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Faszination Hangflug

von Peter Simon
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Respekt vor der Natur, Rücksicht auf andere Nutzer


Wer mit seinem Modellsegler vor toller Kulisse an einem Hang herumturt, ist begeistert, fühlt sich gut und frei. So soll es sein. Doch die Freiheit hat Grenzen. Rücksicht, Respekt und Toleranz sind unerlässlich, denn Modellflieger sind nie allein. Sie sind immer zusammen mit der Natur, oft mit andern Nutzern des gleichen Geländes, fast immer mit Kollegen.

Für viele ist der Hangflug die Königsdisziplin des Modellsegelns. Ob die Thermik oder den dynamischen Hangwind nutzend – es macht immer Spaß, mit viel Speed Höhe zu «vernichten» und dabei anspruchsvolle Kunstflugfiguren wie eine Vierzeitenrolle oder einen Rollenkreis zu präsentieren. Moderne Flügelprofile und aufwendige Bauweise nahe an der aerodynamischen Perfektion helfen dabei, sowohl die Geschwindigkeit lange zu halten als auch anschließend wieder zügig Höhe zu gewinnen. Doch Hangflieger sind nie allein. Dort, wo es super läuft, müssen sie das Gelände oft mit andern teilen – mit andern Modellfliegern, mit Bauern oder andern Nutzern wie etwa Gleitschirmpiloten. In jedem Fall treten Hangflieger in den Lebensraum von Flora und Fauna ein. Das kann seltene Pflanzen in Alpenwiesen betreffen wie auch Wildtiere oder Vögel. Wenn sich Hangflieger dort benehmen wie der Elefant im Porzellanladen, sind sie ungeliebte Gäste. So etwa am Creux du Van, wo Wildflieger heute gar gebüsst werden.


Verhaltensweisen und Kommunikation im Flugbetrieb

Die kleine und längst nicht vollständige Auslegeordnung zeigt



die vielfältigen Ansprüche an ein Hangfluggelände und die Hangflieger. Um sie unter einen Hut zu bringen, braucht es Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz. Für den Flugbetrieb reichen einige einfache Regeln aus. Sie sind eigentlich allen bekannt, werden aber nicht immer von allen befolgt:

  • Starts sind laut und deutlich anzusagen. Vor dem Start braucht es Gewissheit, dass der Flugraum dafür frei ist.
  • Landungen sind laut und deutlich anzusagen. Für den Landeanflug braucht es Gewissheit, dass der Lander Raum frei ist.
  • Wer am Fliegen ist, macht Platz für startende und landende Modelle.
  • Wer mit Fullspeed vor dem Hang vorbeibrettern oder ein Kunstflugprogramm absolvieren möchte, tut diese Absicht laut und deutlich kund.
  • Damit solche Kommunikation überhaupt möglich ist, sollen die Piloten nahe beisammenstehen, Reden und Zuhören sind unerlässlich, wenn man nicht alleine am Hang ist.
  • Keine Überflüge über Köpfe und Fahrzeuge.
  • Piloten stellen sich so auf, dass sie nicht in die Sonne blicken müssen.
  • Mit dem Modell nicht vor der Sonne fliegen.

Hangflieger treten in den Lebensraum von Flora und Fauna ein. Das verlangt Respekt und Rücksicht.



Respekt vor dem Gelände

Solche elementaren Verhaltensweisen im Flugbetrieb dienen der Sicherheit der Modelle und der Piloten. Die Verantwortung der Hangflugpiloten beginnt aber weit früher – schon mit dem Zutritt zum Fluggelände. Zwar ist in der Schweiz Modellfliegen (noch) grundsätzlich erlaubt, die Nutzung des Geländes hingegen ist eine ganz andere, zuweilen ziemlich verkorkste Geschichte. Um unnötige Reibereien zu vermeiden, sind einige Fragen zu klären:

  • Ist das Gelände mit dem Auto oder nur zu Fuss zu erreichen? Modellflieger sind keine Offroad-Abenteurer.
  • Wo sind die Autos sinnvollerweise abzustellen, um weder andere Fahrzeuge oder Passanten noch den Flugbetrieb zu beeinträchtigen?
  • Wer ist primärer Nutzer des Geländes? Eine Modellfluggruppe oder/und ein Bauer?
  • Wo kann man das Einverständnis erfragen, um auf dem Gelände zu fliegen?
  • Lässt der Zustand des Geländes überhaupt ein Betreten bzw. einen Modellflugbetrieb zu: Schnee, Matsch, hohes Gras?


Ordnung und Organisation auf dem Platz

Sollten für das Hangfliegen auf dem Gelände Gebühren fällig sein – an die ansässige Modellfluggruppe oder den Bauern –, ist die Bezahlung Ehrensache. Es gibt nichts Peinlicheres, als wenn Modellflugpiloten, die Tausende von Franken für Modelle und Fernsteuerungen ausgeben, sich um ein paar Franken für die Nutzung eines Geländes drücken wollen.

Sind diese Fragen geklärt, geht es um die Ordnung auf dem Platz. Ist es ein regelmässig genutztes Hangfluggelände, gilt es danach zu fragen; ist es nur gelegentlich genutzt, muss man sich vor Ort absprechen:

  • Wo werden Fahrzeuge parkiert?
  • Wo werden die Modelle aufgebaut?
  • Welches ist die Sicherheitszone?
  • Welches ist die Flugzone?
  • Wo stehen die Piloten?
  • Gibt es Überschneidungen von Zonen, die gleichzeitig am Boden und in der Luft genutzt werden?

Vor dem Start ist es auch sinnvoll, von Piloten, die mit dem Gelände vertraut sind, allfällige Flugregeln und Usancen sowie fliegerische Tipps zu erfragen. Umgekehrt sollten die Ortskundigen Neulinge darauf hinweisen. Gleiches gilt für die Absprachen mit andern Nutzern wie etwa Gleitschirmfliegern.


Rücksicht auf andere und die Natur

Herrscht in allen Punkten Klarheit und hat sich der Pilot von der Funktionstüchtigkeit seines Modells überzeugt, dann steht einem Start nichts mehr im Weg. Ist das Modell erst mal in der Luft, sind Rücksicht und Vorsicht angebracht:

  • Gegenüber brütenden Vögeln, die Alarm geben, wenn ihnen Modelle zu nahe kommen.
  • Gegenüber Pferden, die gerne erschrecken und scheuen, wenn Modelle in der Nähe vorbeifliegen.
  • Gegenüber Passanten, die sich in die Landezone begeben: Sie sind – freundlich – wegzuweisen.
  • Gegenüber dem Sonnenstand, der sich im Verlauf eines langen Flugs verändert und den Piloten bei der Landung beeinträchtigen kann.
  • Gegenüber andern Modellen und andern Flugobjekten: immer ausweichen!

Empfehlenswert für Flugtage am Hang sind zudem:

  • Sonnenhut
  • Sonnencrème
  • Sonnenbrille
  • Gute Schuhe
  • Trinkwasser

Sicherheit und Toleranz

All diese Hinweise und Ratschläge dienen dem Respekt vor der Natur und dem Fluggelände. Sie gewährleisten die grösstmögliche Sicherheit für die Piloten und ihre Modelle sowie Passanten. Sie sind Ausdruck von Rücksicht und Umsicht. Denn nur wenn wir uns als Modellflieger entsprechend verhalten, können wir von andern Toleranz und Akzeptanz für unser Hobby erwarten.

Vier Bemerkungen – eigentlich Selbstverständlichkeiten – noch zum Schluss:

  • Platzhirsche haben keine besonderen Ansprüche.
  • Wer ein Modell fliegt, kann trotz höchstem Können und aller Erfahrung Schaden anrichten. Eine entsprechende Versicherung ist unerlässlich.
  • Trotz höchstem Können, aller Erfahrung und Vorsicht kann es zu einem Zusammenstoss in der Luft kommen. Dabei zahlt jeder der Beteiligten seinen eigenen Schaden. Es gibt keine Haftungsregelung.
  • Ein Hangfluggelände ist keine Müllhalde. Abfälle sind zu Hause zu entsorgen.

Peter Simon und
Roland Schlumpf




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