Sport

Grosser Erfolg im Elektroflug

von Andreas Lang
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Das Schweizer Team gewinnt in der Einzel- und Teamwertung an den F5B-Weltmeisterschaften 2024


Vorbereitung

Nachdem die F5B-Weltmeisterschaften 2020 wegen der Pandemie und 2022 wegen des Ukrainekriegs ausfallen mussten, war die Freude in der Szene gross, als sich für den Herbst 2024 die Amerikaner um Wettbewerbsleiter Steve Manganelli bereit erklärten, wieder eine Weltmeisterschaft auszutragen. Total waren 23 Piloten aus sieben Ländern angemeldet.

Das Schweizer Team hatte mit Thomas Wäckerlin einen Top-kandidaten am Start, der mit mehreren Eurotour-Gesamtsiegen seit Jahren an der Spitze des F5B-Feldes mitfliegt, dem aber bisher der Titelgewinn versagt blieb. Remo Fratini als zweifacher Weltmeister und Marco Cantoni liessen ein starkes Teamresultat erhoffen. Der Autor reiste als Wildcard-Pilot und Helfer ebenfalls mit. Komplettiert wurde die Equipe von Jürgen Burghardt in der Funktion des Teammanagers. Neben mehreren gemeinsamen Trainingssessionen war zur Vorbereitung vor allem regelmässiges Fliegen angesagt, um alle Abläufe und das Material in- und auswendig zu kennen. So konnte zum Zeitpunkt der Abreise jeder Pilot ca. einhundert Trainingsflüge ausweisen. Um genügend Zeit für die Vorbereitung vor Ort zu haben, wurden vorgängig drei Trainingstage eingeplant. Als Unterkunft wurde eine Ferienwohnung gewählt, da das die Materialwartung, das Besprechen und allfällige Reparieren im Team deutlich vereinfachte. Und lustiger war es auch.


RangLandPunkte
1Schweiz20719,3
2Deutschland20600,4
3Australien19788,4


Aufgaben und Technik

Kurz rekapituliert, besteht die Flugaufgabe in F5B aus drei Teilen. Begonnen wird mit dem Streckenflug, wobei während 200 Sekunden mit maximal 10 Steigflügen eine Strecke von 150 m durchflogen werden muss. Zwei Wenderichter mit Visier an jedem Ende der Strecke geben dabei ein akustisches Signal, wenn das jeweilige Ende der Strecke erreicht ist. Danach, in der zweiten Teilaufgabe, dem Zeitflug, gilt es, 10 Minuten zu segeln, möglichst ohne Motorhilfe. Abgeschlossen wird der Flug mit einer Punktlandung. Die verbrauchte Energie wird während des Fluges an Bord mit einem Logger gemessen, und sollte ein Energielimit von 1750 Watt-Minuten überschritten werden, folgt Punkteabzug. Um Chancengleichheit zu gewährleisten, verteilte der Organisator die Energielogger, welche für jeden Wettkampftag neu zugelost wurden. Unser Teammanager Jürgen hatte die selber entwickelte Prüfanlage dabei, mit welcher sich die Genauigkeit der Logger überprüfen liess. Und prompt stellte sich heraus, dass einige der Einheiten, die wohl wenige Tage vor dem Wettbewerb fertig gelötet wurden, ausserhalb der Toleranz lagen, zum Guten wie zum Schlechten. Offen wurde diese Erkenntnis den anderen Teams mitgeteilt und man kam mit dem Veranstalter überein, nur die Logger innerhalb der Toleranz in den Los-Pool zu geben. Als dann das deutsche Team irrtümlich einen zu guten, das heisst zu tief messenden, Logger erhielt, gab es diesen zurück. Respekt vor diesem Sportsgeist!

Die meisten eingesetzten Modelle waren Avionik, gefolgt von Flipflop und einigen wenigen Speedfire. Das deutsche Team hatte den selbst entwickelten GoOne 9 dabei. Mehrere Schweizer Piloten setzten den Eigenbaupropeller ein. Weitere Details zu den Modellen finden sich auch in MFS 6/2024.

Neben der Routine unserer Teampiloten, die sich problemlos auf wechselnde Bedingungen einstellen konnten, stach auch das Energiemanagement heraus. Basierend auf den Livetelemetriedaten konnte Marco dem Piloten während des Streckenflugs ansagen, mehr oder weniger Energie zu verbrauchen. So konnten wir uns je nach Bedingungen optimal einteilen und hatten genügend Sicherheit für den Zeitflug.



Bedingungen

Austragungsort war auf einer Ebene in der Wüste bei der Stadt Maricopa, südwestlich von Phoenix im Bundesstaat Arizona. Die Luft war sehr trocken mit 40% Luftfeuchtigkeit, was sich auch körperlich bemerkbar machte. Der wolkenlose, tiefblaue Himmel und die im November tief stehende Sonne sorgten für ungewohnte, gleissende Lichtverhältnisse. Hinzu kam eine Staubschicht in der Luft, welche für sehr eindrucksvolle Sonnenuntergänge sorgte, jedoch die Flieger oberhalb von 250 m regelrecht verschluckte. Somit war bald die Regel aufgestellt, jederzeit auch einen Helfer neben dem Piloten zu haben und somit mindestens zwei Augenpaare auf dem Modell zu behalten, um dem Piloten Sicherheit zu geben. Verliert der Pilot sein Modell aus den Augen, weil es in eine Staubschwade fliegt oder die Silhouette beim Kreisen verschwindet, kommt innert Sekunden Panik auf und der Helfer ist essenziell, um Ruhe zu bewahren und das Modell schnell wieder zu finden. Zudem wurde ein Sonnenschutz in Hellebardenform gebastelt, mit dem der Teammanager dem Piloten jeweils gezielt Schatten spendete. Bald war klar, dass die staubige Luft und die nicht immer einfachen thermischen Bedingungen wenig Aussicht auf Rekordflüge liessen. Im ganzen Wettbewerbsgeschehen pendelte sich die maximale Streckenzahl bei 50 ein, wo andernorts regelmässig 52 erzielt werden. Speziell der Zeitflug war eine Herausforderung. Fand man keine Thermik oder fiel der Flug in eine windige Phase des Wetters, war das Modell nach wenigen Minuten in Bodennähe und man musste es unter Verbräuen weiterer Energie nochmals steigen lassen.


RangPilotLandPunkte
1Thomas WäckerlinSUI6975,9
2Heiko GreinerGER6972,2
3Karl WaserAUT6936,8
4Marco CantoniSUI6878,5
6Remo FrattiniSUI6864,9
10Andreas LangSUI6737,9


Wettbewerb

Nach der offiziellen Abnahme und einem weiteren Trainingstag ging es los mit den acht Wertungsflügen der WM. Der erste Tag war von den Bedingungen her ähnlich wie der Vorwettbewerb. Heiko Greiner aus Deutschland setzte sich knapp an die Spitze. Tag zwei hatte erstmals stärkeren Wind parat, was vor allem das hintere Feld etwas zurücksetzte, während die ersten fünf kaum Punkte abgaben. Heiko war nach vier Durchgängen mit 0,5% Vorsprung auf Thomas weiter knapp an der Spitze. Thomas konnte mit einem super Flug am späten Nachmittag bei ruhigeren Bedingungen die Führung an sich reißen und seinen ersten Durchgangssieg erzielen, während Heiko zwei Strecken abgab. Bei Remos Modell nahm bei der Landung unter windigen Bedingungen die Flügelbefestigung Schaden. Obwohl ein Ersatzmodell eingesetzt werden darf, wurde der Abend nach dem Besuch des Hamburgerrestaurants verwendet, um die ausgerissene Befestigung wieder einzuharzen, damit weiterhin zwei Modelle flugbereit waren. Dies sollte sich am Tag drei als Rettung für das Team erweisen. Der nächste Tag hatte wieder ruhigere Bedingungen parat, doch es ging nicht ohne Drama. Am Morgen konnte sich Thomas mit einem weiteren Durchgangssieg an die Spitze setzen. Am Nachmittag legte Heiko aber nach und kam mit einer Strecke Vorsprung wieder knapp an der Spitze zu liegen. Bei Remos Ersatzmodell versagte die Anlenkung einer Landeklappe, es folgte Flattern, der Flug endete vorzeitig und der Flieger war hin. So kam wieder das erste reparierte Modell zum Einsatz. Beim Testflug in der Mittagspause und bei der ersten 25-g-Wende hielt das Team kollektiv den Atem an, da das gesamte Teamresultat an dieser im Backofen gehärteten Klebung hing. Es hielt. Am Tag vier warteten somit die alles entscheidenden letzten zwei Durchgänge. Am Morgen bei totaler Windstille am Platz angekommen, frischte der Wind bald wieder auf. Wer im Streckenflug bestehen und im Zeitflug den entscheidenden Aufwind finden konnte, sollte die Meisterschaft entscheiden. Durchgang sieben am Morgen ging an Karl, der in der Gesamtwertung konstant auf Rang drei gefolgt war. Thomas setzte sich mit 0,1 Punkten Vorsprung (von total 6000) äusserst knapp vor Heiko. Nun war wirklich alles offen für den letzten Durchgang am Nachmittag. Eindrücklich behielt Thomas unter diesem Druck die Nerven. Kein Fehler beim Streckenflug, und der Zeitflug war eine Schau. So war es am Ende eine einzige Sekunde Motorlaufzeit Heikos, die diese WM zugunsten von Thomas entschied. Karl holte sich verdient den dritten Rang. Marco hatte sich durchgängig sehr konstant auf Rang vier gehalten. Und als wäre am Vortag nichts gewesen, holte Remo am letzten Tag noch einen Durchgangssieg und sicherte somit auch dem Team die Goldmedaille. ■

Andreas Lang




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