Geschichte

RC-Segelflug (F3B-FAI) in Interlaken

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Nehmen wir das Erfreulichste gleich vorweg: Diese Meisterschaft hat bestätigt, dass es derzeit in der Schweiz eine recht grosse Zahl von RC-Segelpiloten gibt, die zu hervorragenden Leistungen fähig sind. Berücksichtigt man auch die ausgezeichneten Resultate, die im Ausland erzielt worden sind, so darf die Schweiz zu den führenden Nationen in dieser Modellflugsparte gezählt werden.


Bereits am Samstagvormittag besammelten sich die 19 Piloten mit ihren zahlreichen Helfern auf dem Fluggelände bei Interlaken. 9 FAI-Piloten waren aufgrund ihrer letztjährigen Leistungen qualifiziert. Dazu kamen 10 Piloten, die ihre Startberechtigung an der Schweizer Meisterschaft F3B-National herausgeflogen hatten. Zwei Piloten verzichteten auf den Start: Peter Aeberli wegen Aufgabe des Wettkampfsportes und Peter Vogel wegen eines Studienaufenthaltes in den USA. Aeberlis Verzicht wurde allgemein bedauert, denn seine Erfolge mit dem Wölbklappenmodell Piranha sind noch in bester Erinnerung. Die Ausgangslage war gleichwohl sehr spannend, da die beiden zur Zeit aktivsten F3B-Teams, Spartakus und IGF, erstmals zu einem Krätemessen antraten.

Der Föhn sorgte am Samstag für angenehmes Herbstwetter. Auf den Föhnzusammenbruch am Abend folgte dann am Sonntag eine Westwindlage mit Regenschauern. Dennoch waren, von den Wetterbedingungen her gesehen, während der ganzen Wettbewerbsdauer die Voraussetzungen für einen fairen Wettkampf gegeben. Auch die Wettbewerbsorganisation der MFG Interlaken, geleitet von Obmann Markus Günther, bewährte sich bestens. Es wurden vier Durchgänge nach dem FAI-Reglement mit den drei Disziplinen A (Dauer), B (Distanz) und C (Geschwindigkeit) absolviert.

Die spektakulärste der drei Disziplinen ist zweifellos der Geschwindigkeitsflug. Es wird oft behauptet, der Speedflug entspreche nicht dem Wesen der Segelmodellfliegerei. Wer die Flüge unserer besten Piloten genau verfolgt, ist bald vom Gegenteil überzeugt. Der Flugablauf ist harmonisch und elegant, denn jede überflüssige oder unausgewogene Steuerbewegung führt unweigerlich zu einem schlechteren Resultat.


Rangliste
1. Stephan MeierSignau11681
2. Hansruedi WägliG'h'stetten11645
3. Peter GerberG'h'stetten11408
4. Ruedi BinkertWehntal11286
5. Hansjörg WeberRothrist11248
6. Hans StollBülach11021
7. Heinz LüthiG'h'stetten10957
8. Markus BurkhardInterlaken10737
9. Gerhard LäderachThun10681
10. Walter TschumiInterlaken10561
11. R. BaumgartnerWettingen10556
12. Ruedi SchaubMörsburg10284
13. Stephan KollerBasel9632
14. Norbert SiegfriedWeinfelden9433
15. Peter KäufelerWettingen9380
16. B. HartmannWeinfelden9281
17. M. WaltenspülThal7211
18. Fredy SchenkWettingen4191
19. Bruno SieberMörsburg1858

Die Gewinner der F3B-FAI-Schweizer-Meisterschaft in Interlaken. V.l.n.r. Hansruedi Wägli, MG Grosshöchstetten (2. Rang); Stephan Meier, MG Signau (Schweizer Meister 1981); Peter Gerber, MG Grosshöchstetten (3. Rang).



Resultate

Natürlich gilt dies auch für die andern Disziplinen, nur sind die Folgen dort weniger augenfällig. Die Leistungssteigerung in dieser Flugaufgabe lässt sich leicht in Zahlen ausdrücken. Wurde vor einem Jahr in Lodrino ein einziger Flug unter 10 Sekunden gestoppt, so waren es in Interlaken bereits deren 11. Die Bestzeit erreichte Stephan Meier mit bravourösen 8,9 Sekunden. Die nächstbesten Zeiten waren 9,2 Sekunden von Hansruedi Wägli sowie 9,3 Sekunden von Peter Gerber und Hans Stoll. Der Mittelwert aus den 12 Speedflügen der 3 Medaillengewinner liegt bei 9,6 Sekunden, der Mittelwert aus sämtlichen Flügen bei 11,9 Sekunden.

Die Problematik des Distanzfluges nach dem jetzigen Reglement liegt darin, dass in rund 70% aller Flüge die geforderten 12 Längen absolviert wurden. Die 6 Piloten Binkert, Burkhard, Stoll, Tschumi, Wägli und Weber realisierten gar in allen 4 Distanzflügen die Maximalpunktzahl.

Die Disziplin A ist zu einem eigentlichen Präzisionsflug geworden, denn bei rund 60% der Flüge war die Abweichung von der Idealzeit (360 Sekunden) geringer als 15 Sekunden. Das beste Ergebnis in dieser Disziplin erzielte wiederum Stephan Meier, der insgesamt nur 23 Sekunden Zeitabweichung notierte und auch für seine schlechteste Landung noch 90 Punkte buchte. Nur wenig zurück liegen Ruedi Binkert, Geri Läderach und Hansruedi Weber.

Die Gesamtwertung wurde zu einem grossen Triumph für die Berner, denn sie stellten mit Meier, Wägli und Gerber nicht nur die drei Medaillengewinner, sondern konnten gleich 7 Mann in der ersten Hälfte der Rangliste platzieren. Die Gesamtwertung ist aber auch ein Erfolg für die Interessengemeinschaft F3B (IGF) aus der Region 2, denn 7 Piloten unter den ersten Zehn sind IGF-Mitglieder. Ebenfalls einen Platz in der ersten Ranglistenhälfte erflogen sich die drei Piloten des Spartakus-Teams. Sie zeigten alle drei vorzügliche Teilresultate, mussten aber auch schmerzliche Punktverluste hinnehmen, die sich sehr auf das Schlussergebnis auswirkten. Eindrucklich war die Aufholjagd von Ruedi Binkert, der sich nach einer verpassten Speedwende im ersten Durchgang immerhin bis auf den 4. Rang vorarbeiten konnte. Alle andern Teilnehmer an dieser Meisterschaft konnten nicht in den Kampf um die Spitze eingreifen, aber sie alle haben gesehen, wie man es machen muss. Im nächsten Jahr gibt es ja wieder eine Gelegenheit ...

Die Leistungssteigerungen in der Kategorie F3B beruhen im wesentlichen auf den drei folgenden Faktoren: leistungsfähigere Modelle, optimalere Flugführung durch den Piloten und bessere Hochstarttechnik. Das meistbewunderte Modell war dieses Jahr der «Jonathan» in verschiedenen Varianten. Der «Jonathan» ist eine Entwicklung von Peter Gerber und zeichnet sich vor allem durch eine Pendelquerruderanlenkung aus. Die Spannweite liegt bei 2,8 Meter. Die Flügeltiefe beträgt an der Wurzel 24,5 cm und an der Spitze 17 cm. Die Flächenbelastung liegt zwischen 36 und 42 g/dm2 (diese Angaben beziehen sich auf den «Jonathan» von Stephan Meier). Der Flügel ist konventionell gebaut, d. h. Schaumstoffkern mit Holzbeplankung. Der Rumpf besteht aus GFK-Laminat. Die Daten des «Spartakus», der ja auch an der WM eingesetzt wurde, sind im Modellflugsport bereits veröffentlicht worden (MFS 3/81). Ein sehr interessantes Modell, das dem Mini-Rumpfkoncept der berühmten «Allure» von Pagliano folgt, wurde von Ruedi Schaub geflogen. Die Flugeigenschaften sind allerdings für den Wettbewerbseinsatz noch nicht ganz befriedigend.

Die F3B-Elite-Meisterschaft war spannend, sportlich und gut organisiert. Was will man mehr?

Rolf Girsberger



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