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Zum Geburtstag der MG Zürich

von René A. Schnorf
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Die Modellfluggruppe Zürich eröffnete ihr 85-Jahr-Jubiläum mit dem traditionellen Freundschaftsfliegen, dem Flying Circus 2011, auf ihrem Modellflugplatz und feierte diesen Anlass mit den Nachbarn, Landbesitzern, Gemeindevertretern, Präsidenten der Ortsvereine und gestandenen Persönlichkeiten aus der Fliegerei.


Kollektives und einzelnes Bauen von Flugmodellen

Im Flugsportverein Zürich, welcher zwecks Studium und Förderung der Flugtechnik und des Gleitfluges seit 1918 bestand, trafen sich auch junge Menschen, die gemeinsam Modellflug betreiben wollten. Wenn sich ein Schüler für die Aviatik interessierte, befasste er sich zuerst mit dem Flugmodellbau und natürlich dem Modellflug gleichermassen, sinnierte aber meistens im stillen Kämmerlein. So kam es, dass am 9. November 1926 die heutige Modellfluggruppe Zürich gegründet wurde. Damals hiess sie «Flugzeug-Modell-Bau-Verein», kurz (FMBV) und ihre Ziele waren: «Kollektives und einzelnes Bauen von Flugmodellen, die Veranstaltung von theoretischen und prakti-schen Kursen, Veranstaltung von Wettbewerben, Exkursionen und Teilnahme an Flugmeetings, Segelfluglagern usw.» Im Gründungsjahr waren 20 Mitglieder eingeschrieben und es entwickelte sich eine rege Modellfliegertätigkeit unter den Sekundarschülern. Flugmodellbau bedeutete damals nicht, dass ein Originalflugzeug im verkleinerten Massstab möglichst detailgetreu nachgebaut wird, sondern dass Flugmodelle nach eigenen Ideen konstruiert und gebaut wurden, die dann auch flogen.


Mit dem Segelflug zusammengespannt

Mit dem Aufkommen der manntragenden Gleiter (Segelflugzeuge) verlor der Modellflug an Bedeutung. Nur einigen «Angefressenen» war es zu verdanken, dass der Zürcher Modellflug nicht ganz aufgegeben wurde. So kam es, dass ein kleiner Rest des FMBV mit den Segelfliegern zusammenspannte. Die Zürcher Modellflieger bekamen sogar im Baulokal Letten der Segelfluggruppe Zürich einen bescheidenen Platz zugewiesen, um die Flugmodelle gemeinsam bauen zu können. Dort wurden auch die ersten Flugmodellbaukurse durchgeführt. Der FMBV hatte sich so für die Popularisierung des Flugmodellbaus eingesetzt und in Tageszeitungen und bei Flugdemonstrationen geworben. Vom 28. Mai bis 18. Juli 1933 fand die erste Ausstellung über alle fliegerischen Disziplinen unter Beizug der aviatischen Gruppen, Gesellschaften und Amtsstellen in allen Räumen der Zürcher Tonhalle statt. Die Ausstellung trug den Titel «Der Flug». Es wurde an dieser Ausstellung die erste öffentliche Modellbauwerkstatt gezeigt. Teilgenommen an dieser Ausstellung hatte auch die am 25. März 1933 neu gegründete Sektion Zürich des Aero-Club der Schweiz, (heute «Aero-Club Zürich, Regionalverband des Aero-Club der Schweiz»). Diese Ausstellung wurde zum Meilenstein der Modellflugbewegung in der Schweiz. Der FMBV wurde an dieser Ausstellung von der Sektion Zürich aufgenommen. Die Zürcher Modellflieger formierten sich dann zur Untergruppe der Segelfluggruppe Zürich. Gleichzeitig löste man sich vom Namen FMBV und entschied sich für die Bezeichnung «Modellfluggruppe Zürich, gekürzt MGZ». «So entwickelte sich in sieben Jahren aus bescheidenen Anfängen dank der Initiative einiger Wenigen die Modellfluggruppe Zürich, die berufen wurde, eine führende und bahnbrechende Rolle der Bewegung zu spielen und ihr die entscheidenden Impulse zu geben.»1 In einem anderen Zusammenhang hiess es 1«Von diesem Tage an darf der Chronist einen ununterbrochenen Aufschwung des Zürcher Modellflugsports feststellen, der hinauf bis zu den bahnbrechenden Leistungen führte.»1


Modellflug wird international

Im Februar 1936 ernannte der Aero-Club der Schweiz Dr. Walter Dollfus zum offiziell anerkannten Modellflugobmann, welcher auch als neuer Obmann die Leitung der Modellfluggruppe Zürich übernahm. Auf Initiative dieses Zürcher Obmanns befasste sich die FAI (Fédération Aéronautique Internationale), das «sportfliegerische Weltparlament», dann erstmals mit dem Modellflug. Es wurden Normen und Bestimmungen festgesetzt. Und mit diesen Bestimmungen wurde der Modellflug als internationaler Luftsport anerkannt. Die MG Zürich führte mit ihrem Bauleiter Arnold Degen Modellfluglager, Modellflugtagungen, Wettbewerbe und Ausstellungen durch. Das grösste Ereignis war der Radio-Modellbaukurs. Degen führte die Hörer während fünf Lektionen über den Radiosender Bero münster in die Geheimnisse des Flugmodellbaus ein. 1939 wurden auch im Handarbeitsunterricht in den Sekundarschulen Flugmodelle gebaut. Die Stadt Zürich zeigte einen aktives Interesse am Modellflug der Zürcher und bewilligte ein Betrag von Fr. 3300 für den Versuch und die fakultative Durchführung eines Ferienkurses für Flugmodellbau in der Schule. Der Flugmodellbauplan «Shell I» wurde mit einer Auflage von 10 000 Exemplaren gedruckt und gratis an die Jugend abgegeben. Es folgten verschiedene nationale Veranstaltungen nach den FAI-Normen, bei denen die Zürcher Modellflieger federführend waren. Die MG Zürich bezog ein eigenes Baulokal im Zürcher Seefeld, welches zum Treffpunkt der am Flugsport und der Luftfahrt interessierten Zürcher Jugend wurde. Damit hatte die MG Zürich den Modellfluggedanken auf breiter Basis gefördert und in viele Volksschichten hineingetragen.


1)Tilgenkamp



1944 anerkannte die FAI den Flug vom Zürcher Traugott Haslach als Weltrekord und so brachte die MG Zürich den ersten Modellflugweltmeister hervor. Viele Jahre blieb die MGZ bei Wettbewerben in den vor-dersten Rängen.

... er brachte das Balsaholz
Willibald Streil war als 25-jähriger Modellbauer bei der Zürcher Modellfluggruppe eher scheu und als unauffälliger Typ bekannt. Er kam eines Tages mit einem Flugmodell auf den «Langen Zinggen» (heute An-flugschneise des Flughafen Kloten), das viel weiterflog als alle anderen. Alle staunten, wie leicht dieses Flugmodell war. Das Geheimnis war, dass Willibald es mit Balsaholz gebaut hatte. Somit hatte die MG Zürich auch noch einen Balsapionier, der später das Balsaholz Waggonweise in die Schweiz einführte. Warum dann dieses Flugmodell etwas später Salvia getauft wurde und warum der Name Salvia Geschichte schrieb, entnehmen Sie den Reminiszenzen aus der Feder von Werner Koelliker (Kö). Die Pionierzeit und die vielen Spitzenresultate an Wettbewerben der MG Zürich gibt es zwar nicht mehr, aber viele Ziele aus der Gründerzeit sind geblieben. So macht sie es sich weiterhin zur Pflicht, nebst der Teilnahme an Wettbewerben auch weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit zu pflegen und von Zeit zu Zeit mit Freunden einen grossen Modellfluganlass mit zeitgemässen Flugzeugmodellen durchzuführen sowie mit den Verbänden, Interessengemeinschaften, Vereinen, Gruppen und weiteren am Modellflug interessierten Kreisen zusammenzuarbeiten.

Veränderungen
Auch «kollektives Bauen» im Baulokal gibt es nicht mehr, aber «einzelnes Bauen von Flugmodellen» ist grundgedanklich geblieben, nämlich dass Mensch und Flugmodell eine bindende Einheit bilden. Allerdings sind neue Bewusst-


D Gschicht vomene bsundere Segelflugmodell

*Dr Willi Streil isch scho endi 40ger-Johr mit sine Kamerade vo dr Modell-baugruppe Züri a de Woche-Endi uf e «Langezingge» go die selber boute Flugmodell lo z flüüge. Dr «Langezingge» isch e grossi Allmend vom Mili-tär i dr Nöchi vo Oberglatt. Eigetlech no wit ewäg vo Züri, öppe 10 Kilome-ter. D Gruppe isch damals fasch jede Samschtig/Sunntig mitenand dört hee gange, um ihrem Hobby z fröhne. Die wenigste Modellflüüger händ damals es Auto gha, das het me zwar kameradschaftlich vollbsetzt, aber dr Rescht vo de Mitglieder isch mit dr Isebahn oder per Velo uf dä ideal Mo-dellflugplatz gfahre. S eigete Flugmodell het me sorgfältig under dr Arm gno oder im Rucksack oder uf eme Räf uf e Rügge gschnallt oder im Velo-Ahänger verpackt. Mängisch sind au d Fründinne und d Froue, Chind und Chegel, derbi gsi. I dr Pionierzyt vom Modellflüüge händ sich mängisch ganzi Familie troffe, kenne glernt und sich mitenand über jede glungene Flug gfreut. Kamerad- und Fründschafte sind für s ganze Läbe entstande. Mängisch isch au dr Willi Streil derbi gsi und einisch amene Sunntig het für ihn s Schicksal zuegschlage. Am e schöne Sommertag het irgend e Kamerad d Fründin mit ihrer neui Fründin uf e Flugplatz iglade und mitgno: es ufgschetlts jungs Oeschtrich-Meitli, d Christel Haberl us Göstling an der Ybbs. Im Willi isch sofort ufgfalle, dass das unbekannte Fröilein sich ganz fescht für die schön Umgebig, für d Natur, für Pflanze und vor allem für d Blueme interessiert, ja sogar, wie selte damals e Frau, e chli meh wot wüsse über die viele selber baschtlete, vor ihre am Bode liegende schöne Flugmodell. Dr Willi, gar nid als Draufgänger be-kannt, packt – als im «Unterbewusstsy kommender Modellbauhändler» – d Glägeheit bim Schopf und klärt das Meiteli über Sinn und Luscht vom Modellbaue und Modellflüüge uf. Als Gentleman het er natürli au öppis über die ufgschlosseni, netti Person welle wüsse. Sie verzellt ihm denn, woher sie chunnt, dass sie e Bruefslehr in Villach gmacht und verschiedeni Landwirtschaftsschule in Oeschtrich und Dütschland bsuecht het; mit Liib und Seel Gärtnerin worde isch. Vor churzer Zyt heb sie e Schtell i dr Grossgärtnerei Küderli in Dübendorf atrete. Das Gschpräch het em Willi gfalle und so tief beidruckt, dass er Muet gfasst het und dr Christel vorschloht, Modell-flüüge lo Modellflüüge zi und sie chönnte doch mitenand e chline Spaziergang mache über die grossi, grossi Wiese vom lange, lange «Langezingge». Zu siner grosse Freud het sie «freilich» gseit. Er nimmt sis Flugmodell vom Bode uf und sie spazieret schweigend, so ruhig als hätti si der Blitz troffe, über die mit Blueme gfüllti grüeni Matte, immer witer ewäg vom Flugplatz. Vo witem händs am Waldrand e grosse Bitz Land gseh mit unzählige wunderschön blau blühende Pflanze. Schnurstracks sind si dört here gloffe und dr Willi het endlich wieder sis Muul gfunde und frogt denn d Christel, es bizzeli verläge, was das für blaui Blüemli sind. Sie seit ihm s: es isch dr Wiesensalbei: d SALVIA! Derbi luege sie enand tüüf i d Auge, lang, länger und plötzlech het Beidi s Gfühl vo Liebi packt. Händli hebend, mit eme Schmützli uf Bagge, het denn e grossi, lang durendi Liebesgschicht agfange und das mitgnone Flugmodell isch zum einzige Züüge worde. Als Liebesbewies händ d Christel und dr Willi a dem Ort das ihne so viel Glück bringendi Flugmodell gemeinsam SALVIA tauft. D Liebi isch zum Vulkan worde! Ghürote händ sie am 2. Juni 1950.*

*Und wo das Ehepaar, e paar Johr später, ihres neue schöne Huus in Steinmaur händ lo baue, müend sie für s neue Heim kei Name sueche. Sie händ s glich agschriebe wie das jetzt no vorhandeni Flugmodell vom «Lange-zingge». D «SALVIA», s Original-Streil-Liebes-Flugmodell», isch jetzt es bizzeli reschtauriert worde, um s zum 85. Geburi vom Zürcher Modellflugverein de Mitglieder chönne präsentiere. D «SALVIA» wird in Zukunft zur Erinnerig ane schöni Zyt vo der MG Züri in Ehre ghalte.*

Kö Werner Koelliker



seins- und Identifikationsfor- men entstanden. Beispiele sind: Verantwortung, Individualität, Kreativität und Selbstinitiative. Aber auch Erfolgserlebnisse ge- hören dazu, wobei die aero- dynamisch-physikalisch-tech- nisch-handwerklichen Aspekte in der Modellfliegerei nach wie vor eine wesentliche Rolle spie- len. Durch den Funktionsmo- dellbau und die modernen Funkleitsysteme bekommt der Flugmodellbauer Werkzeuge in die Hand, mit denen er die Ver-

haltensweise des Flugmodells in der Luft, die aerodynamischen Eigenschaften in der Praxis und das Flugmodell unter Kontrolle studieren kann. Dadurch wer- den bezüglich Vielfältigkeit nicht nur neue Massstäbe gesetzt, sondern neue Dimensionen er- möglicht. Neue Materialien und im Handel erhältliche Halbfabri- kate erlauben es heute, ein Ori- ginalflugzeug im verkleinerten Massstab möglichst detailge- treu nachzubauen und vorbild- getreu zu fliegen.


Was bleibt – die Freude am Flugmodellbau

Der Zeitgeist fordert aber auch sein Attribut. Immer wieder zeigt sich, wie schnell, sozusa- gen über Nacht, Probleme auf- tauchen, welche die Modellflie- gerei in Frage stellen können. Gegner der Fliegerei hatten er- kannt, dass es in der Aviatik Sparten gibt, die leicht ver- wundbar sind. Es gehört des- halb zur Aufgabe der MG Zü- rich, dass sie mit dem Aero-Club der Schweiz, den ihr

angeschlossenen Verbänden und anderen Sparten der Leicht- und Sportfliegerei sowie den Behörden (Gemeinden und Kantone) eng zusammenarbeitet und immer wieder zeigt, dass sie bereit ist, einerseits alles daran zu setzen, um den Gegnern das Leben mit der Modellfliegerei so erträglich wie möglich zu machen, aber andererseits auch mithilft, Luftraum, Modellflugplätze, technische Einrichtungen usw. zu erhalten und den Modellflug als Teil der aviatischen Sportar-

ten zu betreiben. Auch wenn sich in den 85 Jahren technisch, materiell und organisatorisch vieles verändert hat, ist doch etwas gleich geblieben: Der Modellflug von damals ist der Modellflug von heute und wird auch der Modellflug von morgen sein, nämlich die Freude am Flugmodellbau, die Beobachtung des Fluges mit dem Element Luft und die Gestaltung einer anspruchsvollen Freizeitbeschäftigung.

*René A. Schnorf, Ehrenpräsident MGZ*




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