Editorial

Spielen erlaubt – auch im Modellflug

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserinnen, liebe Leser

Vor sehr, sehr vielen Jahren soll ein Direktor des Aero Club (wohl spasses-halber) das Ressort Modellflug als «Spielwarenabteilung» bezeichnet haben, was eine Welle der Entrüstung ausgelöst habe. Als ich später diese Geschichte zu Ohren bekam, hatte ich logischerweise Verständnis für den «Aufstand der Kleinen»; denn damals gab es in meinem modellfliegerischen Weltbild eine klare Trennung zwischen Spiel- und Modellflugzeug, das nur ab und zu ins Wanken geriet, etwa wenn ich las, dass Neuheiten an einer Spielwarenmesse vorgestellt würden. Das reifere Alter verhalf mir dann zur weisen Ansicht, dass das Spiel oder die Spielerei eine durchaus bürgerliche und anerkannte Sache sei – denken wir nur an das Fussballspiel oder ein Spiel beim Jassen. Auf der anderen Seite fand ich die Bezeichnung «Spielzeug» für ein 400 km/h schnelles Jet-Modell oder ein in Tausenden von Stunden massstäblich nachgebautes Scale-Modell nicht so richtig zutreffend. In der Folge zerbrach mein oben zitiertes Welt-

bild, und Orientierungslosigkeit überkam mich. Da Sätze der Redaktoren von Verbandszeitschriften nicht selten mit der Lupe gelesen werden, schwieg ich mich lange Zeit zu diesem «hochpolitischen» Thema aus. Seit Kurzem hat nun die Miniaturisierung im Elektro-Modellflug vom kleinen Coaxial-Heli bis zum 150 g schweren Depron-Vogel eingesetzt und erfreut (uns) Kinder bis ins hohe Alter. Eine 60 g schwere Cessna kann direkt ab Ladentisch auf dem Modellflugplatz Einzug halten, ohne dass jemand sichtbar die Nase rümpft. Die meisten dieser Spielsachen – äh Elektromodelle – stammen aus China, und da wir normalerweise nicht dreinzubeissen pflegen – höchstens manchmal aus Verzweiflung –, spielt der Bleigehalt nicht einmal beim Gewicht eine Rolle (Entsorgung nicht inbegriffen). Ich meine, dass wir begonnen haben, mit der Grenze zwischen Spielzeug und Modellflug etwas lockerer umzugehen – wer will schon als rückständig gelten ... Nun, zur Politik: Unseren Modellflug-

vereinen und -verbänden muss es gelingen, sich diese neuen Trends – statt in starre (Wettbewerbs-)Formen zu pressen – für die Nachwuchsförderung zunutze zu machen. Ich denke an ein spielerisches Appetitanregen, an die Motivation, doch auch einmal selber ein Flugzeuglein zusammenzuschustern oder bloss zu reparieren, bis hin zum anspruchsvollen Modellflug. Ich bin überzeugt, dass wir so um die Zukunft des Modellflugs nicht bangen müssen, und wünsche euch, liebe Leserinnen und Leser, eine schöne Weihnachtszeit mit möglichst viel fliegerischem Spielzeug unter dem Christbaum und alles Gute zum neuen Jahr.

Euer Redaktor
Emil Ch. Giezendanner



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