Geschichte

RC-Kunstflug (F3A) Schweizer Meisterschaften 1977 der RC-Kunstflieger

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Fotos: F. Tapernoux

Die Schweizer Meisterschaften 1977 der RC-Kunstflieger fanden in Bulle (F3A-National) und in Hausen a/A (F3A-Elite) statt. Beide Organisatoren, die MG Bulle sowie die MG Affoltern a/A, konnten die Veranstaltungen gut vorbereitet und mit einem reibungslosen Ablauf präsentieren. Schweizer Meister wurden: Alex Meier, Wohlen, in der Kategorie F3A-National und Bruno Giezendanner, Pfäffikon (bereits zum elften Male), in der Elite.


F3A-National in Bulle

(Kleines Kunstflugprogramm)

Die Organisatoren der MG Bulle gaben sich alle Mühe. Was eindeutig fehlte, war die Erfahrung. Es wiederholte sich hier der häufige Fehler, dass der Posten des Wettbewerbsleiters mit dem der Jury verwechselt worden ist. Für Pilotenorientierung und Wettbewerbsablauf ist nach wie vor der Wettbewerbsleiter zuständig. Für Streitfälle, Unstimmigkeiten und Kontrolle von Modellen, Schalldämpfern usw. die Jury.

Das Wetter spielte leider auch dieser Meisterschaft und diesen Organisatoren und Konkurrenten übel mit. Ein leichter Nieselregen und ein grau verhangener Himmel präsentierten sich während des ganzen lan-

gen Tages. Finanziell für die organisierende Gruppe sicher ein grosser Verlust – vielleicht auch ein Vorteil, da das Problem mit den Parkplätzen so schon gross genug war.

Die leicht geneigte Rasenpiste gab im nassen Zustand den Piloten einige Probleme auf. Die meisten verzichteten darauf, gegen den Wind zu starten, und zogen den Mitwind-Start und die Mitwind-Landung einem «kleinen Bergpreis» vor. Einige Piloten hatten ihre Modelle auf Rasenstarts speziell präpariert und mit einem etwas grösseren Bugrad versehen. Damit wurde der Rollwiderstand reduziert und gleichzeitig dem Propeller mehr Bodenfreiheit gewährt. Während der Start mit dem Wind und abwärts in den meisten Fällen geglückt ist,


Rangliste
1. Meier A.Wohlen7135
2. Progin Ph.Bulle7010
3. Zubler Ch.Münchenb'see6895
4. Bosshard M.Pfäffikon6785
5. Lehmann M.Rothrist6455
6. Peyer H.Dietikon6420
7. Lustenberger H.Einsiedeln6320
8. Longo S.Neuchâtel6245
9. Hug G.Wil6135
10. Armet J.Dagmersellen6125
11. Wagner L.Basilisk6010
12. Fischer U.Schöftland5945
13. Senn H.-P.Wettingen5900
14. Spahr E.Bienne5625
15. Schäuble R.Allschwil5075
16. Ansermin M.Lugano4655
17. Oser W.Breitenbach4470
18. Gothuey J.-Cl.Lausanne3935
19. Corsenca P.Lausanne3650

sah das bei den Landungen anders aus. Landen mit Rückenwind auf einem abfallenden Gelände führte dazu, dass die Modelle mit grosser Geschwindigkeit aufsetzten, wo sie dann – dank Gras – relativ rasch zum Stehen kamen. Nicht nur die Piloten hatten mit diesen Tücken zu kämpfen, sondern auch die Punktrichter, da es oft recht schwierig zu beurteilen war, ob das Modell nun im 15-Meter-Kreis oder aber irgendwo ausserhalb aufgesetzt hatte. Ein solcher Fall betraf ausgerechnet den Lokalmatador Progin. Allerdings ist es dabei nicht, wie verschiedentlich gequatscht worden ist, um den Schweizer Meistertitel gegangen. Meier hätte auch gewonnen, wenn Progin eine Ziellandung absolviert hätte. Allgemein ist zu bemerken, dass auch in dieser Kunstflugkategorie nur innerhalb eines Jahres gewaltige Fortschritte erzielt worden sind. Die ersten fünf bis sieben Konkurrenten lagen recht dicht beieinander. Alex Meier, Wohlen AG, war zwar Favorit, da er ein Jahr vorher an der SM in Lodrino T1 knapper Zweiter hinter Rolf Hohl, Allschwil, geworden war. Favorit sein ist nicht einfach. Trotzdem hat Meier auch in Bulle sein Können bewiesen. Auch der junge Lokalmatador Progin ist als sehr talentiert zu bezeichnen. Was ihm eindeutig fehlt, ist die entsprechende Wettbewerbserfahrung. Als eigentliche Überraschung ist der vierte Platz des sechzehnjährigen Pfäffiker Nachwuchsflyers Mathias Bosshard zu werten. Interessant ist die Tatsache, dass bei vielen Piloten zwischendurch plötzlich einwandfreie Figuren zu sehen waren, wie ich sie nicht besser fliegen könnte, und darum herum ein undiszipliniertes Gegurke. Dies lässt darauf schliessen, dass viele Piloten dieser SM ein überdurchschnittliches Talent mitbringen, dass es ihnen aber oft an Selbstbeherrschung fehlt. Nur wenige schienen ihren starken Motor richtig im sehr kräftigen Motoren und hohen Ge-



schwindigkeiten sehr unruhig. In diesem Fall heisst die Devise: Dosieren! Die Kunst liegt auch hier oft in der Einschränkung. Hier besteht übrigens eine wichtige Arbeit der Punktrichter in ihren Regionen. Sie sollen «ihre» Piloten auf Weichheit und Sauberkeit, auf Genauigkeit und Beherrschtheit trainieren – was dem Sport weit mehr nützt, als die eigenen Piloten an den Schweizer Meisterschaften mit zu hohen Punktzahlen zu betrügen. Die Betreuung von Nachwuchspiloten sehe ich in einem ganz anderen Rahmen.


F3A-Elite in Hausen a/A

Bereits zum zweiten Male durften die Elite-Kunstflieger den wunderschönen SLS-Flugplatz Hausen a/A benutzen. Die MG Affoltern brachte somit bereits einiges an Erfahrung und Routine mit, wie sie für solche Anlässe unerlässlich sind. Probleme gab anfänglich die Auswertung auf, indem das von der RC-FAKO neu eingeführte Wertungssystem für das Auswertungszentrum ein Vielfaches an Arbeit mit sich brachte, da jedes Punktrichterblatt für sich ganz durchgerechnet und addiert wird. Rechnungsbüros müssen in Zukunft – dies zeigte die Erfahrung deutlich – mit mehr Personal besetzt werden. Da am zweiten Wettbewerbstag diese Konsequenz bereits gezogen worden ist, funktionierte auch diese wichtige Sparte einwandfrei. Die Punktzahlen wurden mittels TV-Kamera und Monitor vom Rechenbüro zum Startplatz übermittelt, was sich auf einem weitläufigen Flugplatz besonders bewährt. Die Frequenzüberwachung geschah mittels Spektrumanalyser, welcher vom unermüdlichen Dölf Schoch, Zug, zur Verfügung gestellt worden ist. Alles in allem gelang der MG Affoltern die Durchführung der SM nahezu per-



fekt. Dies natürlich nicht zuletzt, weil der Flugplatz mit seiner Piste, dem Rollweg, dem asphaltierten Hangarvorplatz, den benutzbaren Hangars, Büros, sanitären Anlagen usw. alle erdenklichen Bequemlichkeiten bietet. Die Witterung kann noch so schlecht sein, jeder behält trockene Füsse und beim Warten kann er sich samt Modell und Zubehör unter das schützende Dach des Hangars begeben. Dies kann man besonders schätzen, wenn man weiss, dass über 90% eines Wettbewerbs für den Pilo-

ten aus Warten besteht. Es wäre für die Motorflieger ein grosses Glück, wenn weitere Flugplätze in der Schweiz für solche Veranstaltungen benutzt werden dürften. Vergleicht man die SM 77 z. B. mit der Europameisterschaft 76 in Belgien objektiv, so muss man Hausen den Vorzug geben. Grössere Teilnehmerzahlen geben dem Veranstalter nicht proportional mehr Probleme auf. Was mit 10 Piloten funktioniert, läuft auch mit 60, sogar auf zwei Plätzen. Erstmals an einer Schweizer Meisterschaft


Zusammenstellung des Materials und Resultate der Lärmmessung
RangNameClubModellRC-AnlageMotorSchalldämpferdB(A)
1Giezendanner BrunoPfäffikonScorpion 2Pro LineSuper TigreSuper Tigre84*
2Schumacher RenéVispSilver-BirdSimpropWebraSuper Tigre84,9
3Matt NorbertLiechtensteinAtlasSimpropWebraSuper Tigre**
4Giezendanner EmilPfäffikonScorpion 2Pro LineSuper TigreSuper Tigre81,1
5Schaden FerdinandOltenCondor 76KraftWebraWebra85
6Schnyder KurtLuzernSkymasterGraupnerRossiRossi86,25
7Pfister HanspeterFrutigenSperberPro LineWebraWebra85,3
8Schnyder WernerMenzikenSkymasterSimpropRossiRossi85,4
9Progin PhilippeBulleOdysséeSimpropWebraSuper Tigre82,9
10Nünlist KurtGlattalPantherGraupnerSuper TigreWebra84,6
11Koeppel WalterWohlenSperberGraupnerRossiRossi85,2
12Meier AlexWohlenScorpion 2Pro LineSuper TigreSuper Tigre83,6
13Buschor TyroneDietikonSkymasterKraftWebraWebra83
14Zubler ChristophMünchenbuchseeSperberGraupnerWebraSuper Tigre82


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Rangliste
A. Hoffnungslauf
1. Meier Alex, Wohlen10765
2. Progin Philippe, Bulle10690
3. Zubler Christoph, Münchenb'see10390
4. Rebmann Roland, Oberbaselbiet10140
5. Hohl Rolf, Allschwil10140
6. Hug Christoph, Sulzer9330
Ränge 4 bis 6: Absteiger
B. Schweizer Meisterschaft
1. Giezendanner Bruno, Pfäffikon23540
Schweizer Meister 1977
2. Schumacher René, Visp21650
3. Matt Norbert, Liechtenstein20990
4. Giezendanner Emil, Pfäffikon20820
5. Schaden Ferdinand, Olten20175
6. Schnyder Kurt, Luzern19735
7. Pfister Hanspeter, Frutigen19355
8. Schnyder Werner, Menziken19040
9. Progin Philippe, Bulle18045
10. Nünlist Kurt, Glattal17930
11. Koepfel Walter, Wohlen17740
12. Meier Alex, Wohlen17525
13. Buschor Tyrone, Dietikon17460
14. Zubler Christoph, Münchenb'see17420
Ränge 12 bis 14: Hoffnungslauf 1978


wurden nach Vorschrift die Motoren auf ihre Lärmentwicklung überprüft. Die Messungen wurden von B. Haidn und M. Schmocker, MG Dietikon, durchgeführt. Eine erste Auswertung zeigte ein nicht gerade vorteilhaftes Bild unserer Kunstflug-Elite in bezug auf Lärmbekämpfung. Genau die Hälfte der Motoren (6 Stück) erfüllten die Bestimmungen, wonach der Durchschnitt aller Messresultate (gemessen wird in 8 Positionen auf eine Distanz von 10 Metern) 84 dB(A) nicht übersteigen darf. Das leiseste Modell [81,10 dB(A)] gehörte mir selbst, während das lärmigste [86,25

dB(A)] von Kurt Schnyder geflogen worden ist. Wenn man bedenkt, dass die Besten in allen Sportarten auch ihre Nacheiferer finden, sollte man dem Kunstflug in dieser Beziehung etwas genauer auf die Finger schauen und es sollte nicht mehr vorkommen, dass Konkurrenten, die gegen diese offiziellen Bestimmungen verstoßen, sich im Endeffekt vor solchen, welche die Bestimmungen einhalten, klassieren. Sonst werden Reglemente zur Farce und Wettbewerbe zum Freipass für alles Unerlaubte.

Emil Giezendanner



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