Von der Patrouille Suisse zum Modellflieger
Diesmal ging mal einer nicht den gewohnten Weg, sondern den umgekehrten. Dazu ist zu sagen, dass 20% unserer Modellfluggruppe die Flieger-RS in Payerne absolvierten, wir hatten schon immer eine enge Beziehung zur Militäraviatik. Sei es mit Alouette 3, Super Puma/Cougar, EC 635 oder Pilatus Porter. Bei den Schweren waren auch einige eingeteilt wie Venom, Hunter, Mirage, Tiger oder F/A-18. Die Armeeführung hat offenbar bemerkt, dass wenn man Modellflieger bei den Fliegertruppen einteilt, man sicher hochmotivierte Soldaten hat.
So staunten wir nicht schlecht, als vor drei Jahren bei uns ein gewisser Claudius Meier einen Antrag zum Beitritt stellte, seine Aufnahme in die Modellfluggruppe Riggisberg war natürlich nur Formsache. Er war zu der Zeit mit PC-7/21 und bereits auch mit der F/A-18, unterwegs. Gut ein Jahr später, also im Frühjahr 2018 wurde Claudius, Fliegername «Mac», in die Patrouille Suisse aufgenommen, ab sofort war er der Wingman 2. Beim Eröffnungsanlass in Emmen war der halbe Klub von uns mit dabei. Mit Argusaugen schauten wir auf die F5, vorne rechts, registrierten jeden noch so kleinen Schlenker oder gemeinten Schlenker. Wie nicht anders zu erwarten war, machte Mac seine Sache sehr gut.
Als Bub hatte Mac eigentlich nicht den Traum vom Fliegen in sich, nein, da wollte er eher Schreiner oder Richter werden und wenn das nicht klappt, halt Bundesrat. Vielleicht mal ein Besuch bei der Fliegerlegende Paul Böhlen in der Werkstatt, aber das war dann schon alles. Als Zuschauer an den legendären Helitreffen war er auch dabei und schaute sich das mal an, so langsam interessierte ihn die Fliegerei halt doch. Vor dem Gymnasium ging es dann zum Berufsberater, hier war plötzlich der Beruf des Linienpiloten ein Thema. Das Internet wurde nach Möglichkeiten durchkämmt und SPHAIR gefunden. Motorflugkurse mit einer Bravo (AS-202) auf dem Belpmoos folgten. Neben der Matur wurden verschiedene Selektionen durchlaufen, u.a. auf dem PC-7-Simulator.
Mac machte in der Zeit auch Militär... Man höre und staune, Mac war Leutnant bei den Panzertruppen in Thun. Piloten-Rekrutenschulen gab es zu der Zeit schon länger nicht mehr. Ja, ja, die Zeiten haben auch hier geändert. Übrigens sein Cheffluglehrer in Emmen ist auch ein begeisterter Modellflieger, so langsam packte es eben auch Mac.
Wenn er mal Ferien oder Zeit hatte, probierte er einen Modell-Heli aus, trainierte dazu, wie es heute viele machen, am Simulator. Versuchte sich auch als Impeller-Elektrojet-Pilot. Aber Achtung, interessant war vielleicht, sogar mal einen Flieger selbst zu bauen. Mac fand einen Laden der noch einen Charter-Bausatz hatte. Da klemmte er sich dahinter, machte sich schlau, wie das überhaupt gemacht wird. Diese oder jene Hürde wurde genommen, die Flügel wurden bespannt ohne grosse Verzüge. Uns hat er dazu nicht gebraucht, erst bei den Fragen der Motorisierung und des Propellers kam er auf uns zu. Der Charter wurde eingeflogen, man hatte das Gefühl, dass Mac schon ein bisschen stolz war. Wohlverstanden, zu der Zeit flog er schon mit einer F/A-18 über unsere Köpfe. Kleine Episode am Rand. An einem Samstag auf dem Platz, es wurde ein bisschen übertrieben, Mac war mit einem Panther-Elektroimpeller in der Luft, ich mit einer SR-71, die Flieger trafen sich und wir räumten auf...
Nun wieder zur Grossfliegerei. Mac absolvierte im Tessin die Selektion auf PC-7 und weiter auf PC-21, daneben lief das Studium Linienpilot. Der Schritt vom PC-7 auf den PC-21 sei grösser als nachher der Schritt auf den F/A-18, meinte Mac. Am Ende dieser Ausbildung standen die Brevetierung und die Einteilung in die Fliegerstaffel 18 in Payerne.
Das wurde natürlich auf unserem Platz gebührend gefeiert. Wie gut der PC-21 konzipiert ist, sieht man hier. Auf dem F/A-18-Doppelsitzer macht man vier Flüge, dann geht es mit dem Einsitzer in die Luft. Mac gehörte nun zum BFK, dem Berufsfliegerkorps; das UeG, Überwachungsgeschwader, gibt es so nicht mehr. Das Ende der Fahnenstange war offenbar aber noch nicht erreicht. Ein Jahr später wurde Mac in die Patrouille Suisse einberufen. Ja, hier wird man einberufen, nicht, wie es im Militärischen üblich ist, eingeteilt, befohlen. Die Piloten der bestehenden PS müssen da alle nicken mit dem Kopf. Da die Tätigkeit als Patrouille-Suisse-Pilot keine Vollzeitbeschäftigung ist, ist Mac Fluglehrer auf PC-7/21. Zeit für das Hobby bleibt nicht allzu viel. Die Flugbereitschaft der Luftwaffe wird ja Schritt für Schritt erhöht. Aktuell von morgens 6.00 bis abends 22.00 Uhr, ab 2020 rund um die Uhr. Die Zahl der Piloten wird hierfür nicht unbedingt mit erhöht. Also, die oft kritisierte Bürozeitbereitschaft ist Geschichte.
Ueli von Niederhäusern


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