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Es war ein tolles Gefühl!

von Stefanie Jucker
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Mein Vater und ich kamen pünktlich auf dem Flugplatz Schänis an. Ich wusste nicht, wo ich mich anmelden konnte und kam mir ein wenig verloren vor. Doch wenig später wurde ich dem Fluglehrer vorgestellt. Er wirkte nett, und schon war ich nicht mehr aufgeregt.


Zwei andere Teilnehmer und eine Mutter waren auch schon anwesend. Wir wurden zum Theorieraum geführt. Dort verteilte uns der Lehrer Unterlagen zum Thema Segelfliegen. Der vierte Teilnehmer kam, und somit waren wir komplett. Nun bekamen wir noch ein Anmeldeformular ausgehändigt. Während wir die Anmeldung ausfüllten, erzählte uns der Fluglehrer, dass beim Segelfliegen sich alle duzen würden. Danach folgte eine kurze Vorstellungsrunde, in der jeder sagte, weshalb man am Schnupperkurs teilnehme. Der Fluglehrer stellte sich auch vor. Er heisst Hansjürg. Anschliessend zeigte er uns einige beeindruckende Luftaufnahmen. Solch schöne Landschaften zu sehen und die Ruhe im Flugzeug machen die Faszination des Fliegens aus, erzählte er uns. Wenn man irgendwo in einem Feld gelandet sei, müsse man manchmal auch einige Stunden warten, bis man mit dem Auto abgeholt wird, da man mit einem Segelflugzeug nicht ohne Hilfe starten kann, erklärte er weiter. Dies seien sehr ruhige Stunden.

Er führte uns zum Hangar, wo wir die verschiedenen Flugzeuge anschauen konnten. Es gab zwei- und einsitzige Flugzeuge. Wir würden unseren Flug in einer ASK 21, einem für Schulungen konzipierten Flugzeug, machen. Wir schauten in einige Cockpits hinein, doch die sahen nicht sehr bequem aus. Mit allgemeiner Zustimmung beschlossen wir, eine Kaffeepause einzulegen, da es ziemlich heiss war und wir alle durstig waren. Nachdem wir uns verpflegt hatten, ging es wieder in den Theorieraum, wo wir die Geschichte des Segelfliegens behandelten und lernten, weshalb ein Flugzeug fliegt. Als Nächstes erklärte er uns, wie man ein Flugzeug steuert. Ich bemühte mich, mir alles zu merken, damit ich es dann während des Fluges noch weiss. Es hat nicht viele Instrumente in einem Cockpit, da man beim Segelfliegen auf Sicht fliegt. Man steuert den Flieger mit Fusspedalen und einem Steuerknüppel. Es beunruhigte mich leicht, da ich nicht so gut bin, was die Koordination anbelangt. Jetzt sagte der Fluglehrer noch etwas zum Fallen, dass es einem schlecht wird während des Fluges. Er werde nicht zu viele Kurven fliegen, dann sollte es einem nicht schlecht werden, sagte er. Ich hoffte, dass es mir nicht schlecht wird, da es mir sehr peinlich wäre. Wir mussten wieder nach draussen in die Hitze, da ein Foto von uns zu-



sammen mit dem Fluglehrer vor unserem Schulungsflugzeug gemacht wurde. Die Fotos konnten wir am Abend abholen. Es war Zeit für die Mittagspause. Der Teilnehmer, der als Letzter gekommen ist, ist Gleitschirmpilot und erzählte uns während dem Essen von seinen Erlebnissen.

Als wir alle genug gegessen hatten, gingen wir das Flugzeug, mit dem schon bald der Erste von uns in die Lüfte steigen wird, überprüfen. Danach rollten wir gemeinsam das Flugzeug auf die andere Seite der Piste. Der Gleitschirmpilot war der Erste, der auf einen Flug ging. Er wurde im Flugzeug sitzend auf die Piste gerollt, und das Seil des Schleppflugzeugs wurde eingeklinkt. Sie starteten. Nun blieb nichts anderes zu tun,



als zu warten. Nach 50 Minuten kehrten sie wieder zurück und landeten sicher. Der Gleitschirmpilot sagte, es sei wirklich schön gewesen. Ich meldete mich für den nächsten Flug. Ich war nun sehr nervös. Ich ging zum Flugzeug, wo ich als Erstes einen Notfallschirm umschnallen musste. Mir war etwas mulmig zumute, da mir dabei bewusst wurde, dass die Gefahr eines Absturzes vorhanden ist. Der Lehrer erklärte mir, wie ich bei einem Notfall die Kabinenhaube öffnen kann. «Du musst zuerst die Sicherheitsgurten öffnen, danach die Kabinenhaube abwerfen, rausklettern, den Griff, der den Notschirm öffnet, in die Hand nehmen, dich fallen lassen und dann zwei Sekunden warten bis du den Schirm öffnest», erklärte er mir. Das Ganze



machte mir ein bisschen Angst, doch ich konzentrierte mich auf das, was er erzählte und dachte nicht mehr daran. Ich durfte jetzt im Flugzeug Platz nehmen. Es war sehr bequem, da ich mich in einer fast liegenden Position befand. Allerdings sass ich zu tief unten und konnte nicht über die Instrumente hinaussehen. Der Lehrer begab sich auf die Suche nach Kissen und ich wartete. Die Sonne schien auf das Cockpit, und es war sehr heiss. Ich wurde schläfrig durch die liegende Stellung und die Wärme. Nach einer Ewigkeit, so schien es mir, kam er mit Kissen zurück. Er stopfte so viele Kissen rein, bis es relativ bequem war und ich genug hoch oben sass. Nun schnallte er sich auch noch den Fallschirm um, und sie rollten das Flugzeug auf die Piste. Meine Vorfreude stieg, und ich wurde ganz aufgeregt. Er setzte sich in den Flieger und führte die Checks durch; in der Zwi-

schenzeit wurde das Seil eingeklinkt. Der Fluglehrer schloss nun die Kabinenhaube und ich schloss darauf meine. Der Schlepppilot beschleunigte seine Maschine, und wir wurden immer schneller, bis wir abhoben. Es war ein tolles Gefühl. Allerdings blies von der Seite her ein kräftiger Wind, weshalb das Segelflugzeug auf die Seite gedrückt wurde. Es war nicht so angenehm, aber er beruhigte und sagte, dass wenn wir höher sind, es nicht mehr so stark sein wird. Ich hatte mich schnell wieder von diesem kleinen Schreck erholt. Doch jetzt wurde es ziemlich turbulent, und wir sackten manchmal ab oder stiegen plötzlich an. Dies beunruhigte mich nicht weiter, da ich schon einige turbulente Flüge in Passagierflugzeugen erlebt hatte. Er folgte nun im Formationsflug dem Schleppflugzeug. In der eingeschlagenen Richtung wurde es immer unruhiger, weshalb er beschloss, in eine andere Rich-

tung zu fliegen. In der neuen Richtung war es nun um einiges ruhiger. Als wir eine gute Höhe erreicht hatten, durfte ich ausklinken. Nun flogen wir allein. Es war ein berauschendes Gefühl, da sich das Fliegen so unbeschwert und leicht anfühlte. Ein Berg war unter uns sichtbar und auch ein See. Der Lehrer kommentierte, dass dies der Walensee sei. Die Aussicht war atemberaubend, und es war nicht mal ein Wölkchen am Himmel. Den Rand des Sees überflogen wir und drehten dann in Richtung Zürichsee. Nun war ich an der Reihe. Ich sollte versuchen, in Richtung Greifensee zu steuern und dabei die Lage stabil halten. Am Anfang fühlte ich mich sehr unsicher, doch mit der Zeit wurde es besser. Er unterstütze mich ein wenig, indem er die Bedienung der Fusspedalen, übernahm. Es war anstrengend, weil die Sonne ins Cockpit brannte und ich mich konzentrieren musste. Zum Glück war

die Temperatur im Cockpit angenehm und die Luft frisch. Ich hatte aber dennoch Zeit, die Umgebung zu betrachten. Als wir nahe am Zürichsee waren, leitete er eine Kurve ein, und ich musste sie nun halten. Das war viel einfacher, als geradeaus fliegen. Die Kurve wurde beendet, worauf ich selbst eine fliegen musste. Die Bedienung der Fusspedale bereitete mir etwas Schwierigkeiten, aber der Rest klappte ziemlich gut. Nach einigen Kurven flogen wir wieder geradeaus, und ich musste abermals die Richtung halten. «Dort ist die Rigi», rief ich aus. «Ja, und gleich dahinter ist der Pilatus sichtbar», antwortete er. Das Variometer, ein Instrument, das Auf- und Abwind anzeigt, pfff nun in allen Tönen und der Lehrer beschloss, sich auf die Suche nach Aufwind zu machen. Nach einer Weile fand er den gesuchten Aufwind. Es befanden sich noch andere Segelflugzeuge dort und eines davon auf



gleicher Höhe wie wir. Ich fühlte mich ein bisschen unwohl, da es ziemlich nahe war. Doch das andere sank, und ich entspannte mich wieder. Auf über 1500 Meter stiegen wir nun und ich durfte nochmals einige Kurven fliegen, bei denen ich mich schon viel sicherer fühlte und ich es voll und ganz geniessen konnte. Kurz darauf entschloss sich der Lehrer zum Rückflug, doch das war nicht so einfach, da wir guten Aufwind gefunden hatten, der das Sinken schwierig machte. Es wurde auch wieder turbulenter, und man konnte an den Windsäcken des Flugplatzes erkennen, dass es auch auf dem Boden stärkeren Wind hatte. Er erhöhte die Geschwindigkeit, da-

mit wir schneller durch die Turbulenzen kamen. Um konstant Höhe abzubauen, flog er einige Kreise und fuhr nach einer Weile die Bremsklappen aus, um noch stärker zu sinken. Wir wurden kräftig durchgeschüttelt. Die Piste war jetzt nah, und er stellte das Flugzeug für kurze Zeit ein wenig quer, um noch mehr Geschwindigkeit zu verlieren. Es war ein seltsames Gefühl, weil es meinen Sinnen widersprach, so zu fliegen. Ich bereitete mich auf eine holperige Landung vor, doch sie verlief ganz gut. Er schwenkte nach links, damit die Piste frei war, und dann konnten wir aussteigen. Als ich ausstieg, fühlte ich mich, als könnte ich schweben. und war froh, dass

ein starker Wind wehte, da ich verschwitzt war. Durstig war ich auch ziemlich. Mein Vater empfing uns, und zusammen gingen wir zu den anderen zurück. Hansjürg schlug vor, dass die, die noch nicht geflogen waren, am nächsten Tag fliegen könnten, da es auf Grund der Turbulenz nicht möglich ist, wirklich selbst zu fliegen und man eigentlich nur zusehen konnte, wie er fliegt. Sie stimmten diesem Vorschlag zu. Danach reinigten wir die Tragflächen des Flugzeuges und gingen nochmals kurz ins Restaurant. Dort sassen wir noch ein Weilchen gemütlich zusammen und verabschiedeten uns dann. Noch Stunden danach war ich be-



rauscht von diesem tollen Gefühl zu fliegen, und ich würde es gerne wieder einmal machen.

Stefanie Jucker (16), Schülerin, erlebte einen Segelflug-Schnuppertag in Schänis.



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