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Modellbau pur: Faszination und Knochenarbeit

von Roland Schlumpf
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Aus grossen Modellbauprojekten entstehen in der Regel grosse Flugzeuge. So war es auch bei Lukas Schaub und Cornel Hasler: sieben Jahre von der Idee bis zum Erstflug, fast acht Meter Spannweite, knapp 30 kg Abfluggewicht, Modellbau extrem, Modellflug als Faszination.


Die Sonne stand schon etwas tief und die Schatten waren entsprechend lang, als Lukas Schaub und Cornel Hasler Anfang Mai auf dem Flugplatz von Schupfart ihre Moswey 6 zusammenbauten. Für den Erstflug des Modells galt es, die Randzeiten zu nutzen, um den ordentlichen Flugbetrieb nicht zu stören. Dank dem Wohlwollen der Flugplatzverantwortlichen war das an diesem schönen Frühlingsabend möglich. Aber es war schon ein wenig auch ein Wettlauf gegen die Zeit und die einbrechende Dunkelheit. Dennoch galt es, keine Hektik aufkommen zu lassen. Jeder Erstflug hat seine Tücken und sollte mit grösster Sorgfalt angegangen werden. So entstand am Pistenrand aus grossen Einzelteilen Schritt für Schritt ein riesiges Modell. Lukas und Cornel behielten beim Aufbau die Ruhe – auch dann, als eines der beiden Querruder am rechten Flügel nicht in die Gänge kommen wollte. Gut, ein halblauter Fluch war schon zu vernehmen, doch bei der Problemanalyse ging es sofort wieder sachlich zu und her. Der Wackelkontakt konnte rasch eruiert und behoben werden. Die Erleichterung war gross, nicht nur bei den beiden Konstrukteuren und Erbauern, sondern auch bei der Gruppe versammelter Modellflieger, die sich das Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Sie bestaunten die knifflige Holzkonstruktion mit der leuchtend gelben Bespannung und verschiedene Details wie die «Haifischzähnestörklappen» und die aussermittig aufgehängten Querruder, die sogenannten Friesennasen.


Begeisterung rundum

Die stattlichen Dimensionen der Moswey 6 im Massstab von 1:2,5 wurden schon deutlich, als Lukas den Rumpf mit einer Länge von 350 cm aus dem Auto gezogen hatte. Zusammengebaut war der Oldtimer dann erst recht beeindruckend. 780 cm Spannweite am voluminösen Rumpf machten das Modell zum Model, die Anwesenden zückten Handys und Fotoapparate, um den Star des Abends im Bild festzuhalten. Bald schon war auch der Schlepppilot bereit und um 19.40 Uhr war es so weit. Die Moswey 6 hob mit ihren knapp 30 kg am Schleppseil ruhig vom Rollfeld des Flugplatzes Schupfart ab. Das Gespann stieg auf gegen 500 m, dann Ausklinken und innerhalb von Sekunden nur machte sich unter den Anwesenden Faszination breit. Das Modell zog unaufgeregt und souverän seine Kreise über dem Fricktal, es war von den manntragenden Seglern nicht zu unterscheiden. Der Puls von Pilot Lukas bildete sich rasch zurück und schon bald war Lukas im Modus des Geniessens. Das am Flügel durchgehende Gö-549-Profil trägt nicht nur, es bringt auch Leistung. Immer wieder konnte der Pilot Höhe machen, eine Rückkehr auf den Flugplatz drängte sich eigentlich nicht auf. Doch nach einer guten halben Stunde entschloss sich Lukas, allmählich Höhe abzubauen und die Landung einzuleiten. →



Über Jahre drangeblieben

Nach rund 40 Minuten Flug dann das sanfte Aufsetzen auf der feinen Graspiste. Applaus – das war's. Nach vielen Jahren Hirnen, Tüfteln, Konstruieren und Bauen ist aus der Idee Realität geworden. Ausgangspunkt waren die Originalpläne des Aero-Club-Archivs, die Lukas und Cornel schon bei den Projekten Moswey 2, 4 und 4a als Grundlage gedient hatten. Die Faszination der Schweizer Segelflugzeugkonstruktionen aus dem Zürcher Oberland liess die beiden nicht los. Irgendwann war die Zeit reif für eine Moswey 6. Anno dazumal sei das gewesen, erklärte Cornel Hasler, als er nach den Ursprüngen des Projekts gefragt wurde. Lukas Schaub gelingt immerhin eine Annäherung an die Meilensteine des Projekts: «Die Idee ventilierten wir wohl in den Jahren 2011 und 2012. Konkret wurde es dann ab 2013 an der CNC-Fräse von Cornel und in meiner Werkstatt.» Wie auch immer, es waren vielen Jahre bis zum Erstflug, in denen Cornel mit der CNC-Fräse den Ansprüchen von Lukas gerecht zu werden versuchte und Lukas beim Bauen alles gab, um schliesslich ein ebenso gut fliegendes wie schönes Modell präsentieren zu können. Bei aller Begeisterung war das immer wieder Knochenarbeit. Es ist Modellbau extrem – einerseits wegen der Dimensionen des Modells und anderseits, weil die beiden alten Weggefährten aus der Modellfluggruppe Unterburg von Grund auf alles selbst konstruiert und gebaut haben.




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