Europameisterschaften 1979 F1E
Wohl kein Schweizer Teilnehmer dieser Titelkämpfe hätte im voraus an einen Erfolg in diesem Ausmass geglaubt, obschon wir zuversichtlich der Konkurrenz entgegensa-hen. René Pfister, Roland Pfister, Maurice Bodmer und Walter Spatny belegten in dieser Reihenfolge die ersten 4 Plätze in der Einzelwertung. Auf dem 7. Schlussrang figurierte der «alte» Europameister Robert Haller. Sie alle hatten sich im Stechen behauptet, an dem 34 Konkurrenten beteiligt waren. In der Nationenwertung errang die Schweiz den hervorragenden 2. Platz hinter der CSSR und vor Österreich.
Sicher gehört zu einem solchen Ergebnis auch ein wenig Glück, das auch an dieser Konkurrenz dem einen mehr, dem andern wieder weniger zur Seite stand. Doch bildete nicht das Glück in erster Linie den Grundstein zu diesem Erfolg, vielmehr die seriöse Vorbereitung der einzelnen Teilnehmer. So hatte die Nationalmannschaft schon im Juli das Training aufgenommen. Ein freiwilliges Training auf Melchsee-Frutt bildete den Auftakt; die Konkurrenz um den Aroser Adler und der Berner Gruppenwett-kampf waren weitere ideale Trainingsmög-lichkeiten. Dabei ging es vor allem darum, sich mit den Modellen vertraut zu machen, also um das Handling, sowie um die Ana-lyse der speziellen durch die Modellausle-gung bedingten Einsatzmöglichkeiten. Dies erfordert wiederum eine möglichst richtige Einschätzung der herrschenden meteoro-logischen Verhältnisse. Diese Einschät-zung erfolgte immer in gemeinsamer Ab-sprache zwischen den Piloten und dem Teammanager und gestützt darauf der je-weilige Einsatz.
Um sich mit den Verhältnissen an Ort und Stelle vertraut zu machen, reisten die mei-sten Schweizer schon 3–4 Tage früher nach Deutschland an den Hesselberg. Dieser liegt im Kreis Ansbach zwischen Wasser-trüdingen und Dinkelsbühl und ist mit 689 Metern Höhe die einzige namhafte Erhö-hung im Umkreis von einigen Kilometern. So war es denn nur vernünftig, dass die Jury sich dafür entschied, diese Europa-meisterschaft, wie ausgeschrieben, als offene durchzuführen.
Daher nahmen am Samstag, den 13. Okto-ber 1979, 94 Teilnehmer den Wettkampf um den Einzeleuropameistertitel auf und 5 Mannschaften kämpften um die Nationen-wertung. Wie an den Tagen zuvor wehte der Wind von Südsüdost, so dass die Jury die Startstelle 1 als Austragungsort wählte. Walter Spatny startete dann um 8.45 Uhr als erster. Anfänglich war die Sicht recht gut, doch im Verlaufe des 1. Durchganges ver-schlechterte sie sich, was einigen Konkur-renten bereits zum Verhängnis wurde. So erging es unter anderen auch Werner Oeg-gerli und François Tapernoux, deren Mo-delle von den Zeitnehmern im Dunst nicht mehr gesehen wurden, beziehungsweise verwechselt wurden. Auf diese Weise verlor die Nationalmannschaft in der Besetzung Maurice Bodmer, Roland Pfister und Fran-çois Tapernoux 78 Sekunden auf die Tschechoslowakei, was, wie sich später herausstellte, bereits die Entscheidung zu-gunsten von Platz 2 bedeutete. Im Verlaufe der weiteren Durchgänge verbesserten sich die Sichtverhältnisse wieder, doch war es dennoch schwierig, den Modellen zu fol-gen. Bald schon stand fest, dass ein Stechen unumgänglich sein würde, wenn das Wetter sich nicht änderte: es herrschten spätsommerlich warme Temperaturen, und nur schwach wehte der Wind. Die ganze Konkurrenz nahm einen raschen Ablauf, wobei wir Schweizer nie in Zeitnot gerieten, da gegenseitige Hilfe gross geschrieben wurde.
Nach 5 Durchgängen hatten sich 34 Kon-kurrenten für das Stechen qualifiziert. Nicht viel fehlte und einige mehr hätten ebenfalls daran teilnehmen können. So verlor der Österreicher Salzer nur gerade 2 Sekunden auf das Punktemaximum und Werner Hauenstein bremste einen Flug 10 Sekun-den zu früh.
Nachdem der ausgezeichnete Organisator, Anton Frieser, mit seinen unermüdlichen Helfern den Startplatz an eine tiefer gelege-ne Stelle verlegt hatte, begann das Ste-chen kurz vor Einbruch der Dämmerung. Von Montag bis Mittwoch trainierten die Schweizer an einem tiefer gelegenen Hang; dies vor allem um Überhöhungen über Gip-felhöhe zu vermeiden, da der Hesselberg in einem Tieffluggebiet liegt, was wir nur be-stätigen können. Ab Donnerstag waren die Startstellen durch den Organisator mar-kiert. Aufgrund der herrschenden Föhnlage mit Wind von Südsüdost trainierten wir an der Startstelle 1. Dichtes, dorniges Busch-werk lag vor uns, dazwischen auf einer Linie quer zum Hang wuchsen Sträucher und Bäume. Deshalb entschlossen wir uns, über den Hang hinaus in die Ebene zu fliegen und nicht nach bereits 30 Sekunden zu bremsen, wie die deutschen Konkurren-ten; das Risiko, einen Bruch zu erleiden, war zu gross.
*Der neue Hangflug-Europameister (Kat. F1E) 1979 René Pfister, Glattal.*

Nach und nach reisten weitere Konkurrenten an; darunter erstmals ein Franzose, Jean Wanzenriether, aus dem Elsass. Nach neun Jahren Abwesenheit konnten wir auch die Tschechen begrüßen. Dazu gesellten sich noch die Italiener, Österreicher sowie die gastgebenden Deutschen. Nicht dabei waren diesmal die Engländer.
Bald einmal begannen die alten Diskussionen darüber, wer Einzeleuropameister werden kann, ob gemäss Ausschreibung jeder Teilnehmer oder nur wer nach Code sportif als Nationalmannschaftsmitglied durch den nationalen Aero-Club gemeldet ist. Dass diese Regelung der FAI für die Klasse F1E nicht zutreffen kann, ist für mich offensichtlich. Denn die Klasse F1E bildet noch eine junge Sparte innerhalb des Freiflugs, die bis heute von lediglich 6–7 europäischen Nationen betrieben wird. Käme die erwähnte Regelung zur Anwendung, könnte ich mir kaum vorstellen, dass ein Organisator für etwa 20 Konkurrenten Kontinentalmeisterschaften veranstalten würde. Erst wenn die offenen Meisterschaften so überschwemmt werden, dass ein Organisator mit der Flut der Teilnehmer nicht mehr zurecht kommt, rechtfertigt sich eine Regelung mit einer pro Nation limitierten Teilnehmerzahl. Aber auch in diesem Fall muss das Quorum 3 überschritten werden, solange nur etwa 10 Nationen teilnehmen. In 3 Serien wurde gestartet. Einzige Taktik, die man unseren Schweizern mitgeben konnte, war die, den Kurs so zu wählen, dass das Modell möglichst nur über Äcker flog, da diese noch Wärme abgaben; bereits lag Tau auf den Wiesen. Die Spannung wuchs stetig. Keiner wusste bis zur letzten Landung, was seine Zeit wert war. Die Spannung löste sich dann auf einmal und schlug im Schweizerlager in grosse Freude um, als zuerst inoffiziell bekannt wurde: 4 Schweizer an der Spitze. Wer hätte das gedacht!
Am Abend bei der Siegerehrung wurde dieses Resultat offiziell bestätigt und alle Pokale und Medaillen wurden von überglücklichen Gewinnern in Empfang genommen. Die anschliessenden Stunden verflogen wie im Nu und einmal mehr war die Freundschaft die grosse Siegerin in der Kategorie F1E.
Als Teammanager fällt es mir nicht schwer, bei diesem Erfolg ein Resumé zu ziehen. Nicht nur materiell hat sich der Einsatz jedes einzelnen Teilnehmers gelohnt; ich bin der festen Überzeugung: auch menschlich; es waren schöne Tage, die wir als Freunde miteinander verbrachten.

| 1. René Pfister | CH | 1500 + 262 |
| 2. Roland Pfister | CH | 1500 + 260 |
| 3. Maurice Bodmer | CH | 1500 + 245 |
| 4. Walter Spatny | CH | 1500 + 237 |
| 5. Viri Kalina | CS | 1500 + 235 |
| 6. Karl Höhenberger | D | 1500 + 230 |
| 7. Robert Haller | CH | 1500 + 225 |

| 1. J. Nohel | CS | 4500 |
| 2. M. Bodmer | CH | 4422 |
| 3. K. Lintner | A | 4380 |

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