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Alter Lehrer grüsst alten Schüler

von Emil Ch. Giezendanner
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Wer hat schon das Glück, seinen ehemaligen Primarlehrer an einer Klassenzusammenkunft (Hochdeutsch «Klassentreffen») begrüßen zu dürfen. Muss aber vorher noch beifügen, dass wir uns zwischen- durch ein paar wenige Male auch beruflich begegnet sind. Als er mir kürzlich einen Aufsatz, woraus hervorging, dass ich Chemiker werden wollte, zugestellt hatte, schickte ich ihm zum Dank die neueste

Modell-Flugsport-Ausgabe zu. Die Gefahr, dass er zum Schluss kommen könnte, dass seine Grammatik-Lehre wenig gefruchtet hätte, nahm ich für einmal in Kauf. Denn soweit ich mich erinnern kann, stimmt die Chemie zwischen uns beiden auch ohne chemischen Beruf. Und im Alter wird man doch eher etwas grosszügiger – soll auch für Pädagogen zutreffen. Nun, die Antwort liess nicht lange auf sich warten. In einem grossen Couvert, profimässig verpackt, erhielt ich ein paar

Wochen später mehr als ein Duzend Modellflug-Briefmarken aus aller Welt – für mich fast ein Akt treuhänderischer Pflege. Mein Lehrer muss ein erfahrener Sammler sein. Nur schon aus einer grossen Sammlung Modellflug-Sujets herauszusuchen, muss ich als Laie als grosse Leistung bewundern. Der grösste Anteil der Marken stammt aus Osteuropa und Asien. Vor einiger Zeit wurden im MFS auch südamerikanische Marken abgebildet. Offenbar hat das «libe-

rale» Westeuropa – insbesondere die EU – keinen Sinn für Freizeit und Hobby. Gepflegt werden Grosskonzerne. Das Kleine stört, geht vergessen oder wird zuTode reguliert. Dabei bringt gerade die Liebe zum Detail das wohl grösste Potenzial an technischer Innovation. Ich danke meinem ehemaligen Lehrer, dass er uns mit seinen Modellflug-Briefmarken eine andere Sicht der Welt ermöglicht hat.




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