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Passung gesucht

von Ralph Müller
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Anpassen und verkleben einer Klarsicht-Kabinenhaube

Nichts verhunzt die Optik an einem Segler mehr als eine schlecht passende Kabinenhaube. Insbesondere dann, wenn sie aus Klarsichtmaterial besteht und mit ihrem Rahmen verklebt und ihr Rand lackiert werden muss. Wie ist da fachgerecht vorzugehen?

Zugegeben, ich weiss nicht mehr, wie lange es her ist, dass ich diese Tätigkeiten durchführen musste. In ARF-Zeiten kommen derlei Dinge in der Regel fix und fertig zur Kundschaft. Beim Vettore ist das nicht so, da wird noch Modellbau fällig. Gezielt und mit Sorgfalt vorgegangen, ist das aber kein Hexenwerk. Geduld indes braucht es in höherem Mass, die sollte der «Kabinenhauben-Handwerker» mitbringen. Was das modellbauerische Vorgehen betrifft, gilt: Hier steht, wie es geht.

Als Erstes geht es darum, den exakten Verlauf zur Rumpfauflage auf die Haube zu übertragen, einen Anriss zu schaffen. Und da sind moderne Seglerrümpfe mit ihren in Radien verlaufenden Kabinenauflagen ganz andere Herausforderungen als Oldtimer mit geraden Verläufen. Die grob zugeschnittene Klarsichthaube wird platziert, ausgerichtet und mit Kreppband fixiert. Hier wird ein funktionstüchtiger Haubenrahmen vorausgesetzt. Er muss also mit allen Befestigungselementen versehen sein, der Haubenverschluss sitzt bereits fertig eingebaut im Rumpf.

Jetzt tritt das Skalpell in Aktion, mit ihm fahren wir unter leichtem Druck die Kontur der Rahmenauflage ab. Ist das geschafft, muss die Haube zwecks Beschnitt mit der Schere abgenommen werden. Wir schneiden vorsichtig mit einer eher kleineren Schere am Anriss entlang.


Passt nicht

Der Neugier folgend und zur Überprüfung macht sich beim Aufsetzen der zugeschnittenen Haube Frust breit. Sie passt nicht, ist immer noch zu gross. Wie das? Die Erklärung ist ganz einfach: Bei diesem ersten Anriss liegt sie auf dem Rumpf auf, und der ist zum Haubenrahmen hin übermassig. Es bleibt nichts anderes übrig, als den ganzen Vorgang zu wiederholen. Aber keine Angst, wir sind kurz vor dem Zuschnitt-Ziel.

Die Schere folgt dem neuerlichen Anriss – es ist nur wenig Material wegzuschneiden – und bringt uns fast ans Ziel. Fast deshalb, weil unsere Haube an einigen Stellen immer noch nicht zur vollen Zufriedenheit passen wird. Weil kein Mensch mit der Schere den jeweils korrekten örtlichen Radius treffen wird.


Schleiflatte und CAB

In diesem Stadium wird durch mehrfaches Aufsetzen und Anzeichnen ermittelt, wo noch Material weg muss. Grössere Überstände – in diesem Stadium eher selten – können mit der Schere abgeschnitten werden, ansonsten tritt doch tatsächlich die Schleiflatte auf den Plan. Bei weichem Kunststoff? Doch, das geht und ist eigentlich auch das einzige Mittel, den Haubenrand in die richtige Form zu bringen. Allerdings gibt es einiges zu beachten. Die Klarsichthaube muss auf einer weichen Unterlage liegen, die Schleiflatte ist mit 80er-Schleifleinen beklebt und der entstehende Schleifstaub darf keinesfalls abgewischt werden, weil sonst sofort Kratzer entstehen. Ausblasen heisst das Zauberwort, Besitzer eines Kompressors sind im Vorteil. Wie auch immer, dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die Haube möglichst genau passt. Sie darf auf gar keinen Fall irgendwo überstehen, zu gross sein. Leichte Untermasigkeit hingegen ist nicht tragisch. Dazu kommen wir noch. Doch jetzt ist erst mal die Haube mit ihrem GFK-Rahmen zu verheiraten, zu verkleben. Dazu ist sie auf ihrer Innenseite, der Klebestelle, vorsichtig anzurauen. Ist der Schleifstaub entfernt, muss dafür gesorgt werden, dass, ist der Kleber aufgebracht, sie auf den ersten Rutsch richtig sitzt – weil sonst, muss korrigiert werden – Kleber verschmiert würde. Im jetzt noch trockenen Zustand, Rahmen auf dem Rumpf, Haube passgenau fixiert, wird vorne und hinten, jeweils mittig, durch Haube und Rahmen ein Sackloch gebohrt, in das je ein Führungsstift kommt. Sitzt alles, geht es ans Heiraten.

Der Kleber der Wahl heisst Uhu plus endfest, wird mit Microballon entsprechend eingedickt – eine Konsistenz wie zähflüssiger Honig ist nicht schlecht – und mit der spitzen Seite einer Lanzette auf den Rand des Haubenrahmens aufgebracht. Auf gar keinen Fall versuchen, die Kleberemulsion auf den angeschliffenen Haubenrand aufzubringen, es würden sofort winzige «Kleberwürstchen» in die Haube hineinfliegen, weil sie statisch aufgeladen ist. Der Rumpf wurde vorher grosszügig und mehrfach mit Trennwachs behandelt, die Haube ist sauber, der Rahmen sitzt auf dem Rumpf, die Führungsstifte sind gesteckt. Jetzt hängt alles davon ab, wie präzise das Aufstülpen der Haube über die beiden Stifte gelingt. Mutanten mit vier Händen sind im Vorteil. Da es die aber nicht gibt, bittet der Autor seine Angetraute um Hilfe, schliesslich handelt es sich um eine Hochzeit. Ist der korrekte Sitz erreicht, wird zuerst mit einigen Kreppstreifen gesichert. Die Stifte kommen heraus und unser Pärchen darf trocknen. Und zwar ausgiebig, weil sonst die ganze Einheit schwer vom Rumpf zu lösen ist.


Ab damit

Tags darauf wird es spannend. Die Rahmen-Hauben-Einheit widersetzt sich grundsätzlich zaghafteren Abnehmversuchen. Leichte Handkantschläge auf den Rumpf lösen das aber. Daher ist es von Vorteil, wenn noch keine Spanten oder Servobretter eingebaut sind, er nachgeben kann. Die Haube besäumen, von überflüssigem Kleber durch Wegschleifen befreien und probehalber aufsetzen. Auch wenn noch so exakt wie möglich gearbeitet wurde, werden wir nachharzen müssen. Das geschieht jetzt mit Epoxydharz, wiederum mit Microballon versetzt, der Rumpf ist vor Aufsetzen der mit Kleber versehenen Haube erneut gut gewachst worden. Die Harzemulsion wird nur an den zuvor angezeichneten Stellen angegeben und muss wieder völlig ausgehärtet sein, bevor es an die finalen Arbeitsschritte geht.

Und die heissen: Überstände wegschleifen, Passung überprüfen. Ist alles gut, kann es ans Lackieren des Haubenrands gehen. Dem Abdecken mit speziellem Klebeband aus dem Kfz-Lackierbereich folgt das Anschleifen des Haubenrands. Es darf ruhig etwas gröberes Schleifpapier verwendet werden, Körnung 100 ist gut. Es muss bis ans Abdeckband herangeschliffen werden, weil auf dem sonst glatten CAB kein Lack hält. Und auch kein Filler, und der kommt jetzt als Erstes drauf. Mit dem Pinsel, damit sind nach zwei Anstrichen auch gröbere Schleifspuren verfüllt. Wer es ganz gut machen will, zieht vor dieser Arbeit das Klebeband ab und erneuert es. Der Grund: Beim Anschleifen des Haubenrands wird es sich kaum vermeiden lassen, dass an der einen oder anderen Stelle das Band verletzt wird. Und an den Stellen wird unweigerlich eine unsaubere Lackkante entstehen.


Wasser marsch

Nix da, wenngleich jetzt nass geschliffen werden muss – der Filler ist zu glätten – geschieht das unter Einsatz von mässigem Nass. Wir schleifen so lange, bis die Füllerschicht gleichmässig glatt ist. Eventuell etwas dünner ausgeschliffene Stellen sind belanglos, sie müssen nur glatt sein. Bevor es zur finalen Randlackierung kommt, muss neu abgedeckt werden, und zwar alles, denn Sprühnebel ist ein ganz hinterhältiger Geselle, er setzt sich überall hin.

So, jetzt sind wir endlich beim letzten Arbeitgang, dem Lackieren. Weiss, RAL 9003, passt astrein zum weissen Gelcoat unserer GFK-Rümpfe. Wer einen Kompressor und eine Spritzpistole hat und damit umgehen kann, darf loslegen. Der Autor macht das so, setzt auf 2-K-Lack und nebelt das zuvor peinlich genau gereinigte Bauteil zwei Mal vor. Auf keinen Fall versuchen, in einem Rutsch deckend zu lackieren! Da rennt die Farbe nur weg. Gut anziehen lassen, je nach Temperatur bis zu 15 Minuten, und jetzt deckend und auf Glanz lackieren. Nicht zu viel auftragen, das gibt nur eine dicke Kante. Wer das nicht so machen kann, darf auch gerne auf Sprühdosen ausweichen, das ist dann in aller Regel 1-K-Lack, der geht aber auch. Oder einen Autolackierer beauftragen. Gut, wenn man einen im Verein hat. Der Lack muss völlig trocken sein, erst dann kann die Kabinenhaube gehäutet, von ihrer Abdeckung befreit werden. Das in unserem Beispiel orangefarbene Lackierer-Abdeckband kommt zuletzt dran, wird unter spitzestem Winkel abgezogen, wie beim Instrumentenpilz gezeigt. Das Aha-Erlebnis kommt beim Aufsetzen der Haube auf den Rumpf, wenn sich die im Bild gezeigte Passung einstellt.




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