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Besuch bei Airbus in Hamburg

von Reto Minelli
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Eine faszinierende und gleichzeitig herausfordernde Sparte des Modellbaus ist der Nachbau von Verkehrsflugzeugen. Dabei lassen sich ambitionierte Modellbauer oft von den grossen Vorbildern bei Boeing oder Airbus inspirieren. In jahrelanger, akribischer Arbeit entstehen in mancher Modellwerkstatt eigentliche Aviatik-Juwelen. Eher selten bietet sich jedoch für den Modellbauer die Möglichkeit, Einblick in die Herstellung eines echten Airliners zu nehmen. Anlässlich meines Aufenthaltes in Hamburg habe ich die Gelegenheit genutzt, einen Blick in die Fertigung von Airbus in Finkenwerder zu werfen.

Airbus in Finkenwerder ist eine kleine Stadt für sich, in der regelmässig Werksführungen angeboten werden. Unter fachkundiger Leitung geht es 2½ Stunden lang über das riesige Werksgelände und durch die beeindruckenden Montagehal- len. Auf dem Gelände der im Jahre 1936 für den Bau von Wasserflugzeugen gegründeten «Hamburger Flugzeugbau» befinden sich heute drei Fertigungslinien für die Endmontage der Airbus-Typen A318, A319, A320 und A321. Zusätzlich übernehmen die Hamburger in einer speziell dafür gebauten Halle die komplette Kabinenausstattung und Lackierung sowie Endabnahme und Auslieferung des A380.


Logistische Herausforderung

In jeder modernen Fertigung ist man darauf angewiesen, dass die benötigten Teile und Baugruppen «just in time» an der Fertigungslinie verfügbar sind. Im Falle von Airbus ist dieser Prozess besonders beeindruckend, werden doch die einzelnen Komponenten an verschiedenen Airbus-Produktionsstandorten hergestellt und von dort per Lkw, Schiff und den markanten Beluga-Transportflugzeugen zu den



Endmontagegestätten transportiert. In Frankreich entstehen die Cockpitsektionen und der Vorderrumpf. Die Höhenruder werden in Spanien gefertigt, und aus England werden die Tragflächen angeliefert. Aus Stade in Deutschland kommen die Seitenruder, und in Hamburg werden verschiedene Rumpfsektionen gefertigt. Dabei entsteht in der Strukturmontage der A320-Familie in Hamburg zuerst ein Rohbau der einzelnen Rumpfsektionen. Danach wird dieser Rohbau Schritt für Schritt durch die ein-

zelnen Arbeitsplätze bis zur Endmontage geschleust. Als Besucher kann man dabei hautnah miterleben, wie die Riesenvögel entstehen.


Flugzeuge am Fliessband

Da bei Airbus aufgrund zahlreicher Fertigungsvarianten und unterschiedlicher Kundenforderungen kaum ein Rumpf dem anderen gleicht, mag der Ausdruck «Flugzeuge am Fliessband» für manchen Besucher etwas seltsam klingen. In Halle 8 der Airbus-Werke in Hamburg ist diese Art der Fertigung jedoch Realität. In der Vergangenheit mussten die Arbeitsteams ihre Werkzeuge und das Material zu den Rümpfen hinbewegen; mit dem Moving-Line-Line-Prinzip bewegen sich nun die Rumpfsektionen zu den einzelnen Montageteams. Die einzelnen Bauteile bewegen sich dabei mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Stunde im Uhrzeigersinn durch die Montagehalle, bis die Steuerungs-, Antriebs- und Passagiersysteme vollständig installiert sind. Dabei bleiben die Team-Arbeitsplätze an Ort und Stelle, was den Material- und Produktionsfluss wesentlich vereinfacht. Nach der Tragflächen- und Triebwerksmontage erfolgt der Rollout der flugfertigen Maschine. Diese wird durch erfahrene Testpiloten von Airbus über der Nordsee mit einer provisorischen Flugzeug-Immatrikulation auf Herz und Nieren eingeflogen und geprüft. All dies fügt sich



scheinbar nahtlos in den gesamten Produktionsprozess ein, sodass in Hamburg pro Tag ein fertiges Flugzeug das Werk verlässt.


Ohne Verzögerung in der Luft

Nach dem Auftragen der mehrschichtigen Endlackierung und erfolgter Abnahme durch den Besteller gehts mit dem in der Standardversion bis zu 100 Millionen US-$ kostenden Airbus der A320-Familie ohne Verzögerung in die Luft. «Time is money» – dies gilt in besonderem Masse für die unter massivem Konkurrenzdruck stehenden Fluggesellschaften. Nicht selten werden am Tag der Auslieferung mit dem neuen Vogel bereits die ersten kommerziellen Passagierflüge von einem internationalen Flughafen aus durchgeführt. Ohne ein voll funktionierendes und zuverlässiges Logistik-, Fertigungs- und Qualitätssicherungssystem wäre dies nicht möglich.


Eine Besichtigung, die sich lohnt

Bei der Airbus Werksführung in Hamburg erlebt man modernen Flugzeugbau quasi zum Anfassen. Hat man als Aviatik-Fan zudem wie ich das Glück, einen langjährigen, ehemaligen und kompetenten Airbus-Mitarbeiter als Werksführer zu haben, wird die Tour für 14 Euro zu einem interessanten und spannenden Erlebnis für jeden Aviatik-Fan. Werksführungen bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder werden exklusiv durch den Reiseveranstalter globe-tours.de angeboten. Dabei ist zu beachten dass man aufgrund der grossen Nachfrage und der Airbus-Sicherheitsbestimmungen ein paar Wochen im Voraus buchen sollte.

*Reto Minelli*



Eckdaten zu Airbus
HauptquartierToulouse, Frankreich
Besitzer100% EADS
FlugzeugwerkeToulouse, Hamburg, Tianjin (China)
Anzahl Zuliefererca. 1800 in 30 Ländern
Umsatz 2010ca. 30 Milliarden Euro
Angestellte52 500 weltweit
16 500 Hamburg-Finkenwerder


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