Concours Suisse 2022
Der FAI World Cup und Euro-tour-Wettbewerb in der Kategorie F5B fand auch dieses Jahr in der Schweiz statt – in San Vittore GR.
San Vittore liegt im Miso, einem der drei italienischsprachigen Täler des Kantons Graubünden, neben dem Puschlav und dem Bergell. Der gleichnamige Flugplatz wurde 1941 von der Luftwaffe in Sichtweite der Kantonsgrenze zum Tessin in der Talebene erstellt und war bis 1955 in Betrieb. Die Piste hat Ausrichtung 08/26, was für den Streckenflug in F5B ideal ist, da die Piloten die Sonne den ganzen Tag im Rücken haben und so nicht geblendet werden. Die steile Talwand im Norden bedeutete auch, dass der Streckenflug, zumindest die unteren Strecken, vor diesem Terrain-Hintergrund stattfand, was für einige Piloten aus flacheren Gegenden ungewohnt war. Umgekehrt versprach die Talwand gute Bedingungen für den Thermikflug dank der Erwärmung durch die Sonne. Dies zumindest die Theorie. Die angemeldeten Teilnehmer versprachen dem «International» in der Ausschreibung gerecht zu werden. Neben der kompletten Schweizer Truppe
nahmen Piloten aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Frankreich teil. Die meisten Teilnehmer reisten am Vorabend an, um noch ein paar Testflüge zu absolvieren. Allerdings machte hier das Wetter noch von seinem Mitspracherecht Gebrauch, als es diese Pläne mit einem abendlichen Gewitter verzögerte. Auch o.k., so blieb noch etwas Zeit zum Gespräch mit den auswärtigen Kollegen.
Am Samstagmorgen ging es dann los, die letzten Testflüge, und nach dem Briefing um 9.00 Uhr konnte der Wettbewerb pünktlich starten. Um vier Runden in einem Tag durchzuführen und somit ein Streichresultat zu ermöglichen, war ein gut getakteter Ablauf nötig. Da jeder Pilot auch mehreren anderen Piloten als Helfer die Zeit oder Strecke ansagt, muss- te auch die Startreihenfolge passen. Und dazwischen muss man auch dafür sorgen, dass das Modell für den nächsten Flug bereit, das heisst, Akkus geladen und vorgeheizt sind. Da wir uns schon dem Ende der Saison näherten, sah man jedoch nur noch wenig Änderungen an den Set-ups, die Piloten hatten ihre Antriebe gefunden und konzentrierten sich auf fliegerische Verbesserungen.
Die erste Runde sah gleich von Thomas wie Gerben rekordverdächtige 53 Strecken vorgelegt. Gefolgt von Marco mit 52, konnten auch alle anderen Schweizer Piloten bei besten «Tessiner» Bedingungen ihre persönlichen Bestmarken verbessern. Die 50 Strecken wurden gleich haufenweise überboten. Die Leistungen an der Spitze waren wie oft sehr dicht, in jeder Runde war die obere Hälfte der Teilnehmer innerhalb von 4% des Durchgangsbesten. Nach der Mittagspause, mit zunehmender Sonneneinstrahlung, sollte sich auch das alte Sprichwort bewahrheiten, dass,
wo Luft aufsteigt, sie auch wieder absinken muss. Exemplarisch dazu der dritte Flug von Thomas: Nach dem Streckenflug auf 350 m gestiegen, war diese Höhe innert 5 Minuten auf unter 100 m weggeschmolzen. Die verbleibenden Minuten über einer Baumreihe herumgekurvt, reichte es doch nicht mehr ganz und ein kurzer Schubser mit dem Motor liess das Energielimit überschossen und den Flug zum Streicher werden. Runde drei ging an Marco und die Entscheidung war somit auf die letzte Runde vertagt. Alle in der vorderen Hälfte platzierten Piloten hatten so ihr Streichresultat nach dem Mittag.
Am Ende resultierte ein einheimischer Doppelsieg mit Thomas vor Marco und Heiko. Seriensieger Gerben fiel für einmal aus den Podesträngen infolge zweier Absaufer nach dem Mittag. Neuzugang Flavio konnte mit seinem Avionik B10 in jeder Runde eine Strecke zulegen und macht sich nun daran, den Energieverbrauch zu optimieren.
Wir danken für einen tollen Wettbewerb unter routinierter Leitung von Emil Giezendanner und seinen Helfern, und speziell dem GE S.Vittore für die Gastfreundschaft und die vorzügliche Küche.
*Andreas Lang, August 2022*

Eigentlich würden wir jetzt gerne von unseren Heldentaten an der F5B-WM berichten (und vielleicht stolz unsere Medaillen herumzeigen ...), doch dazu ist es leider nicht gekommen. Aufgrund der politischen Situation haben schon früh die von weit herkommenden Nationen wie USA, Japan und Australien ihre Teilnahme abgesagt. Andere Nationen hatten auch Bedenken, konnten zum Teil auch keine komplette Mannschaft zusammenstellen und so weiter. Am Stichtag der definitiven Anmeldung waren es 3 Schweizer, 3 Holländer, 1 Tscheche und 2 Bulgaren ... So blieb der CIAM nichts anderes übrig, als die F5B WM2022 abzusagen ... Die letzte WM fand 2018 in Japan statt. Nach den COVID-bedingten Verschiebungen und Absagen findet nun wieder kein Wettbewerb auf höchstem Niveau statt. Schade, denn: Wir wären so was von bereit gewesen! Mit Thomas und Marco jeweils auf den Plätzen 1 und 2 in den World-Cup-Wettbewerben 2021 (Wittenwil) und 2022 (San Vittore), jeder einmal ganz oben auf dem Podium und den Plätzen 2 und 4 in der Eurotour-2022-Gesamtwertung hätte die Mannschaft schon einmal eine geballte Ladung an Routine und Schlagkraft. Als dritter Pilot musste Lucas, studienhalber auf dem Absprung in ein Auslandsjahr, seinen Platz zur Verfügung stellen. Seit seiner ersten F5B-WM als Juniorpilot und Teamstütze hat er den Sprung zu den Senioren problemlos geschafft und ist an den Schweizer Meisterschaften zu einem regelmässigen Medaillensammler geworden. Seinen Vater zu schlagen ist schon fast zur Mission geworden ... Mit seiner Absage hätte man vielleicht eine etwas schwächere Mannschaft erwarten können. Aber durch die COVID-bedingte Verzögerung konnte Remo Frattini, seines Zeichens 2-facher Weltmeister (2010 und 2014 für Italien), wieder für die Schweiz starten, da die 2 Jahre Wartefrist abgelaufen waren. Auf dem Papier hätte es also eine sehr erfolgreiche WM werden können. Hätte, wäre, wenn ...
Trotzdem blicken wir auf eine spannende F5B-Saison zurück. Die Rückkehr zur «Normalität» hat, wie in anderen Sparten, noch nicht vollständig stattgefunden. Der Saisonaufakt fand etwas ungewohnt spät mit der Schweizer Meisterschaft am 9. Juni statt. Die MG Breitenbach hat an dem sommerlichen Samstag nicht nur auf einen Tag zum Fliegen verzichtet, sondern auch die Helfer und die «Beiz» gestellt. Nach spannenden vier Durchgängen auf einer neuen Messanlage stand Thomas Wäckerlin wieder einmal zuoberst auf dem Podium. Mit kleinen Abständen folgte dann die «Familie Cantoni», wo die jugendliche Coolness über die Routine gesiegt hat. Auch Remo Frattini auf dem 4. Platz hat ein Zeichen der Bereitschaft für die damals noch geplante, WM geliefert. An den folgenden Eurotour-Wettbewerben in
Belgien, Deutschland, Österreich und der Schweiz waren dann auch die Schweizer Piloten immer wieder in den vordersten Positionen anzutreffen. «Nichts Neues», könnte man fast sagen ... Lag's vielleicht auch an der neuen Schweizer «Geheimwaffe», dem AL (Andy-Lang) Propeller ...? Wer weiss. An das Podium in San Vittore vom 6. August mit Thomas als Erstem (2-facher Eurotour Sieger in 2022) und Marco als Zweitem möchte man sich gerne gewöhnen. Eine spannende Saison also, mit tollen
sportlichen Resultaten. F5B ist, so spektakulär es auch aussieht, eine verhältnismässig unkomplizierte Kategorie. Einen vollständig ausgerüsteten Flieger mit genau den Komponenten, welche die Sieger 2022 einsetzen, kriegt man schon für weniger als einen Hightech F5J-Flieger. Zudem braucht es keine drei verschiedene Versionen (leicht, Standard, windy) um für alle Witterungsverhältnisse gerüstet zu sein ... Fertig geschwätzt, jetzt geht's wieder ans Trainieren.
*Marco Cantoni, FAKO F5*
Am Samstag F5B und am Sonntag F5J ist für den organisierenden Verein, Helfer/innen und Wettbewerbsleitung eine ganz ordentliche Herausforderung. Das Resultat darf sich sehen lassen. Hier wollen wir uns kurz dem F5J-Wettbewerb vom Sonntag widmen.
Die F5J-Elektroflug-Klasse mit den eleganten, grossen und leichten F5J-Segelmodellen ist der bisher wohl grösste Erfolg der FAI-Elektroflug-Wettbewerbsklassen. Die Teilnehmerzahlen bewiesen dies gleich ab den ersten Europa- und Weltmeisterschaften sowie den FAI-World-Cup-Anlässen. F5J gehört heute zu den RC-Kategorien mit den grössten Teilnehmerzahlen und ist äusserst beliebt bei den Junioren. Grosse Modelle waren schon immer attraktiv für Piloten und
Zuschauer. Die aus laminierten Kunststoffen hergestellten Modelle weisen Spannweiten bis maximal 4 m auf und bewegen sich gewichtsmässig zwischen 1 und 2 kg. Da an grossen Wettbewerben 15 und mehr Modelle gleichzeitig starten, sind F5J-Wettbewerbe sowohl für Konkurrenten als auch für Zuschauer attraktiv und spannend. Die eleganten Segler – big is beautiful – sind heute mit viel Zug unterwegs und können trotzdem vor dem Landen fast «stillstehen».
Abschliessend möchte ich dem Gruppo Elimodellisti San Vittore (GESV) für die super Platzorganisation, die ausgezeichnete Küche sowie natürlich die tadellose Wettbewerbshilfe der Vereinsmitglieder ganz herzlich danken. Wo gibt es das noch, dass Welt- und Europameister einen ganzen Tag am F5B-Visier sitzen und am zweiten Tag als Zeitnehmer amten? Und

das erst noch in einer selber nicht betriebenen Wettbewerbsklasse?
*Emil Giezendanner*
P.S.: Mehr zu F5J im Bericht über die Europameisterschaften in Ungarn im MFS 6-22.

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