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Der erste Schritt zum Piloten

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Aus den «Schaffhauser Nachrichten»
vom 1. November 1943


Dass es, um Flieger zu werden, einen langen und schweren Weg zurückzulegen gibt, wird wohl jedem Jüngling, der sich dieses hohe Ziel vor Augen setzt, klar sein. Der erste zögernde Schritt zur Fliegerlaufbahn kann beim einen oder andern schon mit der Berufswahl beim Schulaustritt erfolgen. Bis jetzt war es aber bei uns in der Schweiz nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Bewerber, die zum Piloten oder einem der damit zusammenhängenden Berufe für die Weiterbildung auserkoren wurden. Den auf technischem Gebiete studierenden Jünglingen wird bei der Rekrutenaushebung ebenfalls die Möglichkeit geboten, sich bei der edelsten und verantwortungsvollsten Einheit unserer Armee einteilen zu lassen. Aber auch hier muss er sich über körperliche und geistige Fähigkeiten ausweisen können.

Eine andere Möglichkeit, zur Militär- oder Zivilaviatik emporzuklimmen, ist der Modellflugsport. Der meist noch keine «fliegerischen Pläne» hegende Junge überlegt sich schon während oder nach der Schulzeit die ernste Frage einer zweckmässigen Ausnützung seiner Freizeit. Da kommt nun der eine oder andere auf den Gedanken, ein Modellflugzeug, für welches sich das Material mit wenig Mitteln beschaffen lässt, zu bauen. Es mag zutreffen, dass dann und wann einer diesen schönen Sport als eine

«langweilige Spielerei» ablehnt. Der ernsthafte Modellflugsportler aber wird durch das von ihm gewählte Gebiet gänzlich gefesselt, und schliesslich reift in ihm der Entschluss, sich einer Modellfluggruppe anzuschliessen. Wir zählen heute in der Schweiz rund 120 solcher Gruppen, die alle dem Schweizerischen Aero-Club unterstellt sind. Der junge Modellflugsportler hat sich damit einer sauberen und politisch neutralen Jugendgruppe beigeiselt und ist, nachdem er sich während zwei Probemonaten als aufnahmefähig erwiesen hat, der Nation der zukünftigen Flieger beigetreten. Fliegen heisst im höchsten Sinne Kameradschaft. Das gilt auch bei uns Modellfliegern. Nach diesem Grundsatz wird der «Zögling» von den älteren und erfahrenen Kollegen in die Mitte genommen, und das Bewusstsein, den ersten Schritt auf dem Wege zur Fliegerei getan zu haben, lässt das Herz des jungen Schweizers höher schlagen.

Im Baubetrieb wird der junge Flugpionier unter fachkundiger Leitung an exaktes, sauberes und zuverlässiges Arbeiten gewöhnt, ein wichtiger Punkt übrigens in der Characterschulung. Abwechslungsweise werden aufschlussreiche Theoriestunden geboten, in denen von berufener Seite Vorträge über Aerodynamik und die damit zusammenhängenden physikalischen Gesetze gehalten

werden. Dem Bedürfnis des jungen Körpers nach sportlicher Betätigung wird im sommerlichen Flugbetrieb voll und ganz Rechnung getragen, müssen doch die jungen Flieger oft kilometerweite Strecken bergauf und -ab, über Stock und Stein zurücklegen, um ihr Eigentum wenn möglich noch von einem hohen Baume herunterzuholen.

Wächst nun aber der kleine «Forscher der Lüfte» langsam aus den Kinderschuhen heraus, so wird in ihm je länger, je mehr der Wunsch wach, nun einmal selber fliegen zu können. Um dies unter relativ günstigen Bedingungen zu erlernen, tritt er nach Zurücklegung des 17. Altersjahres in die Segelfluggruppe ein. Der heutige Mitgliederbestand der Segelfluggruppen erlaubt es aber nicht, jedem, der an ihre Pforten anklopft, Einlass zu gewähren. Es werden in erster Linie jene Bewerber berücksichtigt, die ihre fliegerische und

kameradschaftliche Eignung schon in der Modellfluggruppe unter Beweis gestellt hatten. Es ist damit noch lange nicht gesagt, dass jeder Modellflieger sich nun einfach glatthin als Pilot eignet und bewährt. Darüber hat er dann bei den Segelfliegern zuerst noch Zeugnis abzulegen. Hat er sich aber dort als Flieger und Kamerad ausgewiesen und ist sein Körper den Anforderungen gewachsen, dann wird ihm der Weg zur Militäraviatik und damit unter Umständen zum zivilen Luftverkehr, dem höchsten Traum eines flugbegeisterten Jungen, kaum mehr versperrt sein.

Wir jungen Schweizer aber, die wir die Zukunft unseres Vaterlandes sind, wollen uns darum den Wahlspruch, der an der Landesausstellung 1939 in Zürich geprägt wurde, zum Motto unserer Freizeitbeschäftigung machen: «Ein Volk, das nicht fliegt, wird überflügelt.»

pfr.



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