Fesselflug-Weltmeisterschaft 2008 in Frankreich
Die Weltmeisterschaften für Kreisflug gehören mit zu den weltweit grössten Modellflugveranstaltungen überhaupt. Zum dritten Mal fanden sie in diesem Jahr in Frankreich statt und brachten insgesamt mehr als 600 Aktive, Helfer und Supporter für 10 Tage nach Lothringen.

Die permanente Fesselfluganlage in Landres, sie liegt etwa 50 km nördlich von Metz, verfügt über drei Hartbelagkreise, drei Graspisten und zugehörige Nebengebäude. Gerade im Bau sind eine grosszügige Mehrzweckhalle und ein modernes Schwimmbad. Die Anlage wurde vor rund 10 Jahren errichtet und wird seither, gefördert durch die öffentliche Hand, laufend ausgebaut. Das vorbildliche Aktivitätszentrum für technischen Modellbau stellt dem Spitzensport eine hervorragende Plattform zur Verfügung und ermöglicht damit die für die Förderung des Breitensportes unverzichtbare Vorbildwirkung. Interessant ist, dass in Frankreich ähnliche Einrichtungen in den Regionen von Paris, St. Etienne und Poitiers bestehen. Besonders zu erwähnen ist die Anlage in La Que en Brie, bei Paris. Sie verfügt über eine Hartbelagpiste für R/C Flächenmodelle, einen Hartbelagkreis für Fesselflug, einen Helipad, einen offroad track für Gelände R/C Autos und eine Hartbelagpiste für ferngesteuerte Rennwagen. Dazu grosse Grasflächen, Werkstätten, Büros, Boxen, Tribünen, sanitäre Anlagen und Parkplätze. Alles in bestem Zustand, professionell betreut. Offen für alle, gegen bescheidenes Entgelt. Eine derartige Gemeinschaftsanlage für Flugzeuge, Autos, vielleicht auch noch für Schiffe, ist nicht nur ein sehr wertvolles Zentrum für Aktive und für den Nachwuchs, sondern sie ist, wie bei Paris zu beobachten, auch ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Warum nicht auch in der Schweiz? Für Leser mit Visionen hier ein Tipp: Google Earth 48°46'12.10" N und 2°34'56.14" E
In der Kategorie F2A Geschwindigkeit massen sich 47 Teilnehmer, darunter 6 Junioren. Mit einer Geschwindigkeit von 296,3 km/h gelang es dem mehrfachen Weltmeister Luis Parramon aus Spanien einmal mehr, seinem 2,5-cm3-Glühzündermotor die höchste Leistung im optimalen Zeitpunkt zu entlocken. Um so schnell zu fliegen, waren mit Sicherheit mehr als 38 000 Upm erforderlich, in Anbetracht der hohen Lufttemperaturen keine ganz einfache Sache! Leider, obwohl wir in Breitenbach eine dafür hervorragend geeignete Anlage haben, war in dieser anspruchsvollen Klasse für technische Innovatoren kein Teilnehmer aus der Schweiz am Start.

Die Kunstflieger der Kategorie F2B profitieren seit einigen Jahren weltweit von einem Aufschwung, und so reisten nicht weniger als 94 «Akrobaten» mit 10 Junioren, unter anderem aus China, USA und Brasilien, nach Frankreich. Einmal mehr bewährte sich das neue Reglement, welches den Flugbetrieb auf zwei Kreisen ermöglicht, sehr gut. Innert 4 Tagen konnte so jeder Konkurrent 4 Flüge absolvieren, um sich für den Final der besten 15 zu qualifizieren. Hervorragend gleichmässige Wetterbedingungen und ausgezeichnete Trainingsplätze erlaubten es, Material und Piloten optimal vorzubereiten und einzustellen.
Den Final vom Sonntag, 3. August, diesmal mit recht viel Wind und Turbulenz, gewann David Fitzgerald aus den USA. Peter Germann erreichte Rang 41, und die Kameraden Peter Däppen und Peter Hofacker schlossen auf den Rängen 64 und 75 ab. Auch als Folge des neuen Reglementes waren einige Konkurrenten mit elektrischen Antrieben am Start. Was ein solches System in der Hand eines guten Piloten leisten kann, zeigt der 2. Schlussrang von Igor Burger aus der slowakischen Republik.

Die Formel 1 der Kreisflieger, das Mannschaftsrennen (F2C), sah ein Teilnehmerfeld von 42 Mannschaften inkl. 3 Junior-Teams, wobei die in den Vorläufen vom Team Kramarenko/Chaika aus der Ukraine erreichte Zeit von 3:01,9 Minuten für 100 Runden (10 km, inkl. 2-mal landen und nachtanken!) einen neuen Massstab setzte.
Die Mannschaft Heiner Borer/Heiner Studer wurde durch einen Schaden an einem der hoch belasteten Kugellager beeinträchtigt und erreichte, nach gelungener Reparatur über Nacht, mit einer Zeit 3:26.5 in der Schlusswertung den 25. Rang. Sieger des Finallaufs über 200 Runden vom Sonntag, 3. August, wurde, nach einer durch die FAI-Jury angesetzten Wiederholung, die Mannschaft Simons/Potter aus Australien. Das ausserordentlich hohe Niveau der WM 2008 lässt sich auch daraus ableiten, dass zur Halbfinalqualifikation eine Zeit von weniger als 3:15 notwendig war.
In der die immer zahlreichen Zuschauer begeisternden Kategorie der Fuchsjagd (F2D) waren nicht weniger als 92 Piloten am Start. Leider war es auch hier so, dass in dieser kampfbetonten «Action»-Kategorie kein Eidgenosse in den Ring stieg. Eigentlich schade, denn es gibt wohl kaum eine spannendere und schnellere Art, einen echten Luftkampf mit Modellflugzeugen auszutragen.
Die Jagdflieger lieferten sich die ganze Woche heftige Zweikämpfe, nicht immer materialschonend, und der Final am Sonntag kürte Igor Dementiev aus Moldawien als Sieger.

| Geschwindigkeit | F2A | 47 klassiert | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | Luis PARRAMON | ESP | 296,3 km/h | |
| 2. | Sandor KALMAN | HUN | 296 km/h | |
| 3. | Luca GROSSI | ITA | 295,9 km/h | |
| Kunstflug | F2B | 89 klassiert | ||
| 1. | David FITZGERALD | USA | 1056,03 Pt. | |
| 2. | Igor BURGER | SVK | 1044,48 Pt. | |
| 3. | Xinping HANG | CHI | 1039,91 Pt. | |
| 41. | Peter GERMANN | SUI | 1866,33 Pt | |
| 64. | Peter Däppen | SUI | 1729,13 Pt. | |
| 75. | Peter Hofacker | SUI | 1675,2 Pt. | |
| Mannschaftsrennen | F2C | 42 klassiert | ||
| 1. | SIMONS/POTTER | AUS | 6:13,2 min | |
| 2. | OUGEN/SURUGUE | FRA | 6:32,2 min | |
| 3. | SURUGUE/SURUGUE | FRA | Disq. | |
| 25. | BORER/STUDER | SUI | 3:26,5 min | |
| Fuchsjagd | F2D | 92 klassiert | ||
| 1. | Igor DEMENTIEV | MDA | 8 win/2 loose | |
| — | Aleksandr POKORSKI (jun) | UKR | 8 win/1 loose | |
| — | Stanislav CULACICHIN | MDA | 8 win/1 loose |
An den in Frankreich ausgetragenen Fesselflug-Weltmeisterschaften 2008 trafen sich die Nationalmannschaften aus 42 Ländern. 312 Konkurrenten erreichten eine Klassierung. Die hervorragende Infrastruktur und die makellose Qualität der Organisation verdienen ganz besonders, hervorgehoben zu werden. Die Schweizerische Nationalmannschaft dankt den Organisatoren für deren grossen Beitrag zur gemeinsamen Sache.
Die Teilnahme war für die Schweizer Kreisflieger wertvoll und motivierend. Wir danken dem Schweizerischen Modellflugverband für die gewährte Unterstützung und für die immer positive Haltung zum Modellflugsport.
*Text: Peter Germann, TM.*
*Bilder: Claus Maikis, Evelyne Hofacker, Claudia Kehlen*


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