Editorial

Die Last der Vielfalt

von Emil Ch. Giezendanner
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Die Last der Vielfalt

Liebe Leserin, lieber Leser

Wir leben heute in einer vielfältigen Welt. Oftmals übertrieben und unübersichtlich. Beim Einkaufen, zum Beispiel in einem Geschäft für technisches Zubehör, zwanzig verschiedene Steckdosen zu massiv verschiedenen Preisen. Ich fühle mich dabei ziemlich überfordert.

Blicken wir etwas kritisch in unser Vereins- und Verbandswesen, scheint die Vielfalt annähernd so gross und nicht gerade übersichtlich. Das hat einerseits mit einer sehr offenen und fairen Kommunikation zu tun und leider auch mit verbreiteter Unfähigkeit. Die Unterschiede könnten nicht grösser sein. Geradezu als «Modellbeispiel» können unsere Fachkommissionen herhalten. Ohne Namen zu nennen, finden wir da riesige Diskrepanzen. Während einzelne FAKOs regelmässig informieren – sei es im MFS, online oder beidem – finden wir gar nichts bei den andern. Ausnahmen

höchstens dann, wenn es über die eigenen Heldentaten zu berichten gilt. Ähnliches muss zu den Regionen gesagt werden. Behalten wir besser das gesamte Kommunikationsverhalten einer Kommission oder Region im Auge. Besteht z. B. eine gepflegte Homepage, ein Newsletter oder regelmässige Info-Mails? Ich weiss, schreiben ist mühsam – ohne WhatsApp oder Facebook & Co. noch mühsamer. Wir erleben, dass sich unser Informationsverhalten je länger, je mehr in die Social Media verschiebt. Ein bisschen am Handy «töggelen» oder den digitalen Daumen hochhalten, ist schnell und braucht wenig Hirn. Wir kommunizieren mit irgendwelchen Bild- und mehr oder weniger schlauen Videos. Ob sich darauf Freundschaft und Zusammenhalt bauen lässt, bezweifle ich. Viele Zeitgenossen werden das Schreiben und Lesen verlernen. An dieser Entwicklung ist vermutlich auch die Online-RS des VBS zu einem grossen Teil gescheitert.

Aus meiner Sicht gehört eine anständige Kommunikation zu den Aufgaben gewählter Gremien. Zahlende Mitglieder haben ein Recht, ordentlich informiert zu werden. Zugegeben, die grosse Vielfalt unseres Hobbys macht uns das nicht leicht. Findet jedoch diese Kommunikation nicht statt, müssen wir die Existenz solcher Organisationen hinterfragen. Auch inaktive Gremien verschlingen Mitgliedergelder ohne den geringsten Output. Die fast unendliche Vielfalt des Modellflugs und die grosse Freiheit für uns Modellfliegerinnen und Modellflieger erschweren eine kohärente Informationspolitik. Eine grosse Herausforderung für die Zukunft unserer Verbände! Denn der Wunsch, auch uns in den Griff zu bekommen, ist vermutlich ein «Naturgesetz» der öffentlichen Verwaltung. Ob das mit einer Registrierungspflicht zu machen ist, überlasse ich gerne eurer Beurteilung.

Freundliche Grüsse – und bleibt dran,
Emil Ch. Giezendanner


MFS-Meinungsvielfalt

Die auf dieser Seite durch den Redaktor – sowie andere Autoren dieses Heftes – zum Ausdruck gebrachten Meinungen decken sich nicht zwingend mit der Verbandsmeinung des SMV. Offizielle Verbandsmitteilungen findet der Leser in der Rubrik «SMV».



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