflächigen Abendthermik, und es erstaunt keineswegs, dass der Tausender während dieser Zeit von R. Baumgartner (MG Wettingen) mit 360s und 95 Landepunkten erflogen wurde. Da er auch im folgenden Speedflug gute 13,2s hinter R. Binkert (13,0s) erreichte, konnte er noch einige Ränge gutmachen.

F. Schenk kassierte in der unglücklichen dritten Startgruppe einen schlechten Dauerflug und musste in der Schlussrangliste den Platz mit P. Gerber abtauschen, der mit 370 von 400 möglichen Punkten am zuverlässigsten landete. Zweitbester in dieser Sparte war mit 330 Punkten P. Dellenbach (MG Nidwalden).


Einige technische Bemerkungen

Der neue Schweizer Meister Bruno Sieber von der MG Mörsburg (Winterthur) gewann vor allem wegen seinen konstanten Leistungen mit durchschnittlich über 900 Punkten pro Disziplin.

Die Hochstarttechnik wurde gegenüber dem letzten Jahr weiter verbessert. Die meisten Teilnehmer zogen direkt auf, oder mit Hilfe eines zweiten Mannes, der das Schnurende hielt und je nach Steigleistung des Modells stehenblieb oder nachrannte. Fehlstarts wurden relativ wenige beobachtet.

Erstaunlicherweise verwendete die Mehr-



zahl der Teilnehmer Modelle ohne Querruder und zum Teil sogar ohne Bremsklappen. Die Flächenbelastungen waren meist unter 30g/dm² und die Spannweiten um 2,8–3,2 Meter. Allerdings zeigten B. Sieber und R. Binkert, dass auch mit Flächenbelastungen um 40g/dm² sehr gute Leistungen erfliegen werden können und dass man diese Modelle auch bei praktisch Windstille direkt aufziehen kann.

Der Wettbewerb wurde hauptsächlich im Dauerflug entschieden, da offensichtlich das Thermiksuchen für viele Piloten seine Tücken hatte. Erst wenn es in der Schweiz einigen Spitzenleuten gelingen sollte, im Geschwindigkeitsflug Zeiten um 10 Sekunden zu fliegen, wie sie die österreichische Arbeitsgemeinschaft für Modellflug-Entwicklung vordemonstriert, wird diese Disziplin an Wichtigkeit gewinnen.


Schlussbetrachtung

Zum Schluss möchten wir der MG Thun mit dem Obmann H.P. Stähli und den über 50 vollamtlichen Helfern für die vorzügliche Organisationsarbeit herzlich danken. Auch die Frequenzkontrolle mit dem unermüdlichen W. Prantl hat die Notwendigkeit ihres Einsatzes bewiesen, als am anderen Platzende ein «Sonntagsflieger» seinem Hobby frönte und nur dank der Frequenzkontrolle bemerkt wurde.

Es ist zu hoffen, dass wir auch nächstes Jahr wieder die Gastfreundschaft der Thuner geniessen können.


Neue Nationalmannschaft F3B

Mit der am 24. September durchgeführten NM-Ausscheidung liegen drei für die Nominierung der neuen F3B-Nationalmannschaft erforderliche Wettbewerbe vor. Für die Selektion zählen nur die zwei besseren Resultate, der schlechteste Wettbewerb wird gestrichen. Bei Punktegleichheit entscheidet das bessere Streichresultat.

Die neue F3B-Nationalmannschaft setzt sich wie folgt zusammen:

Piloten

  • Peter Gerber, MG Thun
  • Ruedi Baumgartner, MG Wettingen
  • Fredy Schenk, MG Wettingen

Ersatzpilot

Peter Aeberli, MG Erlenbach

* Verzicht auf Teilnahme in Mannschaft

Pilot:SM 1977SM 1978Aussch. 78Punkte
Peter Gerber, Thun2019–39
Ruedi Baumgartner, Wettingen171936
Fredy Schenk, Wettingen181836
Rudolf Binkert*, Wehntal152035
Bruno Sieber*, Mörsburg1520–35
Gerhard Läderach*, Thun12171734
Hans Stoll*, Bülach–161632
Peter Disler*, Oberbaselbiet16–1531
Peter Aeberli, Erlenbach11–1829
Jost Galliker8–1422



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