AstroFlight
Da an ganz verschiedenen Orten und von verschiedenen Personen mit Elektroantrieben für Flugzeuge und Flugmodelle experimentiert wurde, teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ist es nicht möglich, den Erfinder des Elektroflugs zu benennen. Hingegen können wir unschwer feststellen, dass sowohl in den USA wie auch in Europa praktisch zeitgleich – in diesem Fall in den frühen Siebzigerjahren – eine eigentliche Aufbruchstimmung mit Elektroantrieben in der Aviatik herrschte.
Gegründet wurde AstroFlight 1969 durch die Gebrüder Bob und Roland Boucher. Sie hatten sich schon früh mit der Herstellung des ferngesteuerten Segelmodells «Malibu» einen Namen – auch bei der AMA1 – gemacht. Bei seinem ersten Auftritt in San José wurde Bob Boucher gleich Dritter. Bereits ein Jahr später 1970 flog Bob einen Weltrekord für Segelmodelle im geschlossenen Kreis mit 304 km.

Die Einführung des elektrifizierten Motorseglers Fournier RF-4 1971 ist interessanterweise nahezu mit dem ersten Auftritt Fred Militkys in Doylestown, USA zusammengefallen. Mit diesem Modell sollen die Bouchers verschiedene Rekorde geflogen haben, so u. a. 47 km mit nur einer Batterieladung. Leider war zu dieser Zeit die Anerkennung von Elektroflug-Weltrekorden weder bei der AMA noch der FAI möglich.

1972 erhielt AstroFlight von Northrop Corporation den Auftrag, ein Beobachtungsflugzeug zu entwickeln. Die Konstruktion «Flying Wing» entstand in nur gerade sechs Monaten. Das Modell hatte eine Spannweite von ca. 2,5 m und war mit drei Astro-40-Ferrit-Motoren ausgerüstet. Leider wurden auch diese diversen Rekorde mit diesem nicht anerkannt.
Einen weiteren Auftrag erhielt AstroFlight 1974 von Lockheed für das erste mit Solarenergie angetriebene Modell «Sunrise». Der historische Erstflug fand im selben Jahr statt. Das Modell wies eine Spannweite von fast 10 m auf. Die mehr als 1000 Silizium-Zellen liefert eine Energie von 450 W. Die zwei AstroFlight-40-Ferritmotoren war mit Getrieben 6:1 ausgerüstet. «Sunrise» erreichte eine Höhe von über 6 km. 1995 geriet das Modell in einen Sturm und wurde zerstört. Die verbesserte «Sunrise II» war mit nur einem 40er-Motor angetrieben – allerdings war dieser mit Cobalt-Magneten versehen. Neue, nur noch rund 4500 Silizium-Zellen erzeugten eine Leistung von 600 W und liessen das Modell mit rund 90 m pro Minute steigen. Interessant, dass in Europa Helmut Bruss zur gleichen Zeit mit Solarmodellen experimentierte und 1976 Fred Militky mit seiner Solaris allerdings kürzere Flüge absolvierte.
1) AMA = Academy of Model Aeronautics: Homepage

40 Jahre vor Solar Impulse Vergleichen wir Wissensstand und technische Möglichkeiten von 1979 und heute, tun wir gut daran, etwas bescheidener zu werden. Der DuPont-Konzern finanzierte das Projekt eines manntragenden Solarflugzeugs des Physikers Paul MacCready. Es entstand der «Gossamer Penguin». Der 600-W-Solar-Panel lieferte die Energie wiederum für einen Cobalt- 40-Motor. Ein dreistufiges Getriebe wirkte auf einen Propeller mit 3,3 m Durchmesser. Die Propellerdrehzahl soll 120 rpm betragen haben und die des Motors 15000 rpm. Der Erfolg des «Penguin» hat DuPont ermutigt, ein weiteres Solarflugzeug bauen zu lassen, das den Ärmelkanal überqueren sollte, was 1981 mit dem in nur drei Monaten erbauten Nachfolgeflugzeug «Solar Challenger» denn auch gelungen ist. Der 2,6-kW-Motor war speziell von Robert Boucher entwickelt worden.
Auf Modellflug konzentriert Heute rüstet AstroFlight weiterhin Modellbauer mit Elektromotoren und Zubehör aus. Sie beliefert auch die Industrie mit Brushless Motoren. Der Astro 300 mit 10 PS kam auch in einem GM-Elektrorennwagen zum Einsatz.
Literatur und Fotos: astroflight.com, Bob Boucher 1974: Sunrise I at 3000 feet above Fort Irwin, California. Don Monroe 1981: Solar Challenger.


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