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Kunstflug im «Ländle» – eine Erfolgsstory

von Rahel Meister
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Sage und schreibe 40 Jahre lang war Günther Matt Präsident der Modellfluggruppe Liechtenstein (MFGL). Nun tritt er etwas kürzer, bleibt dem Verein aber natürlich erhalten. Ein Modellflugmärchen vor der idyllischen Kulisse des Rheintals über Kameradschaft, Weltoffenheit und beeindruckende Wettkampferfolge.


Hätte sich der zwölfjährige Günther 1957 mit dem dazuverdienten Batzen – wie sein Vater Ludwig erst vermutete – eine Modelleisenbahn ausgesucht, wäre die Geschichte des Modellflugsports im «Ländle» wohl eine andere geworden. So aber war nicht nur der junge Günther sofort fasziniert von der Modellfliegerei, sondern auch sein Vater.

Der Enthusiasmus hielt an und am 13. Mai 1961 gründeten die Matts den ersten Modellflugverein Liechtensteins – die Modellfluggruppe Liechtenstein (MFGL). Ludwig amtierte als Präsident, Günther und sein Bruder Wolfgang gehörten zu den ersten der 13 Gründungsmitglieder. In den Anfangszeiten des Vereins widmeten sich die Piloten vor allem dem Fesselflug mit Benzinmotoren. Der inzwischen 75-jährige Günther erinnert sich: «Das Handwerk spielte damals eine wichtige Rolle – denn aufwendige Reparaturarbeiten gehörten genauso zu unserem Sport dazu wie das Fliegen selbst.»


Erfolgreiche Eigenkonstruktionen

Günther flog nicht nur, sondern liebte es ebenso, neue Flieger zu konstruieren, zu entwickeln und zu bauen. Der Maschinenbauingenieur, der massgeblich am Aufbau der Gasversorgung Liechtensteins mitwirkte, hat aufgehört zu zählen, wie viele Flieger er in seinem Leben gebaut hat – es sind



Hunderte. Nahm er zu Beginn noch selber an Wettbewerben in der Kategorie F3A, also Motorkunstflug, teil, zog er bald immer mehr die Fäden im Hintergrund. Er unterstützte seine Brüder Wolfgang und Norbert und weitere ambitionierte Vereinsmitglieder, indem er eifrig neue Modelle hervorbrachte und mit ihrer Hilfe laufend weiterentwickelte. Damals gab es, im Gegensatz zu heute, kaum Flieger ab der Stange zu kaufen: Nicht zuletzt entschied so das Können des Konstrukteurs über Sieg oder Niederlage. «Ich merkte, dass ich so mehr zum Wettkampferfolg beitrug, als wenn ich selber flog – und Spass machte mir die Entwicklung und der Bau der Flieger ohnehin», begründet Günther seinen Entscheid, vor allem hinter den Kulissen zu wirken. Bescheidene Worte, die sich in einer beispiellosen Erfolgsgeschichte spiegeln: Wolfgang und die Mannschaft der MFGL gewannen alles, was es zu gewinnen gab. Wolfgang wurde zweimal Weltmeister und fünfmal Europameister in der Kategorie F3A, um nur die wichtigsten Stationen zu nennen. Im Jahr 2000 wurde er für seine Erfolge zu Liechtensteins Sportler des Jahrhunderts gekürt. Dem jüngsten Bruder Norbert gelang 1975 an der WM in Bern ein beachtlicher 8. Platz, und gleichzeitig wurde er mit der Mannschaft Vize-Weltmeister. «Ohne Günther wäre das so nicht möglich gewesen», bestätigen er und Wolfgang, «er hat uns nicht nur mit hervorragenden Fliegern ausgestattet, sondern ist dem Team immer und überall unermüdlich zur Seite gestanden.»

Um die herausragenden Modelle auch anderen Piloten zugänglich zu machen, produzierten die Matt-Brüder einige Modelle in Kleinserien. In Günthers Modellflugladen, den er nebenberuflich während fast 25 Jahren führte, gingen unter anderem rund 200 Stück des «Matt-Superstar-Modells» (1969 bis 1973) über den Ladentisch.



Gäste aus aller Welt

Für die 1962 gebaute Asphalt-piste hatten sich die Liechtensteiner einen idyllischen Flecken ausgesucht. Im Rheintal, mit Blick auf die Berge und ohne Nachbarn, die sich am Flug-lärm stören könnten. Auch die Infrastruktur kann sich sehen lassen: Was als kleine Baracke begann, ist heute dank grossem Einsatz der Vorstands- und Vereinsmitglieder zu einem komfortablen und gemütlichen Clubhaus angewachsen. Die Küche ist auffallend professionell ausgestattet – kein Wunder – stehen doch jedes Jahr mehrere Anlässe auf dem Programm. Das Internationale Freundschaftsfliegen gilt inzwischen als eine Art inoffizielle WM im Kunstflug und lockt sogar Piloten aus Japan und Neuseeland an. Dieses Jahr fällt der Anlass leider der COVID-19-Pandemie zum Opfer, aber im nächsten Jahr werden wieder zahlreiche Zuschauer und Piloten den malerischen Flugplatz in Beschlag nehmen.

Der Verein, der über 100 Mitglieder zählt und seit Beginn Mitglied des Schweizerischen Modellflugverbands und des Aeroclubs Schweiz ist, kann sich nicht über Nachwuchssorgen beklagen. «Auch wenn die Wettbewerbsfliegerei bei den Jungen nicht mehr so hoch im Kurs zu sein scheint, finden immer wieder motivierte Junioren ihren Weg zu uns», freuen sich die Gebrüder Matt. Der 27-jährige Stefan Kaiser ist bereits sehr erfolgreich in die Fussstapfen der Matts getreten.



Ganz lassen kann er es nicht

Wer jetzt denkt, dass sich Günther nach seinem Rücktritt künftig zurücklehnen wird, der kennt ihn schlecht: Als Vizepräsident wird er dem neuen Präsidenten Daniel Schierscher tatkräftig zur Seite stehen. Langweilig wird es Günther ohnehin nie: Der vierfache Grossvater – leider teilt bisher keiner der Nachfahren seine Leidenschaft für den Modellflug – macht nämlich auch auf dem Parkett eine gute Figur. Er tanzt mit seiner Frau Marlies Standard- und Lateinamerikanische Tänze und ist im Tanzclub Liechtenstein – wie könnte es anders sein – seit 20 Jahren Präsident. Auf sein aussergewöhnliches Engagement angesprochen, heimst Günther die Lorbeeren nicht für sich alleine ein: «Ohne meine Frau wäre dieser jahrzehntelange Einsatz gar nicht möglich gewesen; sie hat mich immer unterstützt und tatkräftig mitgeholfen.»




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