10 Jahre igm-gäsi – ein Verein hat Schwein
Am Samstag, dem 27. November, konnte die Interessengemeinschaft der Modellflieger das 10-jährige Bestehen ihres Fluggeländes im Gäsi – gegenüber der Schweinemästerei – im wunderschönen Vereinslokal der Harmoniemusik Netstal feiern. Die rund 40 Mitglieder mit ihren Angehörigen wurden von der feinen Küche unter der Ägide des Kochlöffels der Familie Steinegger nach Strich und (Spaghetti-) Faden verwöhnt.
Dank dem guten Einvernehmen mit den Nachbarn und dank dem Entgegenkommen von Pächter, Kanton und Gemeinde bietet sich den Modellfliegern seit 10 Jahren ein tolles Fluggelände. Dank einiger Investitionen wie Rasenmäher, Sicherheitszaun und Überdachung gestaltet sich der Modellflugbetrieb sicher und reibungslos. Trotz ein paar Schadenfällen an Modellen ist der Flugbetrieb dank des Sicherheitskonzepts und dank der Disziplin der Modell-Piloten bis heute ohne Probleme gewährleistet.
Beim Modellflug-Hobby macht sich seit ein paar Jahren eine positive Entwicklung bemerkbar: Die manchmal trotz guter Schalldämpfung nicht zu überhörenden Verbrenner-Motoren verschwinden immer mehr und werden dank der Entwicklung der Antriebs- und Akku-Technik durch die sehr leisen Elektroantriebe abgelöst. Nur noch ein kleiner Rest von eingefleischten Modellfliegern fliegt noch mit Verbrenner-Modellen; der grösste Teil der Flugmodellgruppe hat schon auf Elektroflug umgestellt. Auch die neueste Entwicklung auf der Seite der Fernsteuerungen bietet plötzlich ein immenses Mass an Sicherheit; könnten doch dank der neuen Sendetechnik theoretisch Dutzende von Modellen ohne gegenseitige Störungen gleichzeitig gesteuert werden.
Die Modellflieger von der igm-gaesi wünschen sich weiterhin ein gutes Einvernehmen mit Nachbarn, Behörden und Passanten und hoffen auf einen reibungslosen und befriedigenden Modellflugbetrieb. Anfänger und Neugierige werden von uns gerne informiert und unterstützt.
Verehrte Ehrengäste, hoch getraute Ehefrauen und Freundinnen, hochvertraute Modellflieger!
Ich nenne Euch mit Absicht nicht «liebe Modellflieger», denn nach diesem Votum werde ich ziemlich sicher kaum mehr ein guter Freund für alle sein.
Aber lassen Sie mich Ihnen doch zuerst vorstellen: Wie mein Outfit zeigen soll, gehöre ich dem grünen Flügel des politischen aktiven Teil der Bevölkerung an; ja ich bekenne mich schuldig, sogar auf der extrem grünen Seite des Polit-Spektiums zu stehen und ich setze mich vor allem mit all meiner Kraft für die Erhaltung einer gesunden Flora und Fauna ein. Wahrscheinlich kennt mich keiner von Euch persönlich mit Rang und Namen. Aber Ihr habt mich sicher schon alle mindestens einmal gesehen, aber nicht im Bewusstsein gespeichert, sondern Euer schlechtes Gewissen hat mich unbewusst aus Eurer Erinnerung verdrängt.
Ich halte mich häufig in der Nähe Eures Fluggeländes auf, besonders bei Flugbetrieb. Dass Ihr mich nicht kennt, liegt auch daran, dass ich in verschiedenen Gestalten auftrete:
Manchmal bin ich ein sportlicher Velofahrer in Biker-Kluft; hie und da auch eine Mutter, die im Velo-Anhänger 1–2 Kinder nach sich schleppt. Dazwischen bin ich auch ein einzelner Spaziergänger oder –wenns hoch kommt – ein Jogger. Oft seht Ihr mich auch hoch zu Ross vorüberreiten. Auch kreise ich hie und da als Gleitschirmler oder als Deltapilot über Euren Köpfen. Selten sitze ich auch auf einem Traktor als Bauernknecht verkleidet und rattere vorüber, auch wenn ich nicht gerade Arbeit auf dem Felde zu verrichten habe. Dabei habe ich genügend Gelegenheit, zu Euch hinüberzuschie-
len. Dass ich mich Euch gegenüber nicht zu erkennen gebe, entspricht meiner Taktik: Ihr sollt merken, dass Ihr nicht unbeaufsichtigt Eurem Hobby frönen könnt. Ein bevorzugter Beobachtungspunkt ist für mich der Schweinemastbetrieb, wo ich den Vielbeschäftigten mime und – mich im lieblichen Duft suhlend – Euer Tun beobachte.
Ich selber habe es zu meiner Hauptaufgabe gemacht, dass sich Pflanzen, Tiere und Menschen in aller Ruhe ungestört entfalten können. Gräser, Blumen, Büsche und Bäume sollen im Frieden wachsen. Würmer, Wiesel, Maulwürfe und Vögel sollen einen intakten und ungestörten Lebensraum vorfinden und der erholungssuchende Mensch soll nicht durch sinnlose Tätigkeiten gestört werden.
Dafür stehe ich ein und kämpfe mit all meiner Kraft. Deshalb wünsche ich auch, dass Euer Modellflugplatz eines Tages wieder aufgegeben werden muss.
Nach dieser ermutigenden Einleitung möchte ich noch auf mein Hauptanliegen zu sprechen kommen. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie mir zumute war, als der Modellflugbetrieb gestartet wurde! Meine Wenigkeit und meine mir unterstellte Natur wurden völlig überrumpelt: Der die Umwelt belastende Modellflugbetrieb hatte und hat einschneidende Auswirkungen: die Blumen lassen ihre Blüten hängen und haben Mühe, Wasser aus dem Boden nachzuziehen, sobald über ihren Köpfen ein Modell herumschwirrt. Die Maulwürfe haben sich schweren Herzens entschlossen, ihre Gänge einen Stock tiefer zu legen, was immense Mehrarbeit bedeutet. Die kleineren Singvögel verliessen ihre Brutplätze fluchtartig; nur die Möwen konnte ich dazu bewegen, hie und da Bänke und Stühle zu verunreinigen, um den Modellfliegern das Leben sauer zu machen.

Auch scheint mir der Abgasnebel negative Einflüsse auf das Seelenleben von Gras, Sträuchern und Bäumen zu haben. Zum Glück produzierten die Piloten nicht wenige Abstürze. Und jeder Schadenfall nährte in mir die Hoffnung auf einen Super-Gau, der dem ganzen Treiben ein Ende bereitet. Doch Ihr Modellflieger hattet bis heute ein Riesenglück: Die Abstürze erfolgten ohne grosse Schäden an Tier-, Menschen- und Pflanzenwelt. Als dann leider
die Elektroantriebe die viel lautereren Verbrenner zu vertreiben begannen und damit die Geräuschemissionen sich verringerten, schwand meine Hoffnung auf ein vorzeitiges Ende des Modellflugplatzes. Zu meinem Leidwesen muss ich auch gestehen, dass die Flugdisziplin recht gut ist, sodass kaum mit einem Abschuss eines Deltafliegers durch ein Modellflugzeug gerechnet werden kann. Trotz Elektroflug und Disziplin hat sich in letzter Zeit aber eine
Entwicklung breitgemacht, die meine Hoffnungen wieder aufleben liessen. Mit hämischer Freude habe ich festgestellt, dass die Ausmasse der Modellflugzeuge teilweise übertriebene Grössen angenommen haben und dabei immer schwerer und schneller geworden sind. Damit ist auch der beschränkte Flugraum angereizt und ich hoffe auf eine Komplikation mit dem Verkehr auf der nahe liegenden Autobahn oder auf einen massiven Flur- oder Ge-
bäudeschaden. Auch habe ich mit Genugtuung miterlebt, wie grosse Modelle knapp neben kostbaren Kühen eingeschlagen sind; einmal wurde sogar ein Mensch durch ein Modell zu einem lebensrettenden Hechtsprung gezwungen. Sollte sich diese Entwicklung zu immer grösseren und schnelleren Modellen fortsetzen, ist der Tag für mich nicht weit entfernt, wo ein ausser Kontrolle geratenes Modell verheerende Wirkungen haben wird, was ich für mich und meine geplagte Natur sehr begrüssen werde.
Leider – für mich – gibt es noch genug Modellflieger, die offensichtlich ihrem Platz Sorge tragen wollen und die leider für Vernunft, Einschränkungen beim Flugraum mit bescheidenen Modellen und mehr Disziplin einstehen. Sollte diese Clique innerhalb des Vereins die Oberhand gewinnen, sehe ich meine Hoffnungen schwinden, dass der Platz aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden muss. Trotzdem werde ich den Kampf für eine ungestörte Natur fortsetzen.
Bitte habt Verständnis, dass ich nach diesem Angriff auf Euer Hobby unerkannt bleiben will. Immerhin habe ich mich jetzt so weit zu erkennen gegeben, dass Euch meine Präsenz bewusster wird. Das sollte vorläufig reichen!
Der grüne Heinrich


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