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ASW 27 mit Klapptriebwerk

von Martin Steiner
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Vor rund fünf Jahren, nach ca. 20 Jahren «Abstinenz», fing ich wieder an mit dem Modellflug. Damals noch als «wilder» Segelpilot. So diente mir als Versuchskaninchen ein altes Segelmodell, in dem ich in der Schnauze einen E-Motor einbaute. Weitere Modelle folgten, und alle verfügten über einen eigenen E-Antrieb. Dies gewährte mir die gewünschte Unabhängigkeit zu jeder Tageszeit oder ob ein Schlepper auf dem Platz war (ja, denn mittlerweile trat ich der MG Hinwil bei), immer bereit für den Aufstieg in die Thermik.


Der Entscheid

Als gelernter Werkzeugmacher fasziniert mich alles, was mit Mechanik zu tun hat. Also kaum verwunderlich, dass mich das Thema Klapptriebwerk (KTW) am Segler nicht mehr losliess. Nach einigem Hin und Her mit Kauf oder Eigenbau machte mich Herr Wehrle (*www.flyware.de*) auf das KTW von Herrn Helmut Kratt (*www.pk-ohg.com*) in Spaichingen aufmerksam. Nach verschiedenen E-Mails und Telefonaten entschloss ich mich, dieses zu beschaffen. Am 4. Januar 2006 holte ich das KTW selber ab und erhielt weitere hilfreiche Tipps vom Erbauer. Zu Hause angekommen, liefen die Vorbereitungen für den Einbau bereits an. Das Modell, eine ASW 27-B von S2G hatte ich vor rund 1½ Jahren bei Ebay ersteigert und war baulich so weit gediehen, um diesen Einbau vorzunehmen. Das Einziehfahrwerk (EZFW) wurde bereits nach Angaben von FEMA weiter vorne eingebaut, um dem Nickmoment vorzubeugen.


Die Vorbereitung

Also los! Als erstes Klappenausschnitt definieren, aufzeichnen und ausschneiden.

Oops! Eine böse Überraschung! Beim ersten Probelauf musste ich feststellen, dass Theorie und Praxis zweierlei sind. Um dem KTW den anstossfreien Ausfahrweg zu gewähren, musste ich dieses 5 cm weiter nach hinten versetzen. Nun aber ... die zweite Überraschung! Das KTW fand in der Höhe des Rumpfes keinen Platz mehr und ragte in der endgültigen Position ca. 3 cm über den Rumpf hinaus.


Die Lösung:

ASW 27-B (B steht für Buckel!!!??). Also, aus Hartschaum Form erstellen und mit Balsa-streifen doppelt gewölbte Klappe herstellen. Scale-Piloten mögen mir doppelt vergeben:

1. Original ASW 27 gibt es nicht mit KTW und
2. der Buckel! Nicht Scale, aber es funktioniert.


Der Einbau

Spanten hinten und vorne definieren, Form mit Karton von aussen «abkupfern», aussägen und Passform schleifend einpassen. Alle nötigen Ausschnitte für die Aufnahme des KTWs einzeichnen und aussägen. Danach ersten Sitz testen und ggf. anpassen.



Der hintere Spant

Mein vorderer Spant ist oben offen, dadurch war der Rumpf oben etwas labil. Die Lösung fand ich in einem Hilfspant, welcher zwischen Spindel- und Antriebsmotor eingepasst und beidseits verschraubt wird.


Der vordere Spant

Längs in Klappenrichtung setze ich zur Verstärkung 10×10 mm Hartbalsaholzstreifen ein. Die ersten Ein- und Ausfahrmanöver machten mir Mut, denn bis auf ein paar kurze Feilenstösse passte alles. Die Spanten wurden mit Glasmatte abgestützt. Weitere Verstärkungen wurden nicht angebracht. Also Klappen einpassen und Scharniere anschlagen. Spachteln und schleifen. Fertig! Die Klappen wurden nebst den Winglets und Rumpfnase leuchtend rot lackiert. Das



Öffnen und schliessen der Klappe erledigen zwei 12er-Servos (Carson) mit kurzem Gestänge und Messing-Ösenschrauben in der Klappe. Die Servos sind mittels Hilfsspant direkt auf die Flügelsteckung geharzt und geben dem Rumpf dort noch etwas mehr Festigkeit. Bedingt durch den niederen Rumpf ist mein Ausschnitt grösser ausgefallen als sonst üblich. Dadurch ist die hintere Klappe, welche bei ausgefahrenem KTW offen bleibt, auch etwas länger. Diese hinteren Klappen werden durch Mitnehmer an den vorderen Klappen geöffnet und durch einen kleinen Gummi gegen das Seitenteil des KTWs gedrückt. Beim Wiedereinfahren drücken die vorderen Klappen die hinteren ca. 2 mm weg. So kann der Träger mit genügend Spiel im Rumpf verschwinden. So weit, so gut. Nun stand der erste Testlauf mit dem gesamten Antriebsstrang bevor. Herzklopfen pur! Unsere Waschküche diente, wie üblich, als «Testgelände». Zuerst mehrfaches Ein- und Ausfahren. Problemlos! Nun mit Strom! Welch eine Überraschung, alles funktionierte auf Anhieb!


Das «Testgelände»

Klappen auf, Träger raus, vordere Klappen zu, Regler scharf, sanft Anlauf bis 80% und nach 6 s hochregeln auf 100% (mein Puls auf 200%!!!). Schalter zurück, Abregelung Motor, Klappen auf, Träger einfahren, Klappen schliessen. Das ganze Prozedere wurde noch mehrmals pannenfrei durchgeführt. Es war vollbracht!

Nach kleinen Korrekturen an der KTW-Steuerung von Stephan Merz (*www.sm-modellbau.de*) und am Regler (Achtung, schwache Bremse nicht vergessen, sonst wird aus den Klappen Kleinholz!) passte die Einstellung.



Details zum KTW

für Modelle ab 4 m Spannweite

  • kompakte Bauform
  • kleine Klappenöffnung im Rumpf
  • 3-Blatt-Faltpropeller
  • Steuerungselektronik über 1 Kanal steuerbar

Kurz noch zum Antriebsstrang:
Motor:Flyware 650-F7
Regler:Jeti/Master 70-O-Flight
Akku:Lipo 4S4PTP-8000
Leistung:ca. 40 A bei 15 V
ca. 600 W

Erstflug

Dem Erstflug stand ausser dem Wetter nichts mehr im Weg. Wohlgemerkt: Auch die ASW war noch nie in der Luft! An einem Samstag im Mai 2006 war es dann so weit. Also Modell zusammenbauen, Rudercheck, Reichweitentest. Auch wenn es sicherer wäre, den Segler zuerst im F-Schlepp auf Höhe zu bringen ...? Sie ahnen es schon! Kein Schlepper da! Nur mein Kamerad Kurt Deger mit seinem E-Segler. Was solls! Die ASW 27-B wird zum Pistenanfang getragen. Letzter Rudercheck, Antrieb scharf machen und ausfahren. Kurt hielt mir das Modell so lange bis zum beherzten «Lass los!», und weg zieht sie. Ich gebe etwas Höhe, um das Kippmoment auszugleichen. Das Modell zieht schnurgerade weg. Zunächst vergass ich, mit etwas quer den Flieger in Längsrichtung zu stabilisieren. Nach dieser Korrektur und leichtem Ziehen hob sie ab und stieg wunderbar in die Höhe. Nach ein paar Wenden erreichte ich geschätzte 300 m. Dann erstes Einfahren im Flug. Aber war da nicht ein seltsames Geräusch? (Richtig! Ohne schwache Motorbremse im Regler zu programmieren, nagt der Zahn des Propellers an den Klappen.) Dieses Prozedere habe ich noch zweimal vollzogen, und alles verlief problemlos. Als Belohnung für den mutigen Erstflug fand ich sogar einen guten «Bart» und setzte nach ca. 30 Minuten Flug zur Landung an. Überrascht durch die enorme Wirkung der Bremsklappen fiel diese unter die Rubrik «hoffentlich hats keiner gesehen!». Gefedertes FEMA EZFW sei dank, dass es keinen Schaden gab. Erst jetzt bemerkte ich meine weichen Knie. Eine erste Begutachtung des Modells zeigte bis auf das «angeknabberte» vordere Klappenpaar keine Schäden auf. Dieses KTW von Helmut Kratt ist eine mechatronische Meisterleistung. An dieser Stelle auch meinen herzlichen Dank an ihn und seine professionelle Unterstützung während der Einbau- und Erstflugphase. Danke ebenfalls an Kurt Deger während des Erstfluges.



Fazit

Ich kann dieses KTW allen Interessierten wärmstens empfehlen! Der einfache Aufbau und der problemlose Einbau garantieren ein jahrelanges Vergnügen. Das Triebwerk kann ohne Probleme in verschiedenen Seglern eingesetzt werden. Der Wechsel kann in einer Stunde bewerkstelligt werden. *Martin Steiner*

Weitere Infos unter:
martin.steiner@lwt.ch



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