Baupraxis

Erfahrungsbericht Benedini Sound System

von Hans Jürg Baum
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Man könnte auch sagen: «Der Klang charakterisiert das Flugzeug»! Und was ist denn schon zum Beispiel eine Tante Ju-52 ohne den herrlichen, sonoren Klang ihrer drei Sternmotoren?


Schon vor Jahren sagten einige prophetisch begabte Personen voraus, dass dereinst die Zeit kommen werde, wo man den flüsterleisen Flugmodellen mit elektroakustischen Massnahmen bezüglich ihres musikalischen Charakters wieder auf die Sprünge helfen müsse. Und Hand aufs Her(t)z: Was verspürt der Freund vorbildähnlicher Modelle, wenn eben die bereits erwähnte Tante Ju-52 als Grossmodell majestätisch an ihm vorbeifliegt und lediglich ein hohes Zirpen von sich gibt? So entschloss ich mich, meiner elektrifizierten Monocoupe 90 mit einem Sound-System den wunderschönen Klang eines originalen Sternmotors zu verleihen.


Benedini bringt's

Die Firma Benedini bietet seit geraumer Zeit Sound-Module in verschiedenen Grössen- und Leistungsklassen an. Für meine Monocoupe mit 2,2 Metern Spannweite wählte ich denn auch die leistungsstärkste Variante, bestehend aus dem Soundmodul TBS Mini, einem Leistungsverstärker mit 4×40 Watt, von dem vorerst nur zwei Kanäle benutzt werden, und zwei Lautsprechern Visaton R10S.


Lärm und Umwelt

Mit diesem Bericht will ich keine Werbung für den «Lärm» machen. Jetzt wo unser Hobby dank Lipo-Akkus und Brushless-Motoren in der breiten Bevölkerung und vor allem bei den holden Damen (!) salonfähig wird, sollte man sich



nicht querstellen. Und gerade für den Wasserflug ist das Sound-Modul meiner Meinung nach absolut ungeeignet. Die herrliche Ruhe eines Sees zu stören ist absoluter Frevel! Wenn ich da an die vielen Strandbesucher denke, die meine Wasserflug-Modelle vor allem deshalb so wunderschön fanden, weil diese so unglaublich leise sind, möchte ich dieses neugeschaffene Wohlwollen nicht einfach so wieder zerstören. Aber es gibt Orte, wo man zu gewissen Zeiten noch etwas Lärm machen darf. Zu bedenken ist zudem, dass die Lautstärke des Motorengeräusches nun frei wählbar ist. So stellt man das Sound-System zu gewissen Zeiten und an gewissen Orten sogar total ab. Aber an einem schönen Samstagnachmittag oder unter der Woche wird man den Motorensound gewiss mal – wenn man auch wirklich niemanden stört – genüsslich und in der erlaubten Lautstärke etwas knattern lassen.


Die spinnen, die Männer!

Es sind ausschliesslich weibliche Personen, die mich, wenn sie erfahren, dass ich daran arbeite, einem flüsterleisen Elektromodell wieder die Motorengeräusche mit einer Sound-Anlage zuzuführen, mitleidig anschauen und mir zwar nett

und schonend, aber doch bestimmt zu verstehen geben, dass ich ja schon immer ein bisschen gesponnen habe mit all meinen Modellen, aber jetzt wohl endgültig hinüber sei ...

Ganz anders die Männer: Ja, die verstehen das und finden diese Tätigkeit absolut «sinnvoll»!

Wir spinnen halt, wir Männer. Und darauf sind wir doch ein bisschen stolz.


Die Intelligenz

Die wirkliche Intelligenz des Benedini-Sound-Systems steckt in den Soundmodulen, die es in verschiedenen Ausführungen gibt. Das von mir gewählte Soundmodul TBS Mini wurde speziell für den Einsatz in Elektroflugzeugen und anderen Funktionsmodellen entwickelt. Es ist kundenseitig via PC völlig frei programmierbar. Erhältlich ist eine grosse Auswahl an Originalaufnahmen (z.B. Corsair, ME109, Spitfire, Cessna, LKWs,). Mein Modul enthielt bereits den Sound eines Sternmotors aufgespielt. Im Prinzip können aber alle Sounds mit einer Länge bis zu 93 Sekunden Dauer via PC auf das Modul geladen werden. Das TBS Mini bietet fast unendlich viele Möglichkeiten, wie Zusatzgeräusche etc., die hier nicht alle erwähnt werden können. Wer



Näheres erfahren will, gehe auf die Website von Benedini: www.benedini.de.


Klanglich potent

Unser Bild zeigt den Aufbau der Anlage im Versuchsstadium auf den Nachttischchen. Das Soundmodul TBS Mini erhält seine Versorgungsspannung und das Signal für die Drehzahl, sprich Frequenzhöhe und Art des Motorengeräusches, via Empfängerausgang für den Regler. Die Endstufe benötigt eine etwas höhere Versorgungsspannung und läuft an 9,6 V bis 18 Volt. Ich wählte, weil gerade vorhanden und auch aus Gewichtsgründen, einen 3S Lipo mit 1000 mAh. Erste Versuche wurden ohne Liposaver durchgeführt, aber die Spannung während des ganzen Versuches genau überwacht, damit die einzelne Zellenspannung nicht unter 3 Volt fällt. Der Klang dieser Kombination, so wie sie da liegt, ist absolut grauenvoll, denn es fehlt was ganz Entscheidendes ...


Stabil und ultraleicht

Bekanntlich gehört ein Lautsprecher, um eine gute Basswiedergabe zu erhalten und

um einen sogenannten akustischen Kurzschluss zu vermeiden, entweder auf eine möglichst grosse Schallwand oder in ein Gehäuse. Da meine Monocoupe einen Rumpf, bestehend aus dünnen, mit Folie bespannten Spanten besitzt, musste die Lösung mit einem Gehäuse gewählt werden. So wurde ein Leichtbau-Gehäuse genau auf die vorhandenen Platzverhältnisse in meiner Monocoupe aus Balsa und Sperrholz konstruiert. Um Gehäuseresonanzen zu verhindern, erhielt das Gehäuse innere Verstrebungen und die bei HiFi-Boxen obligate Dämm-watte-Füllung. So sitzen nun 2 Lautsprecher in ein und demselben Kastengehäuse – was nach akustischen Gesichtspunkten absolut erlaubt ist –und strahlen seitlich nach rechts und links durch die Bepannfolie hindurch.


Gewichtsbilanz

Das Totalgewicht meiner Sound-Anlage ergibt sich aus der Summe folgender Komponenten:

  • Gehäuse (Eigenbau) 90 Gramm
  • Soundmodul TBS Mini 6 Gramm
  • 4×40 W Endstufe 40 Gramm
  • 2 Lautsprecher Visaton R10S 320 Gramm
  • 3S 1000 mAh Lipo 95 Gramm
  • div Kabel u. Montagematerial 49 Gramm

Total 600 Gramm

Ganz klar ist, dass man diese 600 Gramm nur grösseren Modellen zutrauen kann. Je nach Beschaffenheit des Rumpfes kann auf ein Gehäuse verzichtet werden. Jeder muss nun selbst entscheiden, ob sein Modell dieses Zusatzgewicht verkraften kann, und gegebenenfalls auf eine kleinere und leichtere Variante umsteigen. Wie meine Monocoupe 90 in hölzerner Leichtbauweise mit ihren rund 5,5 kg (inkl. 6S-Lipo) auf dieses Zusatzgewicht reagiert, erfahren wir später.


Theorie, und dann die Praxis

Nachdem ich meine Monocoupe 90 (siehe Bericht in mfs 5/2012) von einem Wasserwieder zu einem Landflugzeug ummontiert hatte, gings an den Einbau der Sound-Anlage. Erste Versuche im Bastelraum beschädigten fast mein sensibles Musikergehör, und ich stellte die Lautstärke am Mini-Potentiometer der Endstufe auf minimale Lautstärke.

Ein Problem besteht darin, dass das Sound-Modul bereits beim Einschalten zu brummen beginnt, egal ob der Motor läuft oder nicht. Zudem kann man das Motorgeräusch auch bei total gedrosseltem Motor nicht ohne Weiteres abstellen. So wird ein bestimmter Ausgang des Sound-Moduls mit einem Schaltkanal am Empfänger verbunden. Der Sound kann nun mittels dieses Schalters an der Fernsteuerung zur gewünschten Zeit ein- und ausgeschaltet werden. Das klappt mit etwas Übung recht gut. Blöd ist, wenn der Propeller steht und die Anlage immer noch läuft, oder der Propeller dreht, aber kein Piepser zu hören ist.


Herrliche Klänge ...

Und nun gehts endlich aufs Feld, genauer auf den Flugplatz der Modellfluggruppe Grischhei (ZH). Da dort unter der Woche und zu den erlaubten Zeiten keine Lärmprobleme bestehen, drehe ich das Potentiometer an der Endstufe so weit auf, bis die daneben befindliche LED kurzzeitig zu blinken beginnt. Das wäre dann die maximal erlaubte Lautstärke, bevor die Endstufe überhitzt und abstellt. Nun ist das Motorengeräusch kernig, aber nicht nervend laut. Und es kommt zum ersten Flug mit Sound-Anlage, welcher von der Musikalität her absolut überzeugend ausfällt. Die zusätzlichen 600 Gramm steckt meine Monocoupe 90 locker weg. Zufälligerweise erscheint auch noch mein Sohn Felix mit seiner Sopwith Pup von Toni Clark auf dem Gelände, und es kommt zum Klangduell ZG 38 mit Getriebe und Riesenpropeller kontra 6S-Elektro-Antrieb mit Benedini-Sound-System. Die Jury, bestehend aus Ehefrau/Mutter Maja, Sohn Benjamin und zwei Enkeln, ist sich nicht ganz einig: Die Frauen finden das alles sowieso blöd und erfreuen sich vor allem am «Sünnelen», aber Sohnemann Benjamin und Enkel Liam reagieren sehr positiv auf den Benedini-Sound. Tatsache ist, dass der Klang des sehr gut gedämpften, aber relativ hochdrehenden ZG 38 trotz des unglaublich langsam drehenden Riesenpropellers (dem Getriebe sei gedankt) nicht sehr natürlich wirkt. Dies gibt sogar der Sopwith-Erbauer Felix unumwunden zu. Nicht ganz so vital, aber sonorer und damit echter, erschallt der Sound meiner Monocoupe.


Dabei sein mit YouTube

Teilnehmen an diesem Flugnachmittag kann jeder auf YouTube, denn mein Sohn Benjamin vertauschte auf meinen Wunsch hin seine 3D-Schaumwaffel, genannt «Venus», mit meinem Camcorder und filmte das Ganze, wofür ich ihm ganz herzlich danke.



Also Browser am Computer aufgemacht und als Suchbegriff bei Google oder direkt bei YouTube «Benedini Monocoupe 90 «eingeben – oder direkt <http://www.youtube.com/watch?v=bhX95ahufgY>

anwählen, und man ist mit dabei mit Bild und Stereo-Ton.


Fazit

Das hier gewählte Benedini-Sound-System liefert bei optimalem Einbau der Lautsprecher

ein Motoren-Konzert, das nicht extrem laut, so doch verblüffend echt wirkt. Dass die Lautstärke frei wählbar ist und der «Krach» bei Bedarf sogar total abgestellt werden kann, garantiert eine sehr hohe Umweltverträglichkeit. – Summa summarum ein geniales Spielzeug. Nichts für die holde Weiblichkeit, die dafür absolut kein Verständnis zeigt, sondern ausschliesslich für hochmusikalische Männer! ■

Hans Jürg Baum



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