Heisse Abgase
Ungebrochene Faszination für die Modellturbine
Für viele Modellpiloten ist es daher ein grosser Traum, irgendwann einmal einen Modell-Jet oder -Helikopter mit Turbine zu besitzen und dann auch zu fliegen. Vielfach wird aber dabei in der heutigen Zeit des Online-Handels die Unterstützung, Beratung und Hilfe durch geeignete und fachkompetente Helfer oder Verkäufer ein grosses Hindernis. Mit diesem Artikel und der darin erwähnten Veranstaltung vom 15. April zum Thema «Modellturbine» möchte ich Einsteigern, aber auch bereits Besitzern von Modellen mit Turbinenantrieb helfen, in diesem Thema wichtige Fragen zu klären, und auch bei bestehenden Problemen helfen. Es werden in diesem Bericht aber nur einige wenige Themen rudimentär angesprochen, mit welchen ich bei meinen Beratungen am meisten konfrontiert bin. Gezielte Themen werden in den weiteren Ausgaben folgen, aber auch bei Bedarf in weiteren Seminaren.
Ziel und Zweck dieses Artikels soll es sein, einen kleinen Überblick darüber zu geben, was als Einsteiger oder aber Umsteiger alles beachtet werden soll, wenn man sich mit der Turbinentechnik befassen möchte. Zum einen sind Triebwerke nicht nur viel teurer als Elektro- oder Benzinmotoren, sondern auch in der Handhabung gänzlich anders. Angst muss aber vor dieser Technik niemand haben, ist die Turbinentechnik doch in vielen Belangen wie Einstellen, Programmierung, etc. meistens einfacher oder fällt gänzlich weg. Objektiv betrachtet, ist es heute einfacher, eine Turbine zu betreiben als einen Benzin- oder Methanolmotor, da die ganzen zum Teil aufwendigen und immer wieder ändernden Einstellungen wegfallen. Sehr wichtig ist es aber für einen Turbineneinsteiger, von Anfang an einen geeigneten «Götti» in Form eines Vereinskollegen, eines versierten Händlers oder Turbinenherstellers zu haben. Mit diesem Bericht möchte ich auch nicht auf verschiedene Turbinentypen wie Strahltriebwerke, Ein- oder Zweiwellenturbinen eingehen, sondern der allgemeinen Information über Modellturbinen dienen. Auch wird das Thema Abgasrohr nicht Gegenstand dieses Berichtes sein, das dies in den meisten Fällen sehr modellspezifisch ist.

Der Modellpilot, welcher sich mit dem Wechsel zum Turbinenantrieb beschäftigt, hat meist unzählige Fragen. Je mehr da im Vorfeld in Erfahrung gebracht werden kann, umso kleiner sind dann später auch die Überraschungen. Als Erstes möchte ich die Anschaffungskosten thematisieren: Vielfach werden Triebwerke als sehr teuer abgetan. Hier sollte aber das Antriebskonzept als Ganzes angeschaut werden, was dann in vielen Fällen zu einem ganz anderen Bild führt. Da ich selbst dem Fliegen mit dem Modellhelikopter fröhlich, werde ich die Beispiele daran knüpfen. Dies ist aber dann auch meist auf die anderen Sparten anwendbar.
Bei der Elektroversion werden neben der Mechanik, die kaum einen Unterschied zur Turbinenversion macht, ein Motor mit Regler sowie die passenden Lipos für den Antrieb gebraucht. Will man später mehrere Flüge nacheinander auf dem Flugplatz machen, reicht dann ein Satz Akkus nicht. Um hier Abhilfe zu schaffen, ist eine entsprechende Lademöglichkeiten mit 220-Volt-Strom auf dem Flugplatz nötig, damit die Pausen nicht zu lange werden. Dabei kann es so ohne Weiteres sein, dass ab einer bestimmten Modellgrösse der Preisunterschied keine 1000 Franken mehr ausmacht.
Im Betrieb später kommen dann bei der Turbine Wartungskosten in Form von periodischen Wartungsarbeiten an der Turbine dazu. Bei den meisten Herstellern wird heute ein Wartungsintervall von 25 Betriebsstunden vorgeschrieben. Diese Wartungsarbeiten sind ein elementarer Bestandteil des Betriebes einer Modellturbine, was zum Erhalt und der Lebensdauer, aber auch zur Betriebssicherheit beiträgt. Vielfach bestehen diese Arbeiten nur aus dem Wechsel der beiden Lager und dem neu Auswuchten der Laufgarnitur. Es kann aber auch vorkommen, dass die Brennkammer Löcher hat oder die Eispritz-Sticks abgebrannt sind. Diese Kosten belaufen sich in etwa auf zwischen 500 bis 1500 Franken, aber danach ist die Turbine fast wieder neuwertig.

Bei der Kraftstoffwahl sollte auch sehr minuziös recherchiert und abgewogen werden. Sicherlich ist der meistverwendete Treibstoff das Kerosin, fachsprachlich auch Jet A1. Zwei Punkte sind aber hier ausschlaggebend und vor allem der zweite sollte sehr stark hinterfragt werden:
1. Kerosin ist auf vielen nationalen und regionalen Flugplätzen sowie Heliports auch als Privatperson meistens problemlos erhältlich. Aber aufgepasst, nicht alle Flugplätze führen Jet A1. Im Weiteren sollte aber auch nicht ein Lager angelegt werden, welches länger als ein halbes Jahr reicht. Bei der Lagerung zieht Kerosin, gelagert in Plastikkanistern, Wasser aus der Umgebung, zum anderen ist die Lagerung von entzündlichen Stoffen in grösseren Mengen auch nicht das, was einer im Haus oder der Wohnung haben will.
2. Ein aber meiner Meinung nach wesentlicher Faktor ist der Ort, an dem das Modell mit Turbinenantrieb gelagert werden muss. Jedes Modell hat eine gewisse Ausdünstung, welche bei der Lagerung in der Wohnung oder in Kellerräumen zu mässig bis starken Geruchsemissionen nach Diesel führen kann. Bei einer Aufbewahrung in der Garage oder einem abgeschlossenen separaten Raum, ist dieser Punkt unwesentlich, sollte aber sehr genau abgeklärt werden.
Dies ist einer der Gründe, wieso heute immer mehr Modellpiloten bei ihren turbinenbetriebenen Modellen auf Petrol zurückgreifen. Petrol ist geruchslos und zieht auch bei längerer Lagerung in Plastikkanistern fast kein Wasser. Im Weiteren ist es am einfachsten in 20 Liter Gebinden in jeder Landi, die haben ein grosses Filialnetz, zu bekommen. Ebenfalls ist die Reinheit sehr, sehr hoch.
Preislich ist im Moment auch kein grosser Unterschied zwischen Kerosin und Petrol.
Für die Betankung der Modelle empfiehlt es sich hier, auf fertige Tankstationen mit elektrischer Pumpe diverser Hersteller zurückzugreifen. Vielfach macht bei Eigenanfertigungen eine Pumpe, welche durch die Aggressivität des Treibstoffes undicht wird, nicht grossen Sinn. Dem Treibstoff wird 5% Turbinenöl beigemischt. Somit muss keine separater Schmierkreislauf in Betracht gezogen werden, da dieses Gemisch auch dazu gebraucht werden kann.

Neben den sicherheitstechnischen Themen wie einem gewissenhaften und sicheren Einbau der Turbine in das Modell und der regelmässigen Wartung gibt es auch beim Betrieb sehr viel zu beachten.
Vielfach belächelt wird aber auch der Feuerlöscher. Dieser ist aber die grösste Lebensversicherung des geliebten Modells, wenn es zu Problemen kommt und ein Feuer ausbricht. Hierbei ist zu beachten, dass nur CO2-Löscher zum Einsatz kommen. Pulver oder Schaum würde das Modell und die Elektronik zerstören. Wichtig ist auch, dass ein turbinenbetriebenes Modell nie allein in Betrieb genommen wird. Ein Helfer sollte immer dabei sein für Feuerlöscher, Hilfe und die Beobachtung des Umfeldes. Der Bereich des Abgasstrahls ist für den Piloten, den Helfer oder die Zuschauer aufgrund der heissen Abgase sicherlich nicht der ideale Ort, um sich aufzuhalten.
Bilder: JetCat und Anton Laube


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