Imposanter Bell-429-Nachbau

Beim Bell 429 handelt es sich um einen achtsitzigen, mit zwei Turbinen bestückten Helikopter des US-amerikanischen Herstellers Bell Helicopter. Der Nachbau des Modells wird von Alterbaum Premium-Helicopter im niedersächsischen Dötlingen realisiert. Mit einem Rotordurchmesser von 2,5 Metern ein imposantes Modell – am Boden wie auch in der Luft. Die Modelle von Alterbaum können in verschiedenen Fertigungsgraden bezogen werden: vom Bausatz bis zum Ready to Fly und in der Wunschlackierung des Kunden.
Der Erstflug des Bell 429 fand am 27. Februar 2007 statt. Die Zulassung durch die kanadische Luftfahrtbehörde TCCA erfolgte am 1. Juli 2009 und bereits am 23. September 2009 erteilte die EASA die Zulassung nach CS-27. Gefertigt wird der Bell 429 im kanadischen Mirabel. Im November 2005 hatte Bell Helicopter bereits 136 Bestellungen vorliegen und bis Februar 2008 war die Zahl auf über 260 angewachsen. Der Stückpreis lag zwischen fünf und sechs Millionen US-Dollar. Anfang 2013 wurde der Bell 429WLG vorgestellt, eine Weiterentwicklung mit einziehbarem Fahrwerk und erhöhter Flugleistung. Die Weiterentwicklung beruht auf dem Bell 427, verfügt jedoch über eine grössere Kabine mit flachem Boden und eine Avionik, die Instrumentenflug mit nur einem Piloten zulässt, sowie über einen Vierblatt-Hauptrotor mit variabler Drehzahl. Optional ist eine Heckklappe für den Patiententransport erhältlich. Als Antrieb dienen zwei Wellenturbinen des Typs Pratt & Whitney Canada PW207D1 mit Faded.
Das Vorbild für das Modell steht bei Héli Alps SA in Sion (Schweiz) im Einsatz. Der fabrikneue Bell 429 mit der Immatrikulation HB-ZAP wurde am 22. April 2014 ins Schweizer Luftfahrzeugregister eingetragen und wird europaweit mehrheitlich für VIP-, Geschäfts- und Taxiflüge eingesetzt. Besitzer ist ein französischer Geschäftsmann. Die Maschine
wird vom Operator Héli Alps SA betrieben. Per 1. Juli 2018 ging der Bell 429 in das Eigentum der Héli Alps SA Sion über.
Alterbaum Premium-Helicopter ist eine im Jahr 2008 von Josef Alterbaum gegründete Firma, die sich mit dem Bau von qualitativ hochwertigen Helikoptermodellen beschäftigt.
Seine Modellbau- und Flugerfahrungen reichen bis in die 50er-Jahre zurück. Aber erst im Jahr 2008 entschied sich Josef Alterbaum, nicht mehr nur die verschiedenen am Markt erhältlichen Helikoptermodelle zu sammeln und zu fliegen, sondern diese auch selber zu entwickeln und damit ins Modellbaugeschäft einzusteigen.
...sagte sich der in anderen Bereichen bereits erfolgreiche Unternehmer und begann mit der Produktion von Premium-Helicopters, die in dieser Form bis dato noch nicht am Markt erhältlich waren. Mit einem befreundeten Modellbau-Enthusiasten wurden in 15-monatiger Entwicklungs- und Bauphase vier Varianten der «Super-Cobra» konstruiert und hergestellt.
Die «neuen» Modelle werden nicht wie viele andere Modelle in Massenproduktion gefertigt, sondern in präziser Einzelanfertigung. Mit besonders hochwertigem Material und bester Technik wird somit das Flugverhalten der Modelle optimiert.

Seit Mitte 2010 ist es so weit: Die ersten Modelle, die das Prädikat «Premium-Helicopter» verdient haben, sind fertiggestellt, in der Luft getestet und für sehr gut befunden worden.
Nach der Super Cobra in verschiedenen Varianten folgte 2011 das Modell des Apache AH 64 D Longbow und 2012 der RAH 66 Comanche. Der Bell 429, die 2013 folgte, war der erste nicht militärische Modellhelikopter von Alterbaum. In den darauffolgenden Jahren folgten noch Modelle des Sikorsky X2 und der Eurocopter X3. All diese Modelle haben jeweils einen Rotordurchmesser von 2,5 Meter. Weiter in der Modellpalette sind noch der Bell UH-1 mit 2,7 Meter, die Super Cobra AH 1-W mit 2,8 Meter und die EC145 mit 3,37 Meter Rotordurchmesser.
Das Modell des Bell 429 ist, wie alle anderen Modelle von Premium-Helicopter Alterbaum, als Bausatz, rohbaufertig oder flugfertig mit oder ohne Lackierung erhältlich. Beim hier beschriebenen Modell hat sich der Eigentümer für die Variante Bausatz entschieden, zum Teil waren aber einige Sachen schon vormontiert.
Der 22-teilige GFK/CFK-Rumpf ist im Vakuumverfahren hergestellt und wiegt nur knappe 1,2 Kilogramm (ohne Landegestell), dies ohne den Spantensatz. An allen wichtigen Orten sind zur Verstärkung aus Kohlefaser Rohwings und/oder Aramid-Band eingearbeitet. Auf dem Rumpf sind bereits Details wie Nieten, Blechstösse oder Revisionsdeckel aufgebracht. Für Fenster, Türen und funktionelle Revisions- oder Gepäcktüren sind saubere Schnittlinien angebracht. Sogenannte Wulste umsäumen diese Ausschnitte als Verstärkung. Mit diesen Hilfen kann alles ohne grosse Hirnarbeit ausgefräst werden.
Der mehrteilige Spantensatz ist CNC-geschnitten. Die Passgenauigkeit ist enorm hoch, sodass fast gar keine Einpassarbeiten vorgenommen werden mussten. Ebenfalls sehr hilfreich ist das Stecksystem des Spantensatzes. Damit ist die Position im Rumpf gegeben und muss nur noch nach dem genauen Ausrichten eingeheizt werden. Auch die Spanten für die Steckung des demontierbaren Heckauslegers sowie für die Aufnahme des Heckrotors passen ohne grosse Nacharbeit. Für den Rohbau waren dank dieser ge-
nauen Baugruppen und der angebrachten Markierungen am und im Rumpf lediglich zehn Arbeitsstunden nötig.
Die Mechanik vom Typ Phyton wurde durch die Firma CAD Jung konstruiert. Die Fertigung und Montage wird aber durch Premium-Helicopter Alterbaum gemacht. Die Phyton-Mechanik war bereits montiert und die Turbine Jakadofsky Pro 6000 angeflanscht. Ebenfalls bereits vormontiert waren die vier Tau- melscheibenservos vom Typ Futaba BLS 172 HV.
Nach dem genauen Ausmessen und Platzieren der Mechanik auf dem Unterbau, in welchem der 5-Liter-Tank integriert ist, konnten die Einschlagmuttern in der Podestplatte montiert werden. Zusätzlich wird die Mechanik noch am oberen Ringspant abgestützt. Das bereits vorgefertigte und montagefertige Abgasrohr muss nur noch an der Turbine mit einer Schelle festgeschraubt werden. Der dem Rumpf beiliegende Spantensatz für die Aufnahme des Heckservos Futaba BLS 172 HV und des Heckrotors im Heckausleger ist bereits so zusammengeklebt, dass er nur noch an der entsprechenden

Stelle eingeharzten werden muss. Das Alurohr, welches zur Aufnahme der 8-mm-Flexwelle für den Heckantrieb dient, ist bereits genau passend im Bausatz mit dabei. Wenn die Flexwelle in der Länge angepasst ist, wird das Heckrohr nur noch mit den Spanten verklebt. Der Heckausleger wird mit einer M12-Inbusschraube am Rumpf gesichert. Die 4-Kant-Kupplung greift auf der Mechanikseite in eine Schnellkupplung. Ein An- und Abbau ist somit ohne viel Werkzeuge möglich und 100% sicher.
Speziell hat Alterbaum für den Bell 429 einen neuen Heckrotor entwickelt. Er besteht aus zwei Zweiblatt-Rotoren, die in einem Winkel von 55° versetzt schwingend übereinander auf der Heckrotorwelle angeordnet sind. Beim Vorbild dient dies der Geräuschkinderung.
Die beiden Pilotentüren sowie die beiden Passagiertüren passen ohne grosse zusätzliche Einpassarbeiten in die dazugehörenden Öffnungen. Extra starke Magnete halten die Türen zu. Die beiden Führungsschienen auf jeder Seite für die Schiebetüren werden an fest vorgegebenen Positionen eingebaut und zusätzlich verklebt. Die Führungen an den Schiebetüren werden verklebt. Diverse Servicetüren sind funktionell und die passenden Türen sind schnell am richtigen Ort montiert.
Viele Scale-Teile, wie Kabelkapper, Antennen oder Einstieghilfen, liegen dem Rumpfbausatz bei. Eine Bilderlegende hilft, das entsprechende Zubehör am Rumpf richtig zu positionieren. Vor den Lackierarbeiten wurden noch einige der von den Schleifarbeiten fehlende Nieten wieder angebracht.
Nach den etwas aufwendigeren Lackierarbeiten, welche von einem auf Modelle spezialisierten Autolackierer vorge-
| Bell 429 | Vorbild | Modell |
|---|---|---|
| Besatzung | Ein Pilot, sieben Passagiere | – |
| Rumpflänge | 12,17 m | 2,82 m |
| Rumpfbreite | 2,36 m | |
| Höhe | 4,04 m | |
| Leermasse | 1950 kg | – |
| Zuladung | 1225 kg | – |
| Aussenlast | 1271 kg | – |
| max. Startmasse | 3175 kg | unter 30 Kilogramm |
| Triebwerk | 2 × Pratt & Whitney Canada | |
| PW207D1-Wellenturbinen | Jakadofsky PRO 6000 | |
| Startleistung | je 529 kW für 5 Min. | – |
| Dauerleistung | 466 kW | 6 kW |
| max. Reisegeschwindigkeit | 264 km/h | – |
| Schwebeflughöhe ohne Bodeneffekt | 2835 m | – |
| Schwebeflughöhe mit Bodeneffekt | 3658 m | – |
| Reichweite | 648 km | – |

nommen wurden, konnten Mechanik mit Turbine und Heckrotor und das Abgasrohr wieder eingebaut werden. Als Stromversorgung kommt eine PowerBox Evolution mit zwei 2800-mAh-Lithium-Polymer-Akkus zum Einsatz. Der Futaba-Empfänger R7014 SB sendet die Signale via S-Bus2 an den Bavarian Demon 3x.
Die Scale-Beleuchtung kommt über eine Optotronix Aurora LCU EVO2 zum Einsatz. Die Leuchtmittel erhalten ihre Power aus einem Emcotec-2S-Li-Ion-Akku 2600 mAh Compact 30 A. Der ein- und ausfahrbare Landescheinwerfer ist von uni-LIGHT, wie auch alle anderen Leuchtmittel.
Der feste Scheinwerfer unterhalb des Cockpits ist von A. L. K. Modellbau & Technik. Dieser ist mit 42 LEDs ausgestattet, dies wie beim Vorbild. (Dieser Scheinwerfer wird auch für
grössere und kleinere Massstäbe angeboten, [www.alk.ch](http://www.alk.ch).) Speziell sind die GFK-Hauptrotorblätter. Beim Blattentwurf wurde sowohl eine geometrische als auch eine aerodynamische Schränkung realisiert. Das heisst, dass über die Blattlänge sowohl der Anstellwinkel als auch das Profil kontinuierlich verändert wird. Der Anstellwinkel nimmt dabei in einer quadratischen Funktion zur Blattspitze hin ab. An der Blattwurzel wird ein 12 mm dickes, an der Blattspitze ein 9 mm dickes Profil verwendet und dazwischen linear gestärkt. Beide Profile sind speziell für Rotoranwendungen entworfene Geometrien, die dank einem weiten Anstellwinkelbereich über einen neutralen Momentenverlauf verfügen. Dies ist für die Stabilität des Rotors wichtig. Um den induzierten Widerstand an der Blattspitze zu verringern, wurde die Auftriebsverteilung so gestaltet, dass an der Blattspitze im Schwebeflug kein Auftrieb erzeugt wird. Die Blätter sind 100 mm tief und 1050 mm lang. Bei solchen Blättern ist es sehr wichtig, dass die Anstellwinkel am richtigen Ort gemessen werden, dies ist so nahe

Von Anfang an macht der Bell 429 sehr viel Freude beim Flie-
gen. Mit einer Kopfdrehzahl von 860 U/min liegt das Modell sehr stabil und neutral in der Luft. Manchmal kommt sogar das Gefühl auf, einfach einen grossen Trainer zu fliegen. Einzig das hohe Gewicht ist zu beachten.
Im Herbst 2019 musste ich den Bell 429 wegen eines Turbinenausfalls autorotieren. Bei dieser ungewollten Aktion, welche mit einer Landung in einem Fruchttacker abgeschlossen wurde, schlugen die Blätter ins
Heck ein. Eine grössere Reparatur wurde nötig. Bei dieser Gelegenheit wurde das Modell auf eine JetCat SPT10-RX-H umgebaut und erhielt eine neue Lackierung.
Der Bell 429 verdient das Prädikat «Premium-Helikopter» in jeder Hinsicht.
Fotos: Héli Alps SA, Anton Laube

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